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Gisela Zimmermann aus Saarbrücken zählt zu den interessantesten Künstlerinnen des Landes.

Porträt : Die Unformbare hat es geschafft

Trotz eines ersten Neins der Kunsthochschule hat die Malerin Gisela Zimmermann ihren Weg gefunden. Der Startschuss kam vom Vater.

In den vergangenen Jahren war Gisela Zimmermann vor allem durch ihre – preisgekrönte – soziokulturelle Arbeit mit Jugendlichen im Team mit „Label M“ in den Medien präsent. Dabei gehört sie auch zu den interessantesten Künstlerinnen des Landes. „Wir haben in dieser Region kaum eine malerische Position, die auf diesem Niveau mit einer ganz starken Gestaltungskraft und Expressivität ihre Arbeiten gestaltet“, sagte etwa Andreas Bayer, der ihre aktuelle Einzelausstellung im Kulturzentrum am Eurobahnhof (KuBa) in Saarbrücken kuratiert hat.

Auch wenn die gebürtige Merzigerin zuerst Sozialarbeit studiert hat und Jahre danach erst Freie Kunst, so habe doch die Malerei in ihrem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Schon als Kind hat ihr der Vater, selbst ambitionierter Freizeitkünstler, Stillleben arrangiert und sie ermuntert: „Zeichne mal!“ So sehr Gisela Zimmermann sich fürs Malen und Zeichnen begeisterte, so schwer tat sie sich jedoch als Jugendliche, ihren Weg zu finden. Weil die Schule sie nicht mehr interessierte, brach sie ab, machte eine Kürschnerlehre und jobbte danach als Verkäuferin in einem Szene-Laden. Mit 25 holte sie auf der Abendschule erst die mittlere Reife, dann das Fachabi nach. „Als ich fertig war, mit 28, habe ich dann sofort eine Mappe gemacht und mich auf der Kunsthochschule beworben.“

Sehr schön, hieß es beim Bewerbungsgespräch, aber sie sei schon zu gefestigt als Persönlichkeit, nicht mehr formbar. Zehn Jahre später hat sie sich noch einmal beworben. Aber nur, weil zwei Künstlerinnen von der HBK, die in ihrem Haus wohnten, sie so intensiv ermutigten, erzählt sie. Da war sie schon 39, auf alles gefasst. Und da hat es geklappt. Nach dem Diplom, das Zimmermann mit Auszeichnung machte, blieb sie noch drei Jahre als Meisterstudierende bei Gabriele Langendorf.

Hat sie sich denn noch formen lassen? Hat das Studium etwas gebracht? Zimmermann: „Auf jeden Fall, erst im Studium bin ich darauf gekommen, von Kleinformat auf richtiges Großformat umzusteigen, dadurch gab es eine ganz neue Auseinandersetzung mit dem Material“. Das Großformat, zwei auf drei Meter oder auch auf vier, ist bis heute ihr Ding. Zimmermann, ein großer Fan der amerikanischen Espressionisten, genießt es.

Sie sei eine impulsive Malerin, sagt sie. „Ich überlege mir vorher nur, ob ich die Leinwand hell oder dunkel grundiere, und dann entsteht etwas.“ Mit farbiger Tusche, Acryl-Spraydosen und Lackstiften legt sie Farbschichten über Farbschichten auf, verändert – so lange, bis ein Bild fertig ist. Es sei wichtig, beim gestischen Malen nicht zu unterbrechen, den Energiefluss die innere Stimmung zu nutzen. Wenn sie im Flow ist, malt sie schon mal sechs Bilder hintereinander oder 20 Werke in einem Monat – wie 2017, als sie ein Stipendium für Schloss Wiepersdorf hatte und damit viel Zeit an einem Stück. Neben dem Malen arbeitet sie weiterhin als Sozialarbeiterin mit ihren Jugendlichen.

Zimmermanns Werke hängen in Ministerien, im Rathaus und bei privaten Sammlern. Was sie sich wünscht: mehr ausstellen zu können, als es im kleinen Saarland möglich scheint. „Mein Traum wäre, meine Arbeiten aus den letzten 15 Jahren zusammen zeigen zu können“, sagt sie. „Doch dafür bräuchte man eine Riesen-Fabrikhalle“.

Die Ausstellung „Impulswechsel“ im KuBa in Saarbrücken läuft bis 10. März.