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SNCF versus Theaterfestival
Festival im Blindflug „dank“ SNCF

Das Team von Perspectives kämpft mit manchen Widrigkeiten. Martha Kaiser (oben links) und Marion Touze (vorne links) versuchen trotz Eisenbahnerstreik die Ruhe zu bewahren.
Das Team von Perspectives kämpft mit manchen Widrigkeiten. Martha Kaiser (oben links) und Marion Touze (vorne links) versuchen trotz Eisenbahnerstreik die Ruhe zu bewahren. FOTO: Perspectives / Picasa
Saarbrücken. Die französischen Eisenbahner streiken. Und zwar gleich über mehrere Monate. Das trifft in ganz unmittelbar auch die Perspectives. Von Oliver Sandmeyer

Insgesamt drei Monate planen die Gewerkschaften der französischen Eisenbahner zu streiken. Bereits am ersten Streiktag, dem 22. März, führte dies zu mehreren Zugausfällen, die daraus resultierenden Verbindungsprobleme bekommt ganz Frankreich zu spüren. Nun ist es ja nicht so, als würde der Bahnbetrieb SNCF zum ersten Mal bestreikt werden. Doch erstmals haben die SNCF-Streiks auch Auswirkungen auf internationale, also grenzüberschreitende Linien, was auch hier in der Region für Ausfälle sorgt und damit die Planung des „Festival Perspectives“ durcheinanderschüttelt.


„Unsere künstlerische Leiterin Sylvie Hamard ist beispielsweise direkt von dem SNCF-Streik betroffen“, erzählt Marion Touze aus der Presseabteilung des Festivals. Hamard wohnt in Versailles bei Paris. „Normalerweise pendelt sie per Zug zwischen ihrem Wohnort und dem Arbeitsplatz in Saarbrücken. Durch den Streik musste unser Team immer wieder per Telefonkonferenz arbeiten.“

Die Ausfälle betreffen aber auch direkt die Organisation des Festivals: Unter anderem sollten das Zirkusduo Harrivel und Pons mit ihrer „Grande“-Show, sowie die Tänzer des „Street Dance Club“ und The Rat Pack mit dem TGV aus Paris kommen. Andere wie das sich ausschließlich aus jungen Darstellern zusammensetzende Campo-Ensemble kommen problemlos mit dem Bus aus Gent.



Klar ist jedoch: Durch den Streik entstehen nun Unwägbarkeiten, die es zu lösen gilt, weiß Martha Kaiser vom Perspectives-Organisationsteam: „Die Strecke Paris-Saarbrücken ist nun mal eine wichtige für die bei Perspectives auftretenden Künstler und deren Teams. Die Alleo GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Bahn und der SNCF, ist zwar Sponsor und stellt kostenlose Tickets zu Verfügung, dennoch werden bis jetzt noch nicht zu benennende Mehrkosten entstehen.“ Denn alternative Anreisemöglichkeiten müssen geplant und finanziert werden; besonders die Unterbringung der Künstler in Hotels könnte die Ausgaben durch ein Mehr an nötigen Übernachtungen ordentlich erhöhen.

Kaiser und Touze machen im Gespräch glücklicherweise nicht den Eindruck, als würde sie die Situation überfordern. Sie sind sich sicher, dass alles wie geplant stattfinden wird. „Von unserer täglichen Arbeit her sind wir es gewohnt flexibel zu sein. In diesem Jahr ist es eben ein wenig mehr. Wie es wirklich läuft, sehen wir erst, wenn es soweit ist, dass Perspectives losgeht“, meint Martha Kaiser. Und Marion Touze ergänzt: „Wir müssen einfach weiter planen, versuchen täglich den Streik aufzufangen. Unabhängig davon, ob der zwischendurch beendet wird oder nicht. Wir arbeiten in einer Art Blindflug.“ Da bleibt nur – ganz zuversichtlich – zu sagen: Gute Landung.