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Gelungene Premiere: Pionierinnen im TiV

Theater im Viertel : Aus dem Leben dreier berühmter Pionierinnen

Gabriele Bernstein, Christiane und Julian Mandernach stellen Frauen vor, die Außergewöhnliches geleistet haben.

Es soll ja immer noch Leute geben, die meinen, Frauen hätten in der Geschichte nichts Großartiges zustande gebracht. Unter dem Titel „Pionierinnen“ stellten Gabriele Bernstein, Christiane und Julian Mandernach jetzt im Saarbrücker Theater im Viertel drei Frauen vor, die schon im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert die Beschränkungen, die die Gesellschaft dem weiblichen Geschlecht auferlegten, überwanden: die Pianistin und Komponistin Clara Schumann (1819-1896), Hedwig Dohm (1831-1919), leidenschaftliche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin, sowie die zweifach mit dem Nobelpreis bedachte Naturwissenschaftlerin Marie Curie (1876-1934).

Zweieinhalb Stunden nimmt sich das Trio insgesamt Zeit, um die Zeitumstände, die Lebensgeschichten und Persönlichkeiten der drei Pionierinnen zu erhellen. Herausgekommen ist ein Programm, das nicht nur interessante Kenntnisse über Schumann, Dohm und Curie vermittelt, die man so nirgendwo nachlesen könnte.
Durch den klugen dramaturgischen Aufbau und die Kombination verschiedener Darstellungsmittel ist es auch sehr unterhaltsam und bis zum Schluss kurzweilig.

Das Bühnenbild wird bestimmt von einer Sitzgruppe des 19. Jahrhunderts. In einer Mischung aus Erzähler und angedeuteten Spielszenen stellen Julian Mandernach und Schauspielerin Gabi Bernstein, zeitgemäß gekleidet, das Leben, die Familienverhältnisse und den Werdegang der drei Vorkämpferinnen vor. Zitate, die die Macher aus Tagebüchern und Schriften der drei Berühmtheiten und ihrer Angehörigen zusammengetragen haben, lassen die Einblicke in ihre Gedankenwelt und die ihrer Umwelt an diesem Abend sehr lebendig werden.

Musikerin Christiane Mandernach spielt dazwischen immer wieder Kompositionen von Clara Schumann und Zeitgenossen wie ihrem Gatten Robert, Brahms, Debussy und Chopin am Klavier.

Auch mit wunderbaren Gesangseinlagen wartet das Trio auf. Die Musik schafft nicht nur Atmosphäre, auch Ruhepunkte, um das Gehörte nachwirken zu lassen. Abgerundet wird die Darstellung durch gelungene Videoprojektionen Julian Mandernachs, die die Pionierinnen in zeitgenössischen Porträts zeigen und mit historischen Filmaufnahmen von Paris und Berlin Eindrücke ihrer Wirkungsstätten vermitteln. Sowohl Schumann, Dohm als auch Curie waren Mütter. Wie war das Verhältnis der drei zu ihren Töchtern? Haben sie sie gefördert oder gar gebremst? Auch dies ein spannender Aspekt, den Gabi Bernstein, Christiane Mandernach und ihr Sohn Julian in ihrer Vorstellung beleuchten. Nur eines bleibt für den Besucher unverständlich: Dass das Trio für diesen aufwendig produzierten Abend nach zwei gut besuchten Aufführungen am vergangenen Wochenende keine weitere Vorstellung vorgesehen hat.