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Das ganze Jahr an sieben Tage in der Woche für die Tiere da

Das ganze Jahr an sieben Tage in der Woche für die Tiere da

Fechingen/Seelbach. Wenn sie in Fechingen hinter dem Freibad sich einen Mann im langen Mantel auf seine Stange stützen sehen, dann könnte das Martin Ernst sein, der einem der ältesten Gewerbe der Welt nachgeht. Doch keine Angst, es ist nichts Anzügliches, was er da tut, denn der 31-Jährige aus Blieskastel- Seelbach ist Schäfer

Fechingen/Seelbach. Wenn sie in Fechingen hinter dem Freibad sich einen Mann im langen Mantel auf seine Stange stützen sehen, dann könnte das Martin Ernst sein, der einem der ältesten Gewerbe der Welt nachgeht. Doch keine Angst, es ist nichts Anzügliches, was er da tut, denn der 31-Jährige aus Blieskastel- Seelbach ist Schäfer. Im Saarland gibt es davon im Hauptberuf vielleicht noch fünf oder sechs. "Man muss einfach Spaß an der Arbeit mit den Tieren haben", sagt Martin Ernst, "sonst ist man hier fehl am Platz." Denn auch die Schäferei hat sich zu einem Geschäft entwickelt. "Früher hat man gesagt, wer in der Schule nicht recht mitkommt, kann in der Landwirtschaft etwas werden", lacht Theo Ernst, Vater von Martin und Gründer des Betriebs, "wer sich heute in Betriebswirtschaft nicht auskennt, nicht haarscharf kalkuliert, der bleibt auf der Strecke." Darum ist Schäfer, oder wie es heute heißt "Tierwirt", auch ein anerkannter Lehrberuf. Die Lehrzeit beträgt normalerweise drei Jahre. Martin Ernst hat seine Ausbildung in einem Intensivkurs innerhalb weniger Wochen abgelegt. "Die Prüfungsinhalte sind aber die gleichen wie in der kompletten Ausbildung", betont der junge Familienvater, der im Sommer den elterlichen Betrieb ganz übernehmen wird. Neben Kenntnissen über die verschiedenen Rassen, über Zucht und Pflege beinhaltet der Lernstoff auch eine Menge medizinischer Grundbegriffe. "Besonders die Klauenpflege ist sehr wichtig. Dazu kommt zweimal im Jahr eine Wurmkur." Martin Ernst hat zunächst eine Metzgerlehre gemacht, wie sein Vater. Das hat sich bewährt. "Wir können garantieren, dass unsere Tiere stressfrei von der Geburt bis zur Schlachtung völlig natürlich und artgerecht gehalten werden", betont Martin stolz, "das merkt man dem Fleisch und der Wurst natürlich an." Deshalb hat die Schäferei Ernst auch das Bio-Zertifikat. Die rund 700 Tiere der Ernst'schen Herde dienen hauptsächlich der Fleischproduktion. Die Wolle spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. "Früher brachte das Kilo Wolle 4,20 Mark, heute bekommt man noch 50 Cent dafür", schüttelt Theo Ernst den Kopf, "das Fleisch dagegen erfreut sich wachsender Beliebtheit." Waren es früher meist die türkischen Mitbürger, die sich für Schafsfleisch begeisterten, haben die Produkte der Familie Ernst mittlerweile sogar Einzug in die gehobene Gastronomie gefunden. Im eigenen Lokal "Hühnerhof" direkt am Jakobsweg in Seelbach kann man sich von der Qualität überzeugen. In anderen Bundesländern werden Schäfer mit ihren Tieren zur Landschaftspflege eingesetzt und werden dafür auch bezahlt. Im Saarland ist das nicht der Fall. Und obwohl Martin Ernst das ganze Jahr an sieben Tagen in der Woche für seine Tiere da sein muss, würde er mit niemandem tauschen mögen. "Ich kann mir nicht vorstellen, acht Stunden am Fliesband zu arbeiten. Für Schäfer gibt es auch kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung", sagt Martin Ernst und zieht dann mit seiner Herde weiter - zur nächsten Weide. cor