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Bürgerinitiative Pro Wald Gersweiler schreibt Offenen Brief an Firma Woll

Protest gegen Waldrodung : Bürgerinitiative „Pro Wald Gersweiler“ schreibt Offenen Brief

Umweltschützer fordern das Unternehmen Woll erneut dazu auf, den Standort für seine neue Produktionshalle zu überdenken.

() Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Wald Gersweiler“ wendet sich mit einem Offenen Brief an das Unternehmen Woll. Die BI kämpft gegen die Rodung einer Waldfläche zur Erweiterung des Firmengeländes (wir berichteten). Roland Fecht und Renato Barachino schreiben in dem Brief der BI: „Liebe Familie Woll, zum Standort Ihrer neuen Produktionshalle vertreten wir unterschiedliche Positionen. ... Gleichzeitig haben wir nie in Zweifel gestellt, dass Sie Ihre unternehmerischen Interessen verfolgen und damit auch weiter zum Wohlstand in Gersweiler und in der Stadt beitragen sollen. Wegen der sich dramatisch verschlimmernden Klimakrise kann dies aber nach unserer festen Überzeugung nur außerhalb des Waldes erfolgen!“ Jeder Quadratmeter Wald werde in Saarbrücken dringend gebraucht. Alternative Flächen stünden in der Nähe ausreichend und kurzfristig zur Verfügung, erklärt die Bürgerinitiative.

Anfang des Jahres habe man das Unternehmen kontaktiert und um einen Dialog gebeten. Die Anfrage sei unbeantwortet geblieben, schreibt die Bürgerinitiative „Pro Wald Gersweiler“ – und erklärt in ihrem Offenen Brief: „Die Enttäuschung darüber haben wir im März in der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht. Daraufhin haben Sie uns per E-Mail einen Gesprächstermin für die Zeit nach dem 18. April in Aussicht gestellt. Leider ist es bei dieser Ankündigung geblieben. Ende August haben Sie dann sogar einen Rechtsanwalt damit beauftragt, rechtliche Schritte gegen Pro Wald einzuleiten. Wir bedauern sehr, dass es Ihnen scheinbar schwerfällt, sich mit kritischen Bürgerinnen und Bürger bezüglich Ihrer Pläne auseinanderzusetzen. Deswegen wählen wir diese Form des Offenen Briefes.“

Damit will die BI nach eigenen Angaben ihre Haltung verdeutlichen.  „Wir bleiben bei unserer Kernforderung (Betriebserweiterung außerhalb des Waldes). Der Klimawandel wird Saarbrücken in den nächsten Jahren mit voller Wucht treffen. Bis Ende des Jahrhunderts muss mit einer Erwärmung zwischen 3,7 und 5,3 Grad gerechnet werden. Diese erschreckenden Zahlen stammen nicht von uns, sondern von der unabhängigen Wirtschaftsexpertin Ulrike Herrmann.“ Die BI verweist darauf, dass  „immer mehr Wirtschaftsexperten“ Unternehmen auffordern würden, nachhaltig mit natürlichen Ressourcen wie Boden oder Luft umzugehen. „Nachhaltiges Wirtschaften nutzt auch den Unternehmen, weil sie sich damit die Grundlagen ihrer sicheren und zuverlässigen Produktion in der Zukunft bewahren.“

Die Bürgerinitiative schreibt weiter: „Wir glauben, dass Sie als Unternehmerfamilie eine besondere Verantwortung für die sozialen und ökologischen Folgen haben. Mit der Entscheidung, den naturnahen Wald für eine Betriebserweiterung in Anspruch zu nehmen, werden Sie dieser besonderen Verantwortung für jetzige und für zukünftige Generationen aus unserer Sicht nicht gerecht! Leider schützen die Politiker aller Parteien hier in Saarbrücken den Wald nicht so, wie sie es eigentlich müssten.“

Die BI verweist darauf, dass sie für ihre Petition 4400 Unterschriften gesammelt habe und 350 Personen an einer Demonstration im Herbst teilgenommen hätten. Zudem habe es  mehr als 100 Einwendungen im Bebauungsplanverfahren gegeben. „Als Bürgerinitiative Pro Wald Gersweiler appellieren wir in diesem Offenen Brief an Sie als Unternehmerfamilie und bitten Sie noch einmal mit Nachdruck: Nehmen Sie bitte Abstand von dem Plan, den wertvollen Wald an der Krughütterstraße für Ihre Betriebserweiterung in Anspruch zu nehmen. Nutzen Sie Ihr unternehmerisches Geschick und Ihre Verbundenheit mit Gersweiler und seinen Bürgerinnen und Bürgern dafür, Alternativen für Ihre geplante Betriebserweiterung zu entwickeln. Verhindern Sie bitte, dass dauerhaft eine Wunde im Gersweiler Wald und in der Gesellschaft in Saarbrücken klafft“, schreibt die BI „Pro Wald Gersweiler“.