Schon mit fünf Jahren auf dem Rücken der Pferde

Gersweiler. In der kleinen Reithalle tobt eine Gruppe kleiner Kinder, viele gekleidet in zarten Mädchenfarben, unbekümmert herum. Samstags von 14 bis 15.30 Uhr haben sie hier Voltigier-Unterricht. Die Kinder zwischen fünf und 13 Jahren wärmen sich durch Laufen und Dehnübungen auf, ebenso ihre zwei Voltigierpferde an der Longe

Gersweiler. In der kleinen Reithalle tobt eine Gruppe kleiner Kinder, viele gekleidet in zarten Mädchenfarben, unbekümmert herum. Samstags von 14 bis 15.30 Uhr haben sie hier Voltigier-Unterricht. Die Kinder zwischen fünf und 13 Jahren wärmen sich durch Laufen und Dehnübungen auf, ebenso ihre zwei Voltigierpferde an der Longe. Sie sind um ein Vielfaches größer als die Kinder, aber diese scheint es nicht zu stören. "Es ist wichtig, sich vor dem Voltigieren zu dehnen", sagt Lotta Resch, eine der Betreuerinnen. "Voltigieren ist ein akrobatischer Sport", erklärt die 21-jährige Studentin der Interkultur. Sie führt es auch gleich vor. Das Größere der beiden Voltigierpferde lässt sie an der Longe galoppieren. Ein paar Runden läuft sie mit dem Pferd zusammen. Mitten im Galopp befördert sie sich mit einem leichten Sprung völlig mühelos auf den Sattel des über 1,70 Meter großen Pferdes. "Ich als Reiterin bin jedes Mal darüber verwundert, wie die Voltigierer das schaffen", sagt Ulrike Thielen, die Verantwortliche des Vereins für Voltigieren. Lotta Resch und ihre Teamkollegin Timna Graf, 21, sind vor kurzem mit ihrer Gruppe vom Reiterbund nach Gersweiler gewechselt. Dort gab es Probleme mit den Pferden, hier werden ihnen sogar zwei Voltigierpferde für das Kinder-Training zur Verfügung gestellt. Die Turniergruppe von Lotta und Timna ist in der zweithöchsten Leistungsklasse des Saarlandes. Sie sind auch gewechselt und trainieren unter der Woche. Lotta und Timna brachten bei ihrem Wechsel auch einige, vor allem ältere, Kinder mit. Einige der jüngeren Kinder sind heute zum ersten oder zweiten Mal dabei. Trainiert wird am Samstag in zwei Gruppen; eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenen-Gruppe gibt es. "Die jüngeren Kinder sollen hier als erstes lernen, Vertrauen zu den Pferden zu fassen", sagt Lotta Resch. Die Kinder sollen dafür probieren, mit einer Hand oder freihändig auf dem Pferd zu sitzen. "Zum Voltigieren werden nur brave und ruhige Pferde genommen", erzählt Ulrike Thielen. Gefährlich ist Voltigieren für die Kinder nicht. Die Pferde haben auch den Reflex, stehenzubleiben, wenn ein Mensch vor sie kommt. "Lotte, der Haflinger, und die 19-jährige Lotte, unsere Voltigier-Oma, sind es auf jeden Fall", fügt Lotta hinzu. Die Anfänger trainieren auf dem kleineren Haflinger. Jetzt machen sie mit einer der drei Helferinnen Trockenübungen au dem Holzpferd. Auch Bodenübungen gehören zum Voltigieren dazu. "Es ist wichtig, eine gewisse Grundbeweglichkeit und Teamgeist aufzubauen", sagt Lotta Resch. Die Kinder brauchen auch eine gewisse Körperspannung, um sich auf dem Pferd halten zu können. Das können sie erst ab einem bestimmten Alter. Die Kinder müssen auch Anweisungen befolgen können. Geeigneter sei das Alter von sechs bis sieben Jahren, weil sie das schon in der Schule gelernt haben. Das Voltigieren für Kinder ab fünf Jahren soll beides sein. "Es soll ein Heranführen an den Umgang mit Pferden und den Reitsport sein, aber auch eine Vorbereitung auf leistungsorientiertes Voltigieren", sagt Ulrike Thielen. Lotta sieht es ähnlich, sie ist hier auf Talentsuche. Denn sie sucht Nachfolger für sich selbst und ihr jetziges Team. Talente wie Charlotte Weber, 10, hat Lotte in ihr Team aufgenommen. Sie trainiert zusätzlich unter der Woche mit und dient der Gruppe ihrer Leichtigkeit wegen als "Floh", der immer hochgehoben wird. "Es ist einfach nur schön für Kinder, das Leben auf dem Reiterhof zu erfahren", sagt sie. "Wir haben hier Hunde, Katzen, Hasen, Meerschweinchen", erzählt Thielen. Und die Kinder nehmen das Training oft als Spiel wahr. "Pferde mag ich gerne, weil ich zuhause ein Kuscheltier habe, und auf Katzen kann man nicht reiten", meint der siebenjährige Merlin Schmitz. Ulrike Thielen möchte den Reitsport vom Elitären befreien. Wenn sie sich die herumtobende Gruppe von Kindern ansieht, redet sie von Breitensport: "Wir müssen ja nicht gleich Olympioniken produzieren."

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort