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Experimentelle Musik im Saarbrücker Passage-Kino

Ini-Art-Initiative : Dieser Testballon hatte Energie hoch zehn

Das erste Konzert der Ini-Art-Initiative im Saarbrücker Passage-Kino brachte guten Sound für spannende Künstler

  Von einem „Testballon“ war die Rede: Erstmals ging die Ini-Art-Initiative am Samstag ins Passage-Kino. Zu dem Doppelkonzert hatten sich Gerri Jäger solo und die Band Spinifex angesagt. Stammspielort der experimentierfreudigen „Ini-Art – Initiative für MusikKunst“ ist bekanntlich das Theater im Viertel (TiV) am Landwehrplatz, eine Adresse für intime Kammeratmosphäre mit Protagonisten zum Greifen.

Und nun der Kontrast: Ein ganz und gar anderes Gefühl, wenn man im großen Passage-Kinosaal von den hinteren Plätzen hinunter auf die doch ein beträchtliches Stück entfernte Bühne blickte. Zum Glück kann die Ini-Art ein treues Publikum ihr eigen nennen: Die Fans kamen so zahlreich, dass das TiV hätte volle Bude vermelden können.

Im geräumigen Lichtspielhaus verteilten sich die Zuhörer nun freilich, und viele Plätze blieben unbesetzt. Dafür konnte hier, wer wollte, eigenbrötlerische Distanz wahren und, so der Ini-Art-Moderator Michael Hupperts, in „gemütlichen Sitzen“ lümmeln.

Spätestens als lauschiger Sternenstaub den Kinovorhang hinter dem Podium illuminierte, keimte eine durchaus heimelige Aura. Außerdem stimmte die Übertragung des Sounds in die kühlen Weiten des Saals.

Richtig tropisch wurde es gar bei der Formation „Spinifex“; da machte Stillsitzen Mühe. Das von Amsterdam aus operierende Quintett um den Saarbrücker Tobias Klein (Saxofon) mit Bart Maris (Trompete), Jasper Stadhouders (Gitarre), Gonçalo Almeida (E-Bass) und Philipp Moser (Schlagzeug) verschmilzt in seinem WorldRockJazz exotische Einflüsse afrikanischer und asiatischer Musik zu einem siedenden Gebräu.

Das tönte sozusagen wie „Orient live“ und hatte Energie hoch zehn. Ganze Kaskaden brachialer Rhythmus-Akzente bildeten das Fundament, über dem die Frontleute ellenlange melodische Gesten ausbreiteten. Neben Geplantem und Durchkomponiertem herrschte zudem kein Mangel an packenden Improvisationen und Soli – ob hier nun das Metall heiß geblasen wurde oder der Gitarrist die Finger fliegen und sein Slide-Röhrchen schlittern ließ.

Ruhepunkte inmitten des Gewitters bildeten lyrische Passagen über einer schlichten Gitarren-Formel oder auch intime klangforscherische Exkurse – die dann schon mal in einem langen Crescendo wiederum auf Orkanstärke anschwollen. „Soufifex“ heißt das aktuelle Album von Spinifex — wer Außergewöhnliches mit Orientflair und überbordender Jazzlaune sucht, ist da richtig.

Perfekt ins Ambiente des riesigen Kinoraums passte zuvor die Musik des gleichfalls von Amsterdam aus operierenden Gerri Jäger, der solistisch am Drumset den Abend eröffnete. Jäger verband Live-Schlagzeug und Elektronik – und das tönte bisweilen richtig spacig abgehoben. Der studierte Jazzer (was hier kaum auffiel) und Ex-Grunger setzte weniger auf Grooves zum Mitschnippen, sondern hämmerte vielmehr kantig Rudimentäres und verknotet Widerborstiges – ein minimalistischer Ansatz war nicht zu verkennen.

Wichtiger: Zusammen mit elektronischen Klangflächen, Wasser-ähnlichen Geräuschen und allerlei Hall-Effekten wuchsen die Sounds zu imposanten futuristischen Klangräumen, die den Kinotempel ausfüllten. Das hämmerte in der Magengrube und entführte zugleich in sphärische Regionen – weniger etwas für Jazzer und Freunde improvisierter Musik als vielmehr für Weltraumsound-Freaks.

Das nächste Konzert im Passage-Kino (Bahnhofstraß 82) ist am Samstag, 30. März, 19.30 Uhr mit „Emotions – Live on stage“.

Karten: www.saarfilm.de