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Titel auf Zeit
Darf Glühwein-Prinzessin blaublütig sein?

Strahlte Besuchern des Christkindl-Marktes entgegen: Nicole Ewert als  Saarbrücker Glühwein-Prinzessin.
Strahlte Besuchern des Christkindl-Marktes entgegen: Nicole Ewert als  Saarbrücker Glühwein-Prinzessin. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Schlappe drei Wochen war sie in den Adelsstand erhoben. Dann musste Nicole Ewert ihre Krone wieder ablegen. Doch die Saarbrücker Glühwein-Prinzessin genoss jede Minute, schwärmt sie. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

„Hallo, die Glühwein-Prinzessin hier“, meldet sie sich keck am Telefon. Nicole Ewert heißt die Frohnatur am anderen Ende der Strippe, eben noch Glühwein-Prinzessin in der Landeshauptstadt. Die zweite in der Saarbrücker Ahnengalerie. Und das war die 20-Jährige von vollem Herzen. „Ich habe die Zeit genossen, alle meine Termine“, schwärmt sie. Jede Minute mit all den vielen Eindrücken und Begegnungen.



Diese Aufgabe habe sie vor Herausforderungen gestellt, berichtet die Schülerin der Fachhochschule für Verwaltung. „Für mich war neu, mich mit vielen fremden Menschen zu unterhalten.“ Genau das habe sie unzählige Erfahrungen sammeln lassen.

Nicht nur auf dem Saarbrücker Christkindl-Markt, wo sie regelmäßig mit Krone, Schärpe und edlem Kleid zu sehen war. Auch Feuerwehren fragten nach, ob sie zu Besuch komme. Das tat sie.

„Ich habe so schöne Erlebnisse, wobei mich eine besonders berührt hat“, setzt sie fort. Auf einmal wird aus der lachenden jungen Frau eine  nachdenkliche. „Ich war auf dem Weg vom St. Johanner Markt in die Bahnhofstraße. Da sah ich einen Mann.“ Er habe gedankenverloren auf seinem Mobiltelefon getippt. „Ich habe ihn gefragt, ob ihm der Markt gefällt. Er sagte, dass er allein ist und auf den Markt kam, um mit anderen ins Gespräch zu kommen. Aber die meisten seien in Gruppen unterwegs.“ Er habe traurig gewirkt, beschreibt Nicole Ewert den Mann „gehobenen Alters“, wie sie ihn höflich tituliert. „Da habe ich ihn einige hundert Meter begleitet. Nur ein paar Minuten habe ich ihm Gesellschaft geleistet, aber es war eine der schönsten Erfahrungen.“

Auf die Idee, sich um diesen repräsentativen Job auf Zeit zu bewerben, der ihr diese Einblicke ermöglichte, hatten sie Freunde gebracht. „Ich rudere in einem Drachenboot. Meine Teamkollegen wiesen mich auf den Wettbewerb des Saarbrücker Verkehrsvereins hin.“ Der suchte per öffentlicher Abstimmung eine Nachfolgerin für die Glühwein-Prinzessin vom Vorjahr. Voraussetzung: mindestens 18 Jahre und im Regionalverband Saarbrücken zu Hause. Beide Kriterien erfüllte sie – und mit ihre etwa zehn weitere Bewerberinnen. Nicole Ewert machte das Rennen und hatte am 27. November, zur Eröffnung des Christkindl-Marktes, ihr Debüt.

Muss eigentlich eine Glühwein-Prinzessin heißen Rebensaft mögen? Kommt da blaublütig in diesem befristeten Adelsstand gar eine ganz andere Bedeutung zu? Die Ex-Prinzessin lacht schallend und sagt: „Dass ich die Weihnachtszeit und Glühwein mag, das ist ja selbstredend.“ Aber auch wenn sie in der Öffentlichkeit oft mit einer Tasse gesichtet wurde: „Die meiste Zeit habe ich daran meine Hände gewärmt.“

Trotzdem war sie vor Erkältung nicht gefeit. Ausgerechnet am Tag ihres letzten offiziellen Auftritts auf dem Christkindl-Markt musste sie passen. Mit Fieber lag sie danieder.

Das ist mittlerweile Schnee von gestern. Sie fühlt sich wieder wohl. Als Single. Letzteres muss kein Dauerzustand bleiben. „Ich habe viele Leute kennengelernt. Vielleicht war einer dabei.“ Schon wieder bricht ein herzliches Lachen aus ihr hervor.