| 20:27 Uhr

Nach schwerem Unfall in Saarbrücken
Experte: Aggression im Verkehr nimmt zu

Nach dem folgenschweren Unfall vom Samstag tauschen sich Feuerwehrleute und Polizisten aus. Der Unfallfahrer ließ das Opfer schwerverletzt einfach zurück.
Nach dem folgenschweren Unfall vom Samstag tauschen sich Feuerwehrleute und Polizisten aus. Der Unfallfahrer ließ das Opfer schwerverletzt einfach zurück. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Nach dem Unfall auf dem Eschberg, bei dem ein Autofahrer flüchtete und einen Schwerverletzten einfach liegen ließ, entbrennt nun eine Debatte über die Gründe. ADAC-Mitglieder berichten von mehr Beleidigungen im Straßenverkehr. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand verletzt wird.“ Mit diesen Worten warnte Peter Schöpe bereits Mitte August in der Saarbrücker Zeitung vor einer drohenden Gefahr durch Raser auf dem Eschberg. Und der 59-Jährige sollte Recht behalten. Denn am Samstagabend wurde ein Fußgänger zum tragischen Opfer. Er überquerte die Breslauer Straße. Auf dem Zebrastreifen erfasste ihn ein Autofahrer mit dessen Wagen und katapultierte ihn 20 Meter durch die Luft. Schwerverletzt kam das Opfer in eine Klinik. Der Fahrer türmte, ohne sich um den Mann zu kümmern.


Peter Schöpe, der seit Jahren erfolglos für Tempo 30 in seinem Wohngebiet kämpft, fühlt sich durch den aktuellen Vorfall bestätigt und befürchtet weitere Tragödien dieser Art. „Bedeutet dieser Unfall nur eine Ausnahme? Nein, das ist der Anfang“, ist er überzeugt.

Indes spricht die Verkehrsunfallstatistik des Landespolizeipräsidiums in Saarbrücken eine andere Sprache. Nach Angaben von Melanie Mohrbach von der Pressestelle werde die Straße zwar „genau erfasst“. Aber sie sei „nicht als Unfallhäufungsstelle (...) auffällig“. Ähnlich hatte sich im August auch der städtische Pressesprecher Thomas Blug geäußert. Regelmäßige Kontrollen in dem Bezirk wiesen „keine Auffälligkeiten auf“, schrieb er damals.



Mohrbach fügt aktuelle statistische Daten an. Demnach ereigneten sich in der Breslauer Straße zwischen 3. November vergangenen Jahres bis zu diesem Samstag zwei weitere Unfälle. Dabei sei niemand verletzt worden. Im Detail: Einmal machte sich ein Fahrer aus dem Staub, nachdem er ein geparktes Auto beschädigt hatte. Beim zweiten Fall soll der Sicherheitsabstand nicht ausgereicht haben.

Nehmen Fälle von Fahrerflucht und verrohtes Verhalten auf der Straße zu? Frank Finkler vom ADAC im Saarland befasst sich auch mit solchen Fragen. Der Leiter für den Bereich Verkehr/Technik und Rettungswesen erfährt immer wieder von Mitgliedern des Autoclubs, dass die „eine Zunahme aggressiven Verhaltens im Straßenverkehr beobachten“. Dabei gehe es in den meisten Fällen und Beleidigungen und Pöbeleien. Finkler gibt Frustmomente als Auslöser für derartiges Verhalten an. Und: „Das Auto gibt uns dazu eine gewisse Anonymität.“

Gründe, einfach eine Unfallstelle zu verlassen, gibt es seiner Ansicht nach mehrere. Entweder habe der Fahrer den Zusammenstoß gar nicht bemerkt. Oder der Verursacher weiß sehr wohl, dass er womöglich was falsch gemacht hat und scheut die Konsequenzen. Für am wahrscheinlichsten hält der ADAC-Experte allerdings folgende Erklärung: Wegen des Unglücks ist der Fahrer in einem Schockzustand „und kann nicht rational entscheiden“. Er will die Unfallstelle schnellstens verlassen, sei sich in diesem Augenblick der Tragweite gar nicht bewusst. „Nach unserer Einschätzung ist dies die häufigste und menschlichste Erklärung“, sagt Finkler. Inwieweit Drogen dieses Verhalten bestimmen, weiß er nicht. Entsprechende Zahlen lägen ihm nicht vor.

Um Stress während der Fahrt erst gar nicht aufkommen zu lassen, der zu fatalen Reaktionen führen kann, empfiehlt der Fachmann unter anderem Fahrpausen, frische Luft und Bewegung, um sich zu beruhigen. Atemübungen könnten ebenfalls helfen.

Für den Fall vom Samstag, 21. 15 Uhr, kommen diese Empfehlungen zu spät. Die Polizei ist weiterhin auf der Suche nach dem Täter und setzt auf Zeugen.

Kontakt zur Inspektion Saarbrücken-Stadt: Telefon (06 81) 9 32 10.

In diesem Beitrag vom 27. August warnte ein Anwohner vor möglichen Folgen der Raserei auf dem Eschberg in Saarbrücken.
In diesem Beitrag vom 27. August warnte ein Anwohner vor möglichen Folgen der Raserei auf dem Eschberg in Saarbrücken.