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Neues Sicherheitssystem
Statt Flieger rollen Bagger über die Landebahn

 In der Sicherheitszone wird das neue Sicherheitssystem verbaut. Hier entsteht die Verankerung.
In der Sicherheitszone wird das neue Sicherheitssystem verbaut. Hier entsteht die Verankerung. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der Flughafen Saarbrücken ist drei Wochen dicht. Ein neues Sicherheitssystem wird verbaut. Nur das Terminal ist geöffnet. Von Teresa Bauer

Alltägliche Situation an Flughäfen: lautes Stimmengewirr, Menschen stehen dicht gedrängt an den Schaltern, Gepäckwagen werden geschoben, Koffer hinterhergezogen. Immer wieder gibt es Lautsprecherdurchsagen. Am Flughafen Saarbrücken herrscht zur Zeit hingegen Geisterstimmung. Die Parkplätze sind leer. Die Gepäckbänder stehen. Die Bildschirme der Anzeigetafeln sind schwarz. Passagiere geschweige denn Flugzeuge, die starten und landen, sucht man vergebens. Denn der Flugbetrieb liegt drei Wochen lahm.


Seit vergangenem Montag wird die Landebahn mit einem neuen Sicherheitssystem ausgestattet. EMAS-System („Engineered Materials Arrestor System“) heißt das Bremsbett, das verhindern soll, dass Flugzeuge über die rund zwei Kilometer lange Bahn hinausschießen. Dafür wird in der bereits bestehenden, 85 Meter langen Sicherheitszone ein spezielles Material aufgebracht. Das sogenannte Schaumglas – ein Gemisch aus recyceltem Glas und einem Zementüberzug – ist sehr leicht und weich. Es sei wasserabweisend und feuerfest. Flugzeuge sinken im Ernstfall darin ein, ohne dass ein Schaden entsteht, erklärt Ludwin Vogel, Pressesprecher des Flughafens. Die Kosten für das EMAS-System belaufen sich laut Vogel auf vier Millionen Euro. Hinzu kommen weitere vier Millionen Euro für Arbeiten, die parallel erledigt werden. „Zum Beispiel werden die Elektroinstallation erneuert, das Gepäcktransportband saniert, der Parkplatz 1 neu asphaltiert.“ Außerdem werden Kabeltrassen vom Terminal bis zur Notfallspur am westlichen Ende der Landebahn neu verlegt. „Maßgeblich finanziert werden die Arbeiten von der Landesregierung“, sagt Vogel.

Statt Flugzeugen rollen bis 30. März nun also Bagger und Lkw über die Landebahn. Rund 30 Arbeiter seien laut Vogel täglich an der Baustelle im Einsatz. 87 Flüge fallen bis zum Ende der Bauarbeiten aus. Da das Projekt aber bereits sehr lange im voraus angekündigt worden sei und seit drei Jahren geplant werde, gebe es dahingehend keine Probleme. „Die Fluggesellschaften haben ihre Kunden informiert“, sagt Vogel. Die Linienflüge von und nach Hamburg beziehungsweise Berlin landen und starten momentan beispielsweise vom Flughafen Luxemburg. Für die Installation des neuen Sicherheitssystems seien bewusst die drei Wochen im März gewählt worden. Die Urlaubssaison werde erst danach beginnen. Der erste Flieger landet wieder am Sonntag, 31. März – aus Mallorca.



Für die rund 100 Mitarbeiter des Flughafens bedeutet der ruhende Betrieb aber keineswegs Freizeit. Ein Großteil der Belegschaft sei im Einsatz, sagt Vogel. Auch die Bundespolizei sorgt weiter für die Sicherheit. Zudem haben die Reisebüros geöffnet und locken die Kunden mit einem Gewinnspiel zum Flughafen. Auf den Parkplätzen kann kostenlos das Fahrzeug abgestellt werden. Die Gastronomie-Betriebe im Terminal verkaufen in den drei Woche weiter Kaffee und Brötchen. Die meisten Kunden im Bistro-Bereich sind augenscheinlich aber die Bauarbeiter, die während der Arbeiten dort eine kleine Pause einlegen.

 Schwarze Bildschirme, stehende Gepäckbänder: Das Terminal ist zwar offen, aber es herrscht gähnende Leere.
Schwarze Bildschirme, stehende Gepäckbänder: Das Terminal ist zwar offen, aber es herrscht gähnende Leere. FOTO: BeckerBredel