Bad-Schließung erbost SchwimmerFechingen läuft Sturm für sein Schwimmbad

Bad-Schließung erbost SchwimmerFechingen läuft Sturm für sein Schwimmbad

Saarbrücken. Christel Weins, Leiterin der Abteilung Schwimmen des ATSV Saarbrücken, ist fassungslos, dass die Stadt das Kombibad in Fechingen schließen will (die SZ berichtete). "Das ist die einzige 25-Meter-Schwimmhalle, in der wir Wettkämpfe austragen können", sagt Weins. Das Altenkesseler Hallenbad und das Erlebnisbad Calypso seien nicht "wettkampftauglich"

Saarbrücken. Christel Weins, Leiterin der Abteilung Schwimmen des ATSV Saarbrücken, ist fassungslos, dass die Stadt das Kombibad in Fechingen schließen will (die SZ berichtete). "Das ist die einzige 25-Meter-Schwimmhalle, in der wir Wettkämpfe austragen können", sagt Weins. Das Altenkesseler Hallenbad und das Erlebnisbad Calypso seien nicht "wettkampftauglich". Das Dudobad in Dudweiler habe zwar eine 50-Meter-Bahn. Doch das Bad für Wettkämpfe zu reservieren, sei teurer als in Fechingen. Nach ihren Angaben nutzen außer dem ATSV auch der TV Fechingen, der TV Bischmisheim und zwei Ortsvereine der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) das Hallen- und Freibad - zum Beispiel für Kinder-Wettbewerbe und Vereinsmeisterschaften. Die Vereine haben sich kürzlich zusammengesetzt und wollen jetzt gegen die Schließungspläne mobil machen und Unterschriften sammeln, sagte Weins. Die Vereine seien enttäuscht, dass die Verwaltung nicht im Vorfeld mit ihnen über Kostensenkungen im Fechinger Bad geredet habe. Für Christel Weins ist klar: "Hier wird ein gutes Konzept kaputtgemacht." Alle Trainingszeiten seien belegt, 300 Kinder auf das Kombibad angewiesen. Auch Schulen nutzten das Fechinger Bad. Im Sommer sei das Freibad sehr beliebt, meint die Abteilungsleiterin des ATSV. Das Einzugsgebiet reiche bis ins Mandelbachtal. Deshalb kann sie nicht verstehen, dass die Gutachter zum Haushalt festgestellt haben, dass Saarbrücken zu viele Bäder habe.Weins ist auch Mitglied im Förderverein des Totobads. Die Stadt will in die beliebte Anlage am Schwarzenberg investieren, wenn das Fechinger Bad geschlossen wird. Das lehnt Weins ab. Die Stadt müsse eine eigene Lösung fürs Totobad unabhängig vom Kombibad Fechingen finden. Können die Vereine nicht ins Altenkesseler Alsbachbad ausweichen, wie die Stadt vorschlägt? Das lehnten die Vereine ab, weil die Fahrt dorthin eine Stunde dauere, sagte Weins. "Berufstätige Eltern haben aber immer weniger Zeit, ihre Kinder zu fahren." Und was ist mit dem Kleinblittersdorfer Bad? Dort sei die Miete viel höher als in Fechingen. Weins: "Die Vereine brauchen das Fechinger Bad." Deshalb ist für sie unverständlich, dass die rot-rot-grüne Koalition im Stadtrat zwei Dezernentenstellen wiederbesetzt hat. Hier sei eine Chance vertan, beim Sparen beispielhaft voranzugehen.Fechingen. Schon wenige Stunden nachdem bekannt wurde, dass das Fechinger Kombibad ganz oben auf der städtischen Sparliste steht, hat sich im Stadtteil und im gesamten Bezirk Halberg der Widerstand organisiert. Bereits am vergangenen Samstag wurde im Rahmen einer Vorbesprechung erörtert, welche Protestaktionen für das beliebte Bad organisiert werden können. Eine erste Bürgerversammlung ist bereits auf den letzten Mittwoch des Monats terminiert: 24. Februar, 18.30 Uhr, im Schwimmbad. Schon jetzt liegen im gesamten Bezirk Halberg Unterschriftenlisten für den Erhalt des Kombibades aus. Nach dem christdemokratischen Bezirksbürgermeister Daniel Bollig meldet sich jetzt auch dessen Fechinger Parteikollege Heinz-Dieter Appel zu Wort. Es könne nicht sein, so der Fechinger CDU-Ortsverbandsvorsitzende, dass hier auf Kosten einer Region und der hier lebenden Bürger, insbesondere Kinder und Senioren, gespart werde. "Wir werden uns dagegen wehren, auch über den Bezirksrat", kündigt er an. Auch Sozialdemokrat Burkard Maurer geht auf Konfrontationskurs mit seinem Genossen, dem Bürgermeister und Finanzdezernenten Ralf Latz. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion am Halberg fühlt sich überfahren, weil er im Wahlkampf noch vehement für den Erhalt des Fechinger Schwimmbades eingetreten war. Maurer glaubt, dass ausgerechnet das Fechinger Bad geschlossen werden soll, weil im Bezirk Halberg, anders als in den Bezirken West und Mitte, die CDU regiert. Er habe zwar Verständnis dafür, dass die Stadt Saarbrücken sparen müsse, doch er meint: "Diese Lasten müssten gerecht verteilt werden." Bezogen auf die Einwohnerzahl der Bezirke bedeute dies, dass in Dudweiler, Halberg und West jeweils rund drei Millionen zu sparen sind und im Bezirk Mitte zirka acht Millionen." Die Steuerzahler in den Außenbezirken hätten kein Interesse am "Millionengrab Stadtmitte am Fluss" oder einem Zuschuss-Zoo. Außerdem sei das Fechinger Kombibad das wirtschaftlichste aller Saarbrücker Bäder. Der oberste Grüne im Bezirk Halberg, Stephan Körner, kritisiert die "dilettantische Vorgehensweise" von OB Britz und Ralf Latz. Sie hätten ohne ein Bäder-Gesamtkonzept einfach einzelne Bäder herausgegriffen: "Die Gemeinde Kleinblittersdorf denkt bekanntlich ebenfalls über eine Schließung ihres Bades nach. Am Ende wird dann der Saarbrücker Osten vom Schwimmsport ganz abgehängt."Kostenloser Eintrittfade AugenwischereiZu den angekündigten Schließungen von Bädern haben sich auch bereits Leser zu Wort gemeldet: Jetzt hat die Stadtverwaltung die unangenehme Wahrheit auf den Tisch gelegt: Zwei Schwimmbäder sollen geschlossen werden, Steuern steigen. Aber warum wird das Fechinger Bad, das als Hallen- und Freibad ganzjährig genutzt werden kann und für mehrere Vereine als Trainingsstätte dient, geschlossen? Und warum will die Stadt eine Million Euro ins Totobad investieren, das nur von Mai bis Anfang September genutzt wird? Da scheint mir der in Aussicht gestellte freie Eintritt für Kinder bis zwölf Jahren in Dudo- und Totobad nur fade Augenwischerei! Oder will man meinem Vorschlag als Kompromiss folgen, Fechingen offen lassen und das Totobad schließen und das Grundstück zu Geld machen? Zweifelsohne verkenne ich nicht die klammen Kassen der Stadt und die schwierige finanzielle Situation auf Landesebene und sehe auch ein, dass die Kommunen Pflichtaufgaben haben. Gerade unter diesem Aspekt erscheint mir das Vorhaben "Stadtmitte am Fluss" aberwitzig - oder sollen die Saarbrücker am Ende in der Stadtmitte am Fluss über eine Riesenrutsche aus dem Totobad kommend ihren Badefreuden nachgehen? Stefan Schilling, SaarbrückenAn Projekten sparen, nicht an BädernZum gleichen ThemaFrau Britz, wenn Sie nicht wollen, dass Saarbrücken baden geht, dann sparen Sie nicht an Schwimmbädern und an der allgemeinen Lebensqualität in unserer Stadt, sondern an überzogenen Projekten, die die Kassen leeren. Lassen sie zur Lärmminimierung auf der zentralen Passage der Stadtautobahn Tempo 60 und Blitzer an den Verkehrsbrücken des Verkehrsleitsystems installieren und kleinere Schallschluckmaßnahmen einbauen, dann bleibt der Stadt eine langjährige belastende Großbaustelle erspart. Erhalten Sie die Einzigartigkeit der Stadtpassage auch für Fremde, die nur durchfahren wollen. So können Sie erreichen, dass auch in Zukunft die Saarbrücker baden gehen und nicht Saarbrücken. Gerhard Schirra, Saarbrücken "Das ist die einzige 25-Meter-Schwimmhalle, in der wir Wettkämpfe austragen können."Christel Weins, ATSV SaarbrückenLiebe Leserinnen, liebe Leser, wir freuen uns über Ihre Leserbriefe zur Diskussion von Themen, über die die SZ berichtet hat. Damit ein möglichst großer Leserkreis zu Wort kommen kann, müssen Zuschriften gekürzt werden. Anonyme oder fingierte Briefe sowie beleidigende Texte veröffentlichen wir nicht. Zum Abdruck von Leserbriefen sind wir nicht verpflichtet. Die Redaktion trägt die presserechtliche, aber nicht die inhaltliche Verantwortung. Leserbrief-Redaktion: Telefon (06 81) 5 02 22 81, Telefax (06 81) 5 02 22 89, E-Mail: leserbriefe@sz-sb.de