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Und weiter geht's vom Handwerks- zum Industriebetrieb

Gersweiler. Man kann den Umzug eines ganzen Unternehmens so organisieren, dass man vier Wochen alles anhält, umzieht, aufbaut und weiterarbeitet. Man kann aber auch so umziehen, dass es keiner merkt - außer den Mitarbeitern, natürlich. Diesen Weg geht Lakal: Das Unternehmen zieht gerade von Saarbrücken-Gersweiler um auf den Lisdorfer Berg in Saarlouis. Johannes Werres

Lakal baut unter anderem Rollläden und Rolltore. Die Firma gehört zu den ersten Unternehmen, die auf das Gelände des Lisdorfer Berges ziehen, das laut Landesregierung größte neue Industriegebiet im Südwesten. Lakal gehört seit 2000 zur Dr. Arnold Schäfer GmbH.



"Bei den Toren haben wir ein bisschen vorproduziert, aber eigentlich läuft die Herstellung einfach weiter", sagt Geschäftsführer Alfons Ney. Trotz Umzug - eine Leistung. "Die Kunden merken das nicht." Die schwere grüne Kantbank für Torkisten, zum Beispiel.

Durch diese Maschine laufen lackierte Alu-Bänder, die zu Werkstücken geschnitten und im rechten Winkel gekantet werden. Für die Kästen, in denen die Lamellen-Tore untergebracht werden. Die Maschine wurde in Gersweiler gestoppt, einen Tag lang abgebaut, einen Tag lang in der neuen Halle auf dem Lisdorfer Berg aufgebaut, und am dritten Tag lief sie wieder. Bis zu 25 Kästen am Tag kommen da raus.

Die Torproduktion ist der erste große Teil des Betriebes, der komplett umgezogen ist. Anfang der kommenden Woche soll die ganze Torproduktion in Lisdorf anlaufen.

Rund 20 Millionen Euro steckt Lakal in den Neubau. Erster Spatenstich war vor weniger als einem Jahr, Mitte September 2015.

Die Erfahrungen des Torbau-Umzuges fließen nun ein in den Umzug der Rollladenproduktion. Der ist über den Jahreswechsel geplant, wenn das Werk ohnehin zwei Wochen steht. Mit den aktuellen Kenntnissen lässt sich die dann noch nötige Produktionsunterbrechung vielleicht noch weiter reduzieren, hofft Ney.

Lakal wechselt von Gersweiler auf den Lisdorfer Berg vor allem, weil die neuen Hallen mit 25 000 Quadratmetern plus 4000 Quadratmetern Reserve größer sind als die alten. Sie ermöglichen eine Neuorganisation der Arbeitsabläufe, die letztlich größere Stückzahlen ergeben sollen. Ney: "Wir werden vom Handwerksbetrieb zum Industriebetrieb." Das bedeute vor allem, dass Produktion und Materialwirtschaft über die IT enger verzahnt werden. Produktionsabläufe lassen sich dichter koordinieren, Vorgänge und Material elektronisch buchen. Ney sagt, das erhöhe auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Vier sind derzeit in Ausbildung zum Rollladen- und Sonnenschutz-Mechatroniker. 325 Mitarbeiter beschäftigt Lakal derzeit, etewa die Hälfte Franzosen, plus Saisonkräfte.

Der Umzug bei laufendem Betrieb wurde über drei Jahre minutiös geplant, neben der normalen Arbeit. "Budget- und termintreu", das sei festen Teams zu verdanken, sagt Ney. Etwa dem Team IP, Industrielle Produktion, oder dem IT-Team, das die neuen Anforderungen umsetzte; oder einem Team für den exakten Umzugsplan, geleitet von Betriebsleiter Ronald Caruso und Sven Mauthe. Lakal legt dabei Wert darauf, jeden einzelnen Mitarbeiter einzubeziehen und mitzunehmen.

Die Kantbank übrigens bekommt schon bald einen Nachfolger - auch ein Schrittchen mehr vom Handwerk zur Industrie. Die Neue wird auch gerundete Deckel für Torkästen herstellen können. Die Alte kann das auch, aber sie muss dazu jedes Mal von Hand nachgerüstet werden. Die Neue kann das automatisch. Sonderwünsche freilich kann die Neue nicht erfüllen. Dafür bleibt die alte Kantbank noch weiter in Betrieb.