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Gold der Kelten aus Reinheim-Grab mit neuen Methoden untersucht

Der Schatz von Reinheim : Was das Saarbrücker Kelten-Gold verrät

Ein Forscherteam hat 2400 Jahre alten Schmuck im Museum für Vor- und Frühgeschichte mit neuen Methoden untersucht.

Sein Name ist unbekannt. Aber er muss ein absoluter Meister seines Fachs gewesen sein, jener keltische Goldschmied, der vor etwa 2400 Jahren den Halsreif schuf, der neben etlichen weiteren wunderbaren Fundstücken im Fürstinnengrab von Reinheim entdeckt wurde. „Und möglicherweise war er kurzsichtig“, sagt Dr. Barbara Armbruster. Kurzsichtig?? „Es gab ja keine Lupen. Und wenn man sich die ganzen feinen Details mit unseren heutigen Vergrößerungs-Möglichkeiten betrachtet, dann war Kurzsichtigkeit für die damaligen Goldschmiede zumindest hilfreich.“

Die Grabfunde sind im Museum für Vor- und Frühgeschichte am Schlossplatz zu sehen – normalerweise. Diese Woche war der Goldschmuck jedoch in ein mobiles Labor im Dachgeschoss ausgelagert. Dort untersuchte ein deutsch-französisches Forscherteam den Schmuck unserer Vorfahren mit Techniken, die hier noch nie im Einsatz waren. Archäologin und Völkerkundlerin Barbara Armbruster, die zudem selbst Goldschmiedin ist, arbeitet für das Centre National de la Recherche Scientifique der Universität Toulouse. Mit im Boot ist das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie (CEZ) in Mannheim, ein Forschungsinstitut für Material­analysen.

Die Partner untersuchen Goldschmuck aus dem gesamten Verbreitungsgebiet keltischer Stämme. Ein Ziel ist es, einen umfassende Datenbank von Schmuck aus allen keltischen Regionen anzulegen. Schon jetzt vermutet die Forschung, dass es Verbindungen zwischen den Kelten in ganz Europa und auch zu anderen Völkern gab. Aus einem Vergleich des Goldschmucks verspricht man sich weitere Indizien. Das mobile Labor liefert dazu Daten, ohne dem Schmuck Proben entnehmen zu müssen. So „schießt“ Moritz Numrich vom CEZ mit einem Laser auf die Fundstücke, löst dadurch Materialspuren ab, die in einem Filter aufgefangen und später im Massenspektrometer untersucht werden. Archäologin Nicole Lockhoff (CEZ) unterzieht die Fundstücke einer Röntgen-Fluoreszenzanalyse, um Erkenntnisse über die Metall-Legierungen zu gewinnen. „Es handelt sich um hochwertiges Gold“, kann sie schon sagen, „mit einem Silberanteil von nur etwa zwei Prozent“ – da das verwendete Rheingold in der Natur etwa 25 Prozent Silber enthält, müssen die Kelten also in der Lage gewesen sein, den Reinheitsgrad des Goldes deutlich zu steigern.

Archäologe Sebastian Fürst (CEZ) fängt die Details der Fundstücke mit computergestützter Mikrofotografie ein. Der Computer setzt die Mikro-Aufnahmen zum Gesamtbild zusammen, so dass eine gleichmäßig scharfe Großaufnahme entsteht. Die Bedeutung der auf den Verzierungen abgebildeten Tierwesen mit Menschen-Gesichtern ist heute unbekannt. Dennoch lassen die Formen auch Rückschlüsse zu. Etwa, wie auf einer Großaufnahme eines Armreifs zu erkennen, winzige kugelförmige Punzierungen im Goldblech. Denn diese Art der Verzierung findet sich auch an etruskischem Schmuck südlich der Alpen, was nahe legt, dass Einflüsse aus Mittelitalien ihren Weg bis an die Saar gefunden haben.

Allein der große Halsreif, so Archäologin Armbruster, „besteht aus mindestens 13 Einzelteilen, die zusammengelötet wurden – die Goldschmiede jener Zeit verfügten über ein ungeheuer komplexes und wohl auch geheimes Wissen.“ Und würde sie, als Goldschmiedin, den Reif heute nachbauen können? – „Wahrscheinlich schon. Aber das würde, auch mit modernsten Geräten, Monate dauern.“