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Galerie Zimmerling & Jungfleisch: Chinesischer Minimalismus schlägt Urban Art

Ausstellung : Chinesischer Minimalismus schlägt Urban Art

Die Saarbrücker Galerie Zimmerling & Jungfleisch zeigt Werke aus dem Bestand, darunter eine Entdeckung aus Schanghai.

Auch die Galerie Zimmerling & Jungfleisch ist nach der Pandemie wieder da. Mit „St. Petersburg“ eröffnete die Galerie im Saarbrücker Quartier am Eurobahnhof den Ausstellungsbetrieb wieder. Die Galerie zeigt aber keine Künstler aus der russischen Metropole, der Titel verweist auf die Petersburger Hängung. Die entstand in der Spätrenaissance, als wohlhabende Bürger die Kunst als Ausdruck ihres Reichtums ausstellten. Dicht gedrängt hingen die Werke oft vom Boden bis zur Decke. Bekannt wurde die Eremitage in St. Petersburg für die Hängung, heute allerdings wird sie nur noch selten angewandt, weil sie den Werken ihre Individualität nimmt und das Auge schnell überfordert ist.

Das, was da in der Galerie Zimmerling & Jungfleisch hängt, ist weit weg von einer Peterburger Hängung und das ist auch gut so. Gerade die Werke der Urban Art mit ihren oft poppigen und schrillen Bildinhalten wären nur wenig geeignet für eine solche Präsentation. Stattdessen entschieden sich Geschäftsführer Christian Kirsch und Inhaber Patrick Jungfleisch zwar für eine Gruppierung der Bilder, die aber genug Raum lässt.

Die erste Schau nach der Pandemie sollte das ganze Qualität der Galerie offenlegen. Neben Hausherr Jungfleisch, der als Reso weltweit bekannter Urban-Art-Künstler ist, sind auch altbekannte Größen wie Sen2 und Ayoh dabei. Außerdem zeigt die Galerie drei wunderbare Arbeiten von Remi Rough, dessen zuckende Linien sich in den Raum zu bewegen scheinen und eine surrealistisch anmutende Arbeit von Dave Kinsey.

Ganz anders hingegen Swiz mit seinen abstrahierten Stadtlandschaften aus Licht und Farbe. Grandios auch die übergroßen Porträts von Sozyone, der seine Figuren aus flachen Farbflächen zusammensetzt. Wer die Seitenwand der „Garage“ mit der Art-Walk-Arbeit von Aleksey Luka mag, der wird auch in der Ausstellung fündig. Luka hat sich sehr weit von seinen Anfängen als Graffiti-Maler wegbewegt. Von ihm sind zwei Papiercollagen und eine Holz-Assemblage zu sehen, der in der Form stark an die Wand in der Bleichstraße erinnert. Auch Fintan Magee ist Teil des Saarbrücker Art-Walks mit einer Wand am Edeka in der Mainzer Straße. In der Ausstellung zeigt er eine Leinwand mit einer englischen Teekanne, auf der protestierende Australier zu sehen sind.

Höhepunkt sind aber drei Arbeiten auf Papier des Chinesen Yang Xiaojian. Den Künstler haben Kirsch und Jungfleisch bei einer Reise nach Schanghai kennengelernt. Dorthin waren sie wegen einer Messe gereist und beim Flanieren durch die Kunstorte der Stadt eher zufällig im Atelier von Yang gelandet.

Yang ist Meister-Kalligraph, seine Kunst hat in der chinesischen Schriftkunst ihren Ursprung. Mit riesigen Kalligraphie-Pinseln setzt er mit Tusche schwarze Zeichen auf das Reis-Papier und erinnert damit an den Minimalismus von Eduardo Chillida und Richard Serra.

Einen Unterschied gibt es dennoch: Im gestischen Malakt drückt sich vor allem Emotion aus. Die Werke sind damit in der Ausführung näher am Abstrakten Expressionismus. Auf die Oberfläche bringt Yang anschließend eine hauchdünne Schicht Wachs auf, die nicht nur den Glanz der Farbe verändert. Das Wachs bricht auf dem Papier, lässt so Luft unter die Schicht und wird opak. So sieht die Oberfläche verwittert aus und ahmt damit die Urban Art auf rohen Wänden nach. So vereint Yangs Malerei chinesische Tradition mit westlichen Einflüssen. Daneben sehen viele Urban-Art-Künstler blass aus.

Die Ausstellung „St. Petersburg“ in der Galerie Zimmerling und Jungfleisch läuft auf unbestimmte Zeit.