Kolumne : Das Feuer entfacht

Auf der Fensterbank braut sich etwas zusammen. Noch blüht die Chili-Pflanze nur, aber man kann die Flammen schon fühlen.

Wunderschön ist meine Indianerin – und wunderschön ist das, wozu sie mich geführt hat: Umgeben von mit Früchten behangenen Büschen, die mich schon fast ganz für sich vereinnahmt hatten, zog sie mich wohl wissend, was ich will, auf klandestinen Pfaden in einem Markt weiter zu verborgenen Pflanzen, zwischen deren Blättern tiefgrüne und feuerrote Zipfel herausspitzten, als wären sie vorsichtig-verhalten, worauf aber nur ein Greenhorn hereinfallen kann. Grasgrün waren die Büsche. Einzig an einem Platz versammelten sich solche mit finsteren, mandelförmigen Blättern und die Stängel straff und spindeldürr, so dass sie leise zitterten, wenn man an ihre Töpfchen kam. Das Adlerauge hatte sie entdeckt: Birds Eye Chili. Eine Hand voll Indianergeld sollte eine Pflanze kosten, was ich mir natürlich leisten wollte, und nun reckt sich eine auf meiner Fensterbank dem Sonnenlicht entgegen. Wie kleine violette, von Surrealisten erdachte Sonnen zeigen sich die ersten winzigen Blüten bereits so zart und schüchtern, als wollten sie das kaschieren, was einem blüht, wenn er sich ihre Frucht unzerteilt auf die Zunge legt. Denn diese wird ein Feuer entfachen – wie es sonst nur die Indianer noch besser können.