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So kann’s gehen
Frisch gepresste Schildläuse

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ich warne Sie: Ziehen Sie bloß nicht mit einem Vegetarier zusammen. Sonst nehmen auch Sie wie ich beim Einkauf paranoide Züge an. Beispiele gefällig? Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Bei einem handelsüblichen Naturjoghurt dachte ich mir früher nichts. Hielt ihn schlicht für unverfänglich. Das sollte sich an jenem Tag schlagartig ändern, als ich meiner besseren Hälfte unbedarft den käuflich erworbenen Becher vor die sich bereits rümpfende Nase setzte. Der skeptische Blick beim Lesen der Inhaltsstoffe verunsicherte mich zutiefst. Dann brach es heraus: „Ich kann das nicht essen, da ist Schweinegelatine drin.“ Mich wunderte zwar ebenso, was das glibberige Zeug darin verloren hat. War aber nicht mehr zu ändern. Ich gelobte Besserung, versicherte, demnächst mehr Sorgfalt bei meiner Kaufentscheidung walten zu lassen.


Zur Wiedergutmachung reichte ich Apfelsaft. Mit Früchten aus biologischem Anbau. War mächtig stolz auf meine wohl bedachte Wahl. Doch was hatte ich angerichtet? „Weißt Du denn nicht, dass da auch Reste von Würmern drin sind? Die pulen die vorm Pressen doch nicht raus!“, schallte es mir verächtlich entgegen. Schon gut. Demnächst halt wieder Industrieplörre ausm Pappkarton.

Während des Frühstücks traf mich die nächste Rüge. Beim Griff zum Honigglas die wenig schmackhafte Umschreibung: „Lecker, Bienensabber.“ Das weich gekochte Ei – „Gottes geschissene Gabe“. Sogar das Glas Erdbeermarmelade lässt mich erschaudern. Denn das Rot rührte nicht von sonnengereiften Früchten her, sondern entpuppte sich als echtes Karmin. Kennen Sie nicht? Wird aus dem Farbstoff von Schildläusen gewonnen. Frisch gepresst.



Mir vergeht allmählich der Appetit und mir wird’s speiübel. Mein Entschluss: Ich verhungere.