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Amateurfunk
Auf Horchposten im Stadtwald

Michael Schau (links) und ein Jung-Funker stempeln ihre Karten ab als Beweis, dass sie den „Fuchs“ gefunden haben.
Michael Schau (links) und ein Jung-Funker stempeln ihre Karten ab als Beweis, dass sie den „Fuchs“ gefunden haben. FOTO: Tobias Ebelshaeuser
Saarbrücken. Saarbrücker Amateurfunker haben sich zur „Fuchsjagd“ getroffen. Mit Peilsendern orteten sie vorgegebene Ziele. Von Tobias Ebelshäuser

Wirklich wie ein Fuchs sieht das kleine Gerät ja nicht aus. Nicht einmal Fell hat es. Dafür einen Kippschalter und zwei angeschlossene Antennen, eine rot, eine schwarz. In einem Plastiksack eingepackt, ist das kleine schwarze Kästchen unter Laub versteckt. Alle fünf Minuten sendet der „Fuchs“, wie der kleine Sender umgangssprachlich genannt wird, exakt eine Minute lang ein Signal aus, das die „Jäger“ mithilfe ihrer Peilempfänger aufspüren müssen. So eine „Fuchsjagd“ veranstaltete der Ortsverband Saarbrücken des Deutschen Amateur-Radio-Clubs am Mittwoch im Saarbrücker Stadtwald.


„Amateurfunkpeilen“ – international auch ARDF genannt – ist die technisch korrekte Bezeichnung für die Funk-Fuchsjagd. Fünf Füchse werden normalerweise in einem Waldgebiet versteckt, die dann innerhalb einer gewissen Zeitspanne aufgespürt werden müssen, erklärt Thomas Fricke, Vorsitzender des Ortsverbandes. Fricke, oder wie ihn andere Funker aus ganz Deutschland kennen: DL4VCM. Jeder der Amateurfunker hat seine fünfstellige Kennung allzeit parat, in den vielen Stunden vor den Funkgeräten unvergesslich einstudiert.

Sein Vereinskollege hält einen Stapel in der Hand mit etwas, das aussieht wie Postkarten. „Das sind QSL-Karten“, sagt der ältere Mann. Diese Karten bestätigen eine erfolgreiche Funkverbindung eines Funkers mit einer anderen Funkstation, wie er erklärt. Er fängt an, durch den Stapel zu blättern. „Die hier ist aus Albanien, die aus England, Island, hier mal Deutschland, die aus Russland“, zählt er auf.



Sein Kollege mit den Karten sei darauf spezialisiert über möglichst lange Strecken zu funken, erklärt Fricke. Sowieso habe jeder seine eigenen Interessen, was das Funken angehe. Die einen versuchen auf Ultra-Kurzwelle neue Entfernungsrekorde aufzustellen, andere versuchen möglichst viele Orte auf der Welt zu sammeln, mit denen sie Kontakt hatten. Wieder andere laufen eben durch den Wald und suchen versteckte Minisender.

Jens Schafke (DH3VJ) zum Beispiel. Früher nahm er selbst an deutschen Meisterschaften der Fuchsjagd teil. Heute hat er im Saarbrücker Wald die Sender versteckt, diesmal allerdings nur vier der kleinen Füchse. Aus einem kleinen Koffer holt er die Peilempfänger heraus. Sie sehen ganz unscheinbar aus: ein weißer Kasten aus Plastik, mit zwei großen Drehknöpfen und zwei Antennen. Steckt man die Kopfhörer hinein, fängt er an zu empfangen, ein Piepen, das per Morsecode die Kennung des Senders verrät.

Als erstes wird auf dem Parkplatz der „Rückholfuchs“ gesucht. Dieser Sender soll die Funk-Sportler am Ende wieder zurück zum Ursprung bringen, falls man in dem unbekannten Waldgebiet einmal die Orientierung verlieren sollte. An sich ist das Verfahren recht simpel, je näher man am Sender dran ist, desto lauter wird das Signal im Kopfhörer. Das Aufspüren ist dennoch nicht einfach, wie man recht schnell merkt. Auch weil der Weg im Sommer gut zugewachsen ist. Brennnesseln, Dornen, abgeknickte Äste und ein umgefallener Baum erschweren den Durchgang zu der Quelle des Signals.

Michael Schaub (DL7MS) findet zusammen mit der Gruppe den ersten Fuchs. Ein kleiner orange-weißer Schirm kennzeichnet den Ort. Mit einer Zange wird die zur Orientierung genutzte Karte des Terrains eindeutig gelocht. Nur so kann nachgewiesen werden, dass der Jäger wirklich bei allen Füchsen war. Für Michael Schaub ist es auch nicht die erste Fuchsjagd. Der Hobby-Funker ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Kaiserslautern in der Zweigstelle Pirmasens, wo er im Fachbereich der technischen Logistik unterrichtet. Dazu gehört auch eine Vorlesung zur „Telematik“, also eine Verknüpfung aus Telekommunikation und Informatik, wo die Studenten Grundlagen verschiedener Funk-Systeme erlernen sollen.

Zusammen mit den Studenten veranstalteten sie also auf dem Campus der Hochschule eine kleine Fuchsjagd, um den Studenten spielerisch grundlegende Dinge der Funkübertragung zu erklären, erzählt er. „Die Studenten waren froh darüber, mal aus dem Hörsaal rauszukommen und Dinge auf praktischere Art und Weise zu lernen“, sagt er. Es dauert ein wenig, bis man den richtigen Dreh herausbekommen hat. Bis man die komplizierteren technischen Grundlagen dahinter raus hat noch länger. Doch wer  in die Welt hinaus funken möchte, der muss eine Prüfung ablegen, wird aber in den Ortsverbänden wie in Saarbrücken darauf vorbereitet und zum erfolgreichen Funken ausgebildet – solange er die richtige Motivation mitbringt. „Ein bisschen verrückt muss man dazu schon sein“, sagt Fricke.

Amateurfunker Thomas Fricke zeigt einen Peilsender.
Amateurfunker Thomas Fricke zeigt einen Peilsender. FOTO: Tobias Ebelshaeuser