Grandioses von Braque in der Galerie am Staden

Ausstellung : Sehenswertes in der Galerie im Staden

Große und aufwändige Schau mit Werken von Georges Braque. Viele Jahre Vorlauf waren nötig.

Für diese ganz besondere Ausstellung mit Werken von Georges Braque (1882-1963) brauchte Gernot Neuheisel viele Jahre Vorlauf. Denn allzu leicht ist es nicht, an solch hochkarätige Arbeiten eines der Gründungsväter des Kubismus zu kommen.

„Kontakte sind das A und O in der Kunstwelt“, erzählt der nimmermüde Galerist, dessen Herz seit vielen Jahrzehnten für die Klassiker schlägt. Und unter ihnen nimmt der im französischen Argenteuil geborene Braque nun mal eine überragende Rolle ein.

Nicht nur, dass er Picassos (1881-1973) Zeitgenosse und Freund war, er war auch dessen früher Wegbegleiter: Gemeinsam haben die beiden Anfang des 20. Jahrhunderts der abbildhaften Dinglichkeit Adieu gesagt und begonnen, die Welt in Kuben und Prismen zu zerlegen.

Doch im Laufe der Jahre beschritt Braque seinen eigenen Weg des Kubismus hin zu einem ausdrucksstarken Stil, den die ausgestellten, zum Großteil handsignierten 45 Exponate eindringlich vor Augen führen. Es sind Lithografien, Radierungen und Holzschnitte, vornehmlich Leihgaben aus der Braque-Fondation und der französischen Nationalbibliothek, die hier zu sehen sind.

Darunter eine Originalfarblithografie aus dem Jahr 1929 mit dem Titel „Nature morte aux citrons“, die eindringlich vor Augen führt, wie eigenwillig Braque kubistische Chiffren in seine Bildwelt zu integrieren wusste. Deutlich zeigt sich auch, dass der Bildraum in Braques Werken zwar keine illusionistische Tiefe mehr besitzt, aber doch über Raumsignale stets präsent bleibt – selbst in einem so reduzierten Blatt wie „L’oiseau et son ombre III“, einer Radierung aus dem Jahr 1961. Vor allem in den vielen typisch Braque’schen Stillleben offenbart sich dieses Oszillieren zwischen Fläche und Raum, das sein gesamtes Werk durchwirkt.

Zur Treue zur Gegenständlichkeit gesellen sich eine herrlich intensive Farbigkeit und Liniengenauigkeit, die darauf beruht, dass viele der Blätter aus der frühen Druckphase stammen.

Immer wieder begegnen wir dem Vogel, der gerade in Braques Spätwerk eine bedeutende Rolle einnimmt. Er verkörpert den ewigen Zauber der materiellen Verwandlung auf höchst spielerische Art und eignet sich so bestens, seine Auffassung der gegenseitigen Durchdringung von Gegenstand und immateriellem Raum auch auf philosophisch-hintergründige Weise zu verbildlichen.

Georges Braque  – Retrospektive. Bis zum 14. Dezember im der  Galerie am Staden, Bismarckstraße 62 in Saarbrücken. Geöffnet:  Dienstag,  Mittwoch, Freitag, 15-19 Uhr, Donnerstag und Samstag, 9-13 Uhr.