Fernsehsendungen beeinflussen den Umgang zuhause

Kolumne: So kann’s gehen : Mein Gott, ist der hässlich

Kennen Sie diese Fernsehsendungen, die vorgaukeln, alles wäre real? Als würde sich das Gezeigte genau so und nicht anders abspielen?

Da werden Frauen getauscht, ziehen angeblich für einige Zeit in die Obhut einer anderen Familie. Lassen sich dort bis zum Selbstmordgedanken über Wochen hinweg demütigen – oder gelangen in ein paradiesisches Familienidyll, von dem sie im eigentlichen Zuhause beim Anblick der vermaledeiten Blagen nur träumen können. Laien stellen  die ihnen zugewiesenen Rollen so grotesk miserabel dar, dass der geneigte Zuschauer felsenfest davon ausgeht: Das kann nur echt sein, niemand schauspielert so dermaßen schlecht. Der Profi-Kameramann lässt amateurhaft sein Aufnahmegerät hektisch hin- und herwackeln, dass ein Epileptiker vor der Mattscheibe auf der Stelle zur Notaufnahme muss. Trotz der überzogenen Darstellung verlautbarte einst eine Freundin mit Studienabschluss, sie ziehe sich solche Reality-Formate aus rein „soziologischen Gründen“ rein.

Letztens verfiel auch meine bessere Hälfe dem Sog solcher TV-Sendungen. Am Abend berichtete er mir völlig ekstatisch: „Da haben sie einen Mann gezeigt. Mein Gott, war der hässlich. Den haben sie über Wochen bearbeitet. Mit zahlreichen Operationen. Richtig verlebt sah der aus.“ Zig mal wiederholte er, wie abgrundtief schauderhaft der Typ aussah. Konnte sich gar nicht einkriegen.

Dann schaute er schweigend zu mir herüber, betrachtete mich einen Moment. Nach kurzer Pause folgte mit ernster Miene: „Er war übrigens so in deinem Alter. Sag mal: Willst du dir eigentlich, wenn du ja so unter deinen Falten im Gesicht leidest, nicht mal Botox spritzen lassen?“