Geschäftsführung des Maschinenbauers zu Erweiterungsplänen in Gersweiler

Kostenpflichtiger Inhalt: Widerstand gegen Bau einer neuen Halle : Woll will am Standort Gersweiler wachsen

Geschäftsführung des Maschinenbau-Unternehmens verteidigt Pläne zur Erweiterung, für die Wald gerodet werden muss.

Das  Gersweiler Maschinenbau-Unternehmen Woll will für rund 16 Millionen Euro seine Fertigung erweitern, um die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen. „Wir benötigen mehr Platz, um künftige Aufträge bearbeiten zu können“, sagt  Peter Hirschmann, Vorsitzender der Woll-Geschäftsführung. „Wenn wir diese Aufträge nicht abarbeiten können, ist auch die Technologie weg.“ Das  Familienunternehmen, das rund 250 Mitarbeiter beschäftigt,  ist auf Sondermaschinen, Montagelinien und Produktionsanlagen spezialisiert, die es  in die ganze Welt exportiert. Derzeit stehen unter anderem Anlagen zur Reinigung und Entsalzung von Wasser in den Auftragsbüchern.

 „Wenn eine solche Montagelinie fertig ist, müssen wir sie komplett aufbauen und zum Laufen bringen“, erläutert Geschäftsführerin Claudia Woll. „Nur so kann sich der Kunde vergewissern, dass die Anlage funktioniert.“ Sei diese Prüfung abgenommen, „werden die Aggregate abgebaut und dorthin transportiert, wo sie später ihren Dienst tun“.

Die Firmenerweiterung stößt allerdings auf Widerstand, weil für den Bau einer neuen Halle Wald gerodet werden muss. Das Unternehmen geht von 2,1 Hektar aus, die für die neue Halle  benötigt werden. Hierbei handele es sich um mittelalten bodensauren Buchenwald. Es sei kein Mischwald mit Nadel- und Laubhölzern und vor allem kein Urwald. Schutzgebiete würden in diesem Bereich nicht existieren. Das nächste Schutzgebiet sei das Aschbachtal.  Bis dorthin betrage der Abstand mehr als 100 Meter. Die beiden Areale seien zudem durch eine Straße voneinander getrennt. Bedenken, dass auf dem zu rodenden Gelände tektonischen Störungen auftreten können, weil dort in früheren Zeiten Bergbau betrieben wurde, weist das Unternehmen zurück. „Die Gräben und Stollen sind längst eingefallen, die Bergbehörden haben gegen den Bau der  Halle keine Bedenken“, betonen die Woll-Geschäftsführer.

Die Rodung der 2,1 Hektar Wald  muss im Verhältnis eins zu eins mit dem Anpflanzen neuer Bäume ausgeglichen werden. Entsprechende Flächen wolle die Stadt Saarbrücken erkunden und prüfen, ob sie zur Verfügung stehen und  geeignet sind. Dieser Prozess laufe. „Wir sind auch bereit, eine größere Anzahl von Bäumen selbst aufzuforsten“, sagt Claudia Woll. Darüber hinaus habe sich   das Unternehmen verpflichtet, den Abstand zwischen dem Wald und der künftigen Fertigungshalle möglichst gering zu halten. Das saarländische Landeswaldgesetz schreibt einen Mindestabstand von 30 Metern vor, um zu vermeiden, dass durch Windwurf oder Waldbrände benachbarte Gebäude beschädigt werden. „Wir wollen auf diesen 30 Meter breiten Korridor verzichten und den Wald, der dort wächst, pflegen und sicherstellen, dass es zu keinem Unfall kommt“, sagt Hirschmann. Hinter einer der Fertigungshallen „funktioniert das schon seit Jahren. Dort lassen sich inzwischen Vögel und Kleintiere zum Nisten nieder.“

Bisher wurde das Genehmigungsverfahren „lediglich angestoßen“, sagt der Woll-Chef. Ein förmlicher Bauantrag sei noch nicht gestellt. Sollte das Vorhaben weiter verfolgt werden, „wollen wir die Bürger über alle unsere Schritte auf dem Laufenden halten“.  Im Vorfeld hat die Firma Gutachten erstellen lassen, um auf das Antrags-Verfahren vorbereitet zu sein. Unter anderem liegen  Expertisen über die Umweltauswirkungen, die Schallemissionen, über Fauna und Flora sowie über zu erwartende Veränderung der Lufthygiene vor. In der letztgenannten Studie sei zwar festgestellt worden, dass die gerodeten Bäume nicht mehr als Schadstofffilter zur Verfügung stehen und die versiegelten Flächen Verdunstung und Beschattung reduzieren würden – allerdings nur im unmittelbar betroffenen Bereich. Woll will im Gegenzug das Dach der neuen Halle begrünen. Claudia Woll: „Zudem suchen wir nach Möglichkeiten einer Fassadenbegrünung.“

Vorschlägen, auf einem anderen Gelände zu expandieren, erteilt der Sondermaschinenbauer eine Absage. Die Halle anderswo zu bauen, „ist ausgeschlossen, weil die Fertigung unserer Produkte und ihre technische Anordnung sehr komplex sind“. Der Transport zwischen zwei Standorten würde nicht nur mehr kosten, sondern hätte auch mehr Verkehr und Lärm und damit einen höheren Schadstoff-Ausstoß zur Folge. Auch die Anregung, auf einer bestehenden Halle ein zweites Stockwerk zu errichten, „ist nicht machbar, da die Statik das auf keinen Fall zulässt“, sagt Hirschmann. Eine Erweiterung in eine andere Richtung schließt er ebenfalls aus, weil auch dann Wald gerodet werden müsste, Naherholungsgebiete verloren gehen und „wir zu nahe an Häuser rücken müssten“. Ein kompletter Umzug wäre wirtschaftlich nicht tragbar: „Die Kosten würden jeden Rahmen sprengen.“