| 18:22 Uhr

Havarie auf der Saar in Saarbrücken
Gesunkenes Restaurant blockiert Schifffahrt

Der Aufbau des gesunkenen Restaurantschiffes unterhalb des Staatstheaters ragt aus den Fluten.
Der Aufbau des gesunkenen Restaurantschiffes unterhalb des Staatstheaters ragt aus den Fluten. FOTO: Matthias Zimmermann
Saarbrücken. Ehemalige Piraterie liegt auf dem Grund der Saar. Feuerwehren fangen auslaufendes Öl auf. Ursache für Unglück ist noch unklar. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Das Restaurantschiff unterhalb des Saarbrücker Staatstheaters nahe des belebten Stadens: Kellner werden dort in nächster Zeit niemanden bewirten. Denn in der Nacht auf Dienstag ist es gesunken. Kurz vor Mitternacht, so berichtete Polizeisprecher Georg Himbert, alarmierten Passanten, dass die einstige Piraterie in Schieflage geraten sei.


Nachdem ein Fahrgastschiff auf der Saar gesunken ist, sperrte die Berufsfeuerwehr den Fluss mit Ölbarrieren ab.
Nachdem ein Fahrgastschiff auf der Saar gesunken ist, sperrte die Berufsfeuerwehr den Fluss mit Ölbarrieren ab. FOTO: Matthias Zimmermann

Sofort waren die Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt und Ermittler im Anmarsch. Die Helfer bemerkten, dass Öl auslief. Umgehend errichteten Wehrleute schwimmende Sperren, die es auffangen sollten. Gleichzeitig versuchten sie, mit chemischen Bindemitteln des Ölfilms auf der Saar Herr zu werden.



Die Polizei sperrte während Einsatzes den Weg entlang der Unglücksstelle am Saarufer ab.
Die Polizei sperrte während Einsatzes den Weg entlang der Unglücksstelle am Saarufer ab. FOTO: Matthias Zimmermann

Wegen der Ölsperren war der Schiffsverkehr auf der Saar bis in die Mittagsstunden eingestellt. Erst als diese Auffangbarrieren gegen 12.30 Uhr von einem Feuerwehrschiff aus eingezogen worden waren, gab das Schifffahrtsamt die Passage wieder frei.

Es dauerte bis in den Vormittag, bis Polizeitaucher in die Fluten stiegen, um nach der Ursache für die Havarie zu forschen. Erst als die Feuerwehr das Schiff freigab, begann diese Arbeit unter der Oberfläche.

Die Taucher suchten den Rumpf ab, um ein eventuelles Leck zu entdecken, durch das Wasser geströmt sein könnte. Ein Polizist vor Ort: „Die Kollegen haben nichts entdeckt.“

Das müsse aber noch nichts heißen. Denn der Rumpf des ehemaligen Fahrgastschiffes, seit Jahren an dieser Anliegestelle vor Anker, liegt auf Grund. Die Saar ist dort um die drei Meter tief. Die Aufbauten ragen darum aus dem Wasser. Es sei möglich, dass ein Loch ausgerechnet da ist, wo das Schiff aufsitzt, sagte der Ermittler.

Übrigens: Es soll nicht der erste Rettungseinsatz binnen kurzer Zeit gewesen sein: Erst vor drei Wochen sei der Kahn in Schieflage geraten, konnte aber wieder aufgerichtet werden, ergänzte der Polizist am Saarufer.

Eine beruhigende Nachricht: Die Taucher entdeckten bei ihrem Einsatz keine Leiche, die mit dem Schiff, als es sank, nach unten gezogen wurde. Während des Unglücks war das Restaurant geschlossen, kein Mensch an Bord.

Bis das gekenterte Schiff gehoben ist, belässt die Feuerwehr eine zweite Ölsperre um die Unfallstelle herum. Nach Angaben von Sabine Schorr, Pressesprecherin im saarländischen Umweltministerium, hat der Betreiber mittlerweile eine Spezialfirma damit beauftragt, mit weiteren Bindemitteln noch austretendes Heizöl aufzufangen. Direkt nach dem Notruf in der Nacht waren auch Vertreter des Landesamtes für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) an den Havarie-Ort gekommen. Die dem Umweltministerium unterstellte Landesbehörde schätzt Bedrohungen ein, die sich durch Schadstoffe bei einem Notfall ergeben. Aktuell sei die Gefahr für die Umwelt gebannt, sagte Schorr.

Für den Betreiber Günther Walter ist das gesunkene Restaurantschiff eine blanke Katastrophe. Erst vor wenigen Tagen war der nahe gelegene Biergarten eröffnet worden. Er gehört ebenfalls zu dem schwimmenden Restaurant, das unter dem ehemaligen Namen Piraterie bis heute bekannt ist. Beides gemeinsam vermarktet er nun unter der neuen Dachmarke „Die Feierey“.

Wie es weitergeht, sei noch völlig unklar, ließ Walter wissen. Danach schritt er am Ufer die Unglücksstelle erneut ab und telefonierte. Jetzt müsse geklärt werden, ob und was die Versicherung zahlt.

Unterdessen wurde auch das Technische Hilfswerk (THW) dazugerufen. Dessen Experten machten sich am Nachmittag daran, das Schiff leerzupumpen. Dann erst zeige sich, ob ein Leck dafür verantwortlich ist, dass das Schiff unterging.

Wie und wann es gehoben wird, sei noch offen, hieß es aus der Pressestelle des Landespolizeipräsidiums.

Der Pächter habe den Gastronomiebetrieb auf dem alten Kahn erst am 17. Mai im Saarbrücker Rathaus angemeldet, teilte Ingo Beckendorf von der dortigen Pressestelle mit. Gleichzeitig habe Walter auch Live-Musik angekündigt. Was die Anlegestelle des Schiffes betrifft, sei das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt dafür zuständig. Grund: Bei der Saar handle es sich um eine Bundeswasserstraße und damit nicht um ein städtisches Gewässer, ergänzte Beckendorf.

THW-Mitarbeiter waren bis in die Abendstunden dabei, das Wasser aus dem Schiff zu pumpen. Taucher waren auch wieder im Einsatz, meldete Pächter Walter am Abend. Und blieb dabei: „Im Moment wissen wir nichts. Wir sind noch nicht weiter.“