Handel : Fair-Trade-Handel muss dicht machen

Die Konkurrenz anderer Anbieter sorgt letzten Endes für die Unrentabilität des Ladens.

Seit 1979 waren sie in der Region der einzige Fair-Trade-Großhandel und damit die wichtigste Bezugsquelle für Dritte-Weltgruppen und -Läden. Doch jetzt, gerade wo das Saarland den Titel „Fair-Trade-Bundesland“ anstrebt, müssen sie schließen. „Es ist schon ein komisches Gefühl, hier allein in unserer 400-Quadrameter-Halle zu stehen“, sagt Anna Weinmann. Sie war seit 2011 die Geschäftsführerin des genossenschaftlich organisierten Fair-Handelszentrum auf den Saarterrassen und muss es jetzt zusammen mit einer letzten Kollegin abwickeln.

Die Produkte, die noch übrig sind, sollen verkauft werden. „Der Erlös muss uns helfen, die Auflösung der Genossenschaft zu finanzieren“, sagt Weinmann. Seit Jahrzehnten haben sich in diesem Fair-Trade-Großhandel Weltläden und Aktionsgruppen aus dem ganzen Saarland, aus Rheinland-Pfalz, von Kaiserslautern bis Trier und hoch in die Eifel, sogar aus Luxemburg mit ihren Waren eingedeckt. „Wir haben 600 Kunden, neben 30 Weltläden auch die Landeshauptstadt Saarbrücken und den Umweltcampus Birkenfeld“, sagt Anna Weinmann.

Der Fair-Trade-Handel in Deutschland boomt – und dennoch gingen die Umsätze in diesem Fair-Handelszentrum Südwest seit 2014 immer mehr zurück. „Wir haben alles versucht, um es zu retten“, sagt Weinmann. Man habe alles auf den Prüfstand gestellt, Prozesse optimiert, Stellen abgebaut, aber es habe nicht gereicht, eine drohende Insolvenz zu verhindern. Deshalb habe die Genossenschaft, der neben den Weltläden und Aktionsgruppen auch Einzelpersonen, darunter Charlotte Britz und Peter Gillo als Privatpersonen angehören, im Oktober die Reißleine gezogen und die Auflösung beschlossen.

Die Gründe für den Umsatzrückgang sind laut Weinmann vielfältig: Die verkaufsträchtigsten Produkte wie Kaffee, die Nummer eins, könne man heute in fast jedem Supermarkt kaufen. Das bekämen auch die Weltläden zu spüren, die wiederum, dank Internet, ihre Produkte immer öfter direkt bei den Importeuren bezögen. Schwieriger werde es jetzt vor allem für die Aktionsgruppen, die nur kleine Mengen brauchen, sich zu versorgen, sagt Weinmann. 3000 verschiedene Produkte, davon 500 Lebensmittel hatten sie im Fair-Handels-Zentrum zur Auswahl. Das hat aber nicht nur verkauft, sondern auch Bildungsarbeit gemacht. So war es etwa VHS-Kooperationspartner für das Ausbildungsprojekt „Fairer Laden Dillingen“. „Es war einfach eine schöne und sinnvolle Arbeit“, zieht Weinmann traurig Bilanz. Bis April müssen sie die Halle auf den Saarterrassen leer bekommen. Im Februar wird es daher weitere „Abverkaufstage“ geben.

Fair-Handelszentrum Südwest, Angela-Braun-Straße 16b, geöffnet heute und morgen von 10 Uhr bis 17 Uhr

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