"Fridays gegen Altersarmut" hielt eine Mahnwache in Saarbrücken ab

Kostenpflichtiger Inhalt: Umstrittene Gruppierung : Demo gegen Altersarmut in Saarbrücken endet mit Rangelei

200 meist ältere Menschen sind am Freitag (24.1.) zur ersten Mahnwache des Bündnisses „Fridays gegen Altersarmut“ nach Saarbrücken gekommen. Im Vorfeld hatte es viel Kritik gegeben.

107 hatten auf Facebook zugesagt, am Ende wurden es laut Angaben der Polizei 200. So viele meist ältere Menschen versammelten sich vergangenen Freitag ab 16 Uhr zur Mahnwache unter dem Motto „Fridays gegen Altersarmut“ am St. Johanner Markt in Saarbrücken. Bundesweit waren Dutzende solcher Aktionen angekündigt.

Und das trotz der heftigen Kritik im Vorfeld. Dem Gründer der Facebook-Gruppe mit aktuell über 300 000 Mitgliedern, Heinz Madsen, werden Verbindungen zur NPD nachgesagt, es hieß, die Gruppe sei von Neonazis unterwandert. Sylvia Schuhe, die die Mahnwache in Saarbrücken angemeldet hatte, entschloss sich trotzdem, die Protestaktion wie geplant stattfinden zu lassen. Sie ist seit langem SPD-Mitglied und habe ursprünglich von den Vorwürfen nichts gewusst. „Aber wenn sich hier abzeichnet, dass hier mehr Rechte sind als normale Bürger, breche ich die Mahnwache ab“, sagte sie am Rande der Demo entschieden. Man dürfe Rechten beim Thema Altersarmut nicht das Feld überlassen – dafür sei es zu wichtig.

Danach sieht es aber an diesem Nachmittag zunächst nicht aus. Im Gegenteil: Die vier Freunde Lukas  (24), Stefanie (17), Franziska (20) und Tom (30) (Namen von der Redaktion geändert) sind optisch als Punks zu erkennen. „Jugendrente statt AfD“ ist auf einem ihrer Schilder zu lesen. Jugendrente? „Bedingungsloses Grundeinkommen“, erklärt Lukas im ruhigen Ton. Er kenne die Vorwürfe gegen „Fridays gegen Altersarmut“, sei aber trotzdem gekommen, um mit den Menschen zu reden. 

Das funktionierte auch zunächst. Knapp eine Stunde nach Beginn der Mahnwache kommt es aber zu einem Gerangel. Eine Frau hatte die jungen Leute beschimpft, ein 70-jähriger Mann wollte schlichten und wurde von ihrem Begleiter zu Boden gestoßen. Michael Franke geht dazwischen, bis die Polizei zur Stelle ist. Er sitzt für Die Partei im Saarbrücker Stadtrat und ist eigentlich nur als Beobachter gekommen. Er sieht es kritisch, dass die Gruppe von rechten Parteien und der AfD beworben werde – dabei habe letztere ja noch nicht mal ein Rentenkonzept. Das Thema werde auf diese Weise instrumentalisiert. „Dabei gibt es keine Partei, die für Altersarmut ist“, sagt er kopfschüttelnd.