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Galerie am Staden zeigt Seyler und Friedrich

Galerie am Staden : Eine Ausstellung, die auf ihre Besucher warten wird

Die Galerie am Staden präsentiert Arbeiten von Margareta und Joachim Friedrich, sowie von Gerhard Seyler. Die Bilder bleiben bis nach Corona hängen.

Eigentlich fing dieser Text ganz anders an. Nämlich damit, dass der Galerist Gernot Neuheisel auf Kunst der Klassischen Moderne oder von saarländischen Künstlern der Nachkriegszeit spezialisiert ist. Und dass das bei der aktuellen Ausstellung in seiner Galerie am Staden komplett anders ist.

Allerdings musste auch er nur wenige Tage nach der Eröffnung der Ausstellung seine Galerie wegen der Corona-Pandemie schließen – und der Text geändert werden. „Aber die Ausstellung bleibt hängen. Sowie sich die Situation wieder normalisiert, kann man sie sich wieder anschauen. In der Zwischenzeit sind wir aber telefonisch erreichbar und stehen vereinzelt zur Verfügung“, sagt er.

Die aktuelle Ausstellung widmet sich gleich drei Künstlern, Margareta und Joachim Friedrich sowie Gerhard Seyler, die allesamt nur wenig bekannt sind. Margareta Friedrich ist mit „Kunst groß geworden“, berichtet sie. Daher studierte sie Kunsterziehung, war lange Jahre Kunstlehrerin, hat ein Atelier in der Saarbrücker Reppersbergstraße.

In der Ausstellung zeigt Margareta Friedrich eine Serie von Gemälden, in denen sie akribisch genau Pflanzen portraitiert hat. Der Clou ist aber, dass die Pflanzen nicht in voller Blüte dastehen, sondern sie welken, sind verblüht. „Ich wollte die Schönheit der Pflanzen nach ihrer Blüte darstellen“, erklärt sie. Das Besondere an diesen Gemälden ist, dass sich die Künstlerin ganz auf die verblühten Pflanzen konzentriert.

Zu sehen sind nur vereinzelte, verblühte Blumen, allerdings vor einem aufwändig gestalteten Hintergrund. Hier legt Margareta Friedrich diverse Farbschichten übereinander, lässt untere durchscheinen und die Farben fleckig, sogar rissig ineinander übergehen, sodass sich der Eindruck einer verwitterten Wand oder Mauer einstellt.

Ganz Ähnliches sieht man im nächsten Raum, wo Joachim Friedrich seine Werke zeigt. Der Ehemann von Margareta studierte ebenfalls Kunsterziehung, mit Schwerpunkt Fotografie, arbeitet aber als Trainer in Kommunikationsthemen. Auch er zeigt in seinen Werken vereinzelte Blumen und Pflanzen vor Mauern, aber diesmal als Fotografie.

Das Auge ist erstmal verwirrt, denn tatsächlich ähneln seine Abbildungen den Gemälden seiner Frau, nicht nur im Motiv, sondern auch in der Gestaltung der Hintergründe. Auch bei ihm sind verwitterte Wände ebenso Motiv wie die eigentlichen Pflanzen. Joachim Friedrich bearbeitet seine Fotografien aber nur sehr wenig. „Die Abbildungen sind nicht verfremdet. Ich verstärke nur die Kontraste und versuche, Formen und Farben mehr heraus zu kitzeln“, sagt er.

Gerhard Seyler arbeitet dagegen ganz anders. Bereits Anfang der 1980er Jahre beginnt er, zu malen, ließ sich drei Jahre in dem Atelier von Franz Mörscher in Neunkirchen ausbilden. Er arbeitete freiberuflich, war in der Malgruppe um Andrea Neumann tätig. Dann aber orientierte er sich um, heute ist er Mitarbeiter im Justizministerium. „Ich habe aber wieder Lust, zu malen“, erklärt er und zeigt in der Ausstellung Werke seiner gesamten Schaffensphasen.

Dabei fällt zuerst auf, dass Gerhard Seyler nicht so stringent vorgeht, wie die beiden anderen. Bei ihm wechseln sich Motive und Techniken ab. Und so sieht man neben einer expressionistisch anmutenden, hübschen, grünen Landschaft auch eine Dorfstraße, die in ihren Formen stark reduziert und blockhaft zusammengefasst ist. Auch Seyler zeigt Portraits von Zimmerpflanzen, aber auch gleich daneben ein wildes Stillleben mit Frauenbein, das an eine durchzechte Nacht erinnert.

Eine kleine, aber sehr feine Arbeit ist die Skizze in einer Fensternische. Denn hier hat er sehr frei, sehr wild und fast nicht zu erkennen, aufgetürmte Figuren mit Bleistift festgehalten, sie mit grüner, brauner und blauer Aquarellfarbe wenig akzentuiert. Dieses Auf und Ab von Linien, Formen und Farben am Rande der Formauflösung beeindruckt.

Auch Gerhard Seyler hat Blumen im Angebot und viele andere Motive. . Foto: Galerie am Staden
Hagebutte heißt dieses Bild von Margareta Friedrich. Foto: Galerie am Staden

Ausstellung „Margareta Friedrich. Joachim Friedrich. Gerhard Seyler“ in der Galerie am Staden, Bismarckstraße 62. Weitere Informationen unter (0681)  906 70 99.