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Fastnacht
Ein Urgestein der Fastnacht feiert Geburtstag

Gert Müller gründete vor 61 Jahren die Saarbrücker Narrengilde.
Gert Müller gründete vor 61 Jahren die Saarbrücker Narrengilde. FOTO: Iris Maurer
Fechingen. Der Karnevalist Gert Müller hat 60 Jahre lang Karnevalisten mit seinen Büttenreden zum Lachen gebracht. Jetzt wird er 90.

Die „doofe Nuss“ wollte er nie sein, sagt der Ur-Karnevalist, Sänger und Büttenredner Gert Müller, der am heutigen Freitag seinen 90. Geburtstag feiert. Dabei bezieht er sich auf keinen bestimmten Büttenredner, der mal unter dem Namen „Doofe Nuss“ aufgetreten ist. Die „doofe Nuss“ ist für Müller ein Oberbegriff für die karnevalistischen Redner, die einfach nur Witze aufsagen. Nein, die Gert-Müller-Auftritte in der Bütt – und die gab es über sechs Jahrzehnte lang – sollten allesamt „gehaltvoll“ sein.


Die Verkleidung stets professionell. Egal, ob Müller als Adam Riese, Scheich Ibn Scheisal oder Baron von Münchhausen in die Bütt gestiegen ist. Alle Reden, alle in exaktem Versmaß gereimt, alle im Dialekt, hat er in seinem Fastnachtskeller alphabetisch in Ordnern abgelegt.

„Zuerst stand immer der Refrain“, erzählt er. Etwa so: „Ihr Dumme sterwe niemols aus.“ Wem aber sollte er diese Worte immer wieder in den Mund legen? Müller entschied: „Das muss der Petrus sein, der von oben auf das Geschehen auf der Erde blickt.“ Seine Lieblingsrolle aber ist der „Bloospidd von Molschd“. Der meldet sich auch heute noch zu Wort, wenn Müller in Leserbriefen an die SZ das Geschehen kommentiert.



Auch zu karnevalistischen Sammelbänden aus der Region trägt Müller als „Bloospidd“ noch Gedichte bei. So etwa im Hörbuch „Fier jeeder ebbes“ seines Freundes Klaus Schneider, genau wie Müller Aktiver auf der Bühne der Saarbrücker Narrengilde, die Müller 1957 gegründet hat. Zehn Jahre zuvor ist er dem Saarbrücker Liederkranz beigetreten: „Da gab es so viele Faasebooze, aber keinen Karnevalsverein.“ Also haben Müller und andere Gleichgesinnte 1951 den Karnevalsverein „Die Rätsch“ gegründet.

Sowohl bei der „Rätsch“ als auch später bei der Narrengilde war der Chor einer der prägenden Programmpunkte. Müller war dabei Autor der Texte, die nach guter Karnevalistentradition dem aktuellen Zeitgeschehen den närrischen Zerrspiegel vorhielten. Die aktuelle Entwicklung des Karnevals sieht er allerdings mit Bedenken – zu viele „doofe Nüsse“ seien da inzwischen zu sehen.

Auch nach seinem Rückzug von den Bühnen ist Müller die Mundart wichtig geblieben: „Kloore Saarländer haben von mir die Auszeichnung ,Der Till’ bekommen.“ Mit 70 hat er sich zur Ruhe gesetzt. Dann aber die Rückkehr wenig später: „Mit 75 wurde ich der älteste Jungunternehmer des Saarlandes“, scherzt Müller, der als gelernter technischer Groß- und Einzelhandelskaufmann mit Messwerkzeugen aus Fernost handelt. Geschäftsführer sei er heute noch: „Wenn auch an der langen Leine, da meine Tochter den Betrieb leitet.“