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Der Natur zuliebe
Gleich mehrere Völker im eigenen Garten

Im Winter hat Hobbyimker Heribert Bernardy natürlich wenig zu tun. Im Februar dann werden seine Bienen aber wieder aktiver.
Im Winter hat Hobbyimker Heribert Bernardy natürlich wenig zu tun. Im Februar dann werden seine Bienen aber wieder aktiver. FOTO: Dennis Langenstein
Saarbrücken. Heribert Bernardy aus Gersweiler hat spät zu seiner neuen Passion gefunden: die Imkerei. Für seine Bienen hat er rund 1000 Blumen gepflanzt. Von Dennis Langenstein

Was treibt einen Menschen dazu, mit 76-Jahren Imker zu werden? „Mein Sohn hat damit angefangen“, sagt Heribert Bernardy. Allerdings wurde der passionierte Heimatforscher auch von den Erinnerungen an seinen Großonkel angefixt. Ein knapp 100 Jahre altes Foto zeigt die Tante von Heribert Bernardys neben dem Bienenhaus des Großonkels mit acht Völkern.


Neben dem Ansporn durch Sohn und Familiengeschichte treibt den ehemaligen Drogisten der Gedanke an das Bienensterben um. „Es geht mir nicht nur um den Honig, es geht mir auch um die Natur“, erklärt Bernardy. Verschiedene Insektizide, Monokulturen und die eingeschleppte Varroamilbe hätten der einheimischen Honigbiene stark zugesetzt. Die fleißigen Bienchen dienen bekanntermaßen jedoch nicht nur der Honigproduktion, sondern werden als Bestäuber vieler Pflanzenarten gebraucht.

„Eine Sammelbiene besucht pro Sammelflug etwa 100 Blüten, bei zehn Sammelflügen pro Tag sind das 1000“, sagt Bernardy. Rein rechnerisch wäre es einem ganzen Bienenvolk so möglich, an einem schönen Sommertag 20 Millionen Blüten pro Tag zu bestäuben. „Unvorstellbar, aber auch unersetzbar“, erklärt der Imker, der seit Januar sein neues Hobby betreibt. Und: „Heute ist die Honigbiene bei uns nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier. Ihre Bestäubungsleistung sichert uns die Vielfalt an Nahrungsmitteln, wie wir sie kennen und genießen.“

Und da seit 50 Jahren beinahe täglich Honig auf dem eigenen Brot lande, lag es nahe, diesen auch selbst zusammen mit der Hilfe etlicher fleißiger Bienchen zu produzieren. Und da viele Pflanzen nicht ohne die Bienen existieren können und letztere natürlich auf die Blüten angewiesen sind, pflanzte Bernardy rund 1000 Blumenzwiebeln in seinen Garten. Für den Menschen eine enorme Anzahl, doch für ein Gramm Honig, sind 8000 bis 10 000 Blütenbesuche erforderlich, klärt der Deutsche Imkerbund in einer Broschüre auf.

Im Schnitt ernte man 18 Kilogramm Honig pro Bienenvolk und Jahr, erklärt der Gersweiler Imker, der mit einem Volk seinem Hobby begonnen hat. Zwei weitere Bienenvölker will er nun durch den Winter bringen.



Wo sich seine Bienen bei ihrer Arbeit genau rumtreiben, kann Bernardy natürlich nicht sagen. Etwa drei bis vier Kilometer im Umkreis seines Gartens gingen sie ihrem Job nach. Doch Bernardy hat einen Tipp, um zu erahnen, welche Blüten die kleinen Sammler zurzeit beschäftigen, denn Bienen sind blütenstetig. Solange das Angebot stimmt, steuern sie meist die gleiche Pflanzenart an. Und so kann er anhand der Farbe des mitgebrachten Pollens zumindest erahnen, was aktuell auf dem Speisezettel der Insekten steht.

Neulingen, die sich für die Imkerei interessieren, rät Bernardy sich einen Bienenzuchtverein anzuschließen. Er selbst ist im Bienenzuchtverein Gersweiler-Klarenthal aktiv. Zusätzlich besuchte er ein Imker-Seminar bei der Volkshochschule, um sich mit dem Wissen auszustatten, das ein Bienenzüchter braucht. Etwa zwei bis drei Stunden Zeit investiere er in sein Hobby pro Woche, wobei es im Winter weniger zu tun gäbe. Mit den steigenden Temperaturen im Februar werden die Bienen wieder aktiv. Und ihm sind die Qualitätsstandards des Deutschen Imkerbundes wichtig, auch wenn er auf die Gläser und Etiketten des Bundes lieber verzichtet. Denn da kommt wieder das Hobby des Familienforschers zum Tragen. Bernardys Honiggläser ziert eine alte Zeichnung von Gersweiler.

Der selbstgemachte Honig von Heribert Bernardy: Das Etikett ziert eine Zeichnung seines Heimatortes Gersweiler.
Der selbstgemachte Honig von Heribert Bernardy: Das Etikett ziert eine Zeichnung seines Heimatortes Gersweiler. FOTO: Heribert Bernardy