Feministischer Poetry Slam: Capucine Venus gewinnt

Zum FrauenKulturMonat : Die mitreißende Kraft der slammenden Frauen

Frauenthemen-Monat: Feministischer Poetry Slam in der Stadtbibliothek. Capucine Venus gewinnt den Dichterinnen-Wettstreit.

„Für mich ist der Text sowas wie Eigentherapie“, sagt Capucine Venus zu Beginn ihres Slams am Dienstagabend in der Saarbrücker Stadtbibliothek. Neun Frauen haben sich hier zusammengefunden, ganz persönliche, emotionale, lustige, kritische und ironische Texte zu präsentieren. Einzige Vorgabe: Feministisch soll es sein, denn das Frauenbüro der Stadt Saarbrücken organisierte diese Veranstaltung im Rahmen des Frauenthemen-Monats, der noch bis 29. November läuft.

Hilde Hartmann eröffnet die Runde „in saarländischer Mundart“. Sie slamt aber keineswegs konservativ. Im Gegenteil: „Altherrenwirtschaft“ heißt ihr Text und handelt böse und sarkastisch von veralteten Strukturen der katholischen Kirche und Missbrauchsfällen, die daraus resultieren würden. Wie „praktisch“ sei es auch, dass „illegale Priesterkinder im Vatikan nicht erben können und somit das Erbe in der Schoß der Mutterkirche zurückgeht“, kritisiert Hartmann.

Capucine Venus, die zweite Rednerin an diesem Abend, wickelt das Publikum um den Finger mit ihrer säuselnd, rauen Stimme. „Nein!“ heißt ihr Text ganz einfach und handelt davon, wie unverständlich dieses Wörtchen anscheinend sein kann. Auch sie erzählt Persönliches, hat schlechte Erfahrungen gemacht, wurde in bestimmten Momenten nicht ernst genommen und möchte für Gleichberechtigung und Fairness einstehen. Flüssig und selbstsicher liest sie ihren Text. Dass sie schon Erfahrung auf der Bühne gesammelt hat, ist offensichtlich.

Der nächste Text hat als zentralen Inhalt die Rednerin Tamaris Hartmann selbst. Sie hat sich damit beschäftigt, zu akzeptieren und zu mögen, dass man nicht perfekt ist.

Ebenso persönlich ist die Geschichte von Inge Jochum-Leonardy. 20 Minuten referiert sie über die Schafherde, die sie in Frankreich zusammen mit ihrem Mann hütet. Eine schön erzählte Kurzgeschichte, deren Thematik allerdings aus dem Rahmen fällt.

Als Autorin kennen die Saarbrücker die nächste Slammerin bereits: Sonja Ruf. Ihr Text zum Verlust eines Kindes ist bewegend und lässt das Publikum nachdenklich zurück.

Moderatorin Minusch Toko Afonso schafft es, den Bogen zu spannen zur Rednerin Tamara Wagner. Sie geht zum ersten Mal an die Öffentlichkeit mit ihrem Text. Sympathisch und witzig naiv geht sie das Thema „Feminismus“ von einer anderen Seite an.

Hannah-Sophie Schäfer tritt danach in einem schwarzen, hochgeschlossenen Kleid auf die Bühne. Der Text ist für „dich, sexy man“, flüstert sie ins Mikrofon. Die junge Frau hat bereits Schauspielerfahrung gesammelt und ihr Gedicht lässt das Publikum in eine verrauchte Kneipenszene eintauchen.

Für Vanessa Bender ist es heute eine Premiere. Mit zitternden Händen hält sie ihren Text und berichtet von sich als „Überlebende“ eines Übergriffs und wie sie wieder neuen Mut gefasst hat. „Ich will, dass meine Geschichte gehört wird, und ich will, dass andere dadurch ermutigt werden, ihre Geschichte auch zu erzählen.“

Bei der letzten Rednerin bleibt kaum jemand ernst. Jutta Adam liest von der Webseite einer Klinik für Frauenchirurgie über Intimoperationen mit dem Motto „gerne Frau sein“, wie sie immer wieder zuckersüß säuselt. Für das Publikum ein erleichternder Abschluss vor der Abstimmung über die „Gewinnerin“ des Abends. Die erfahrene Capucine Venus erntet den meisten Beifall, der Abend aber lebte durch die facettenreichen und mutigen Beiträge aller Frauen.