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Snydergang
Saarländischer Kult-Gitarrist ist tot

Gitarrist Gerd Schneider (Mitte) trat meistens mit Hut, Sonnenbrille und Leopardenhose auf.
Gitarrist Gerd Schneider (Mitte) trat meistens mit Hut, Sonnenbrille und Leopardenhose auf. FOTO: bub / Presseagentur Becker&Bredel
Saarbrücken. Gerd Schneider, Urgestein der hiesigen Rock-Szene, ist gestorben. Von al

Die saarländische Rock-Szene hat ihn als Lebenskünstler beschrieben, den nichts aus der Bahn werfen kann. Aber plötzlich ist Kult-Gitarrist Gerd Schneider tot. „Gerd hat seine letzte große Reise angetreten. Er ist auf den Montaña Roja geklettert, hatte einen Herzinfakt und ist dort gestorben“, teilte seine Lebensgefährtin Michaela Moreels, auch Bassistin in Schneiders Band Snydergang, vergangenen Montagnachmittag im Internet mit.


Schneider hat 1970 bereits mit der Formation RS-Rindfleisch gerockt. Seine Markenzeichen waren ein schwarzer Knautschhut, eine Sonnenbrille und eine Leopardenhose. In Interviews erzählte er teilweise ergreifend von seinem Leben. Auch von seiner Drogensucht: „Ich wollte fliegen, bis in den Himmel und noch weiter.“ Amerikanische Soldaten, auf deren Stützpunkten er oft spielte, hätten ihn regelmäßig zu Drogentrips eingeladen. Irgendwann sei er dann in London gelandet, wo er lange als Musiker mit Frau und Sohn lebte. Bis seine Frau plötzlich starb. Daraufhin sei er total in die Drogensucht abgerutscht. Der Rock war oft der letzte Halt. Die Wende zum Guten kam vor knapp 30 Jahren, als mit Michaela Moreels eine neue Frau in sein Leben trat. Seine Rente hat sich Schneider als Stuckateur und Leiter von Jugendprojekten gegen Drogensucht verdient. Die Bühne hat ihn nie losgelassen. „Das bisschen Technik auf der Gitarre kann ich schon seit Jahrzehnten“, sagte Schneider Wichtig sei das Gefühl für das Instrument. Im Rampenlicht hat sich der saarländische Haudegen stets wohl gefühlt, und das hat er so beschrieben: „Das ist für mich wie für andere Leute in der Badewanne zu sitzen oder im Sandkasten zu spielen.“