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Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse spielt ihre zweite Corona-Version

Kinderbuchmesse goes KuBa : „Wild werden“ mit Büchern an einem tollen Ort

Trotz Corona ist die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse noch nie ausgefallen. Auch in diesem Oktober wird das Saarbrücker Lesefestival stattfinden. Und es gibt ein paar Änderungen.

Igor Holland-Moritz strahlt bei seiner Pressekonferenz mit der Sonne draußen auf dem Eurobahnhof-Gelände um die Wette. Der Chef der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse hat es wieder geschafft: Zum zweiten Mal wird das schöne Lesefest trotz Corona stattfinden. Und zwar diesmal wirklich wieder als richtiges Festival, als Treffpunkt der Leseratten. Vom 13. bis 16. Oktober. Vor Ort. Nicht wie im letzten Jahr, als es fast nur Veranstaltungen in Schulen geben konnte.

Vor Ort bedeutet in diesem 21. Festival-Jahr außerdem auch noch: Der Ort ist neu. Denn nach vielen Jahren im Schloss und ein paar Jahren in der alten evangelischen Kirche am St. Johanner Markt,  hat die Buchmesse ein neues Zuhause gefunden. „Büchermesse goes KuBa“, sagt Holland-Moritz bei der PK und verrät, dass der Gedanke, die europäische Kinder- und Jugendbuchmesse an den Eurobahnhof zu verlegen, schon Astrid Rech gekommen war. Die langjährige Leiterin der Messe war im April nach langer Krankheit gestorben – und so freut es den neuen Chef besonders, dass der Umzug noch ein bisschen Rechs Vermächtnis ist.

Nun wird es aber nicht so sein, dass alles im KuBa stattfinden kann, dafür wäre hier nicht genug Platz. Zwar ist das Atelierhaus das Herzstück des Festivals. Hier wird eine große, bunte Bücherschau eingerichtet, mit Schmöker-Ecken und einer Messebuchhandlung, der „Buch-Bar für Seelennahrung“, wie Holland-Moritz es nennt. Aber die Lesungen selbst, die Workshops, Theater und anderen Veranstaltungen, werden überall im Quartier Eurobahnhof verteilt stattfinden. Denn es haben tatsächlich ganz viele dort ihre Türen und Herzen geöffnet für die Kinder- und Jugendbuchmesse.

Im Saarrondo der Tanzschule Bootz-Ohlmann etwa wird am Familiensamstag gefeiert. „Auch das neue Jugendamt öffnet seinen überraschend schönen Veranstaltungsraum für uns“, sagt Holland-Moritz. Ebenso die Stiftung Demokratie, die gleich mehrere Räume anbieten kann. Auch die Firma Ergosign und die Wissenswerkstatt empfangen die Buchmesse und ihre jungen Besucherinnen und Besucher. So wird besonders der  Familien-Samstag am 16. Oktober zugleich eine  Art Tag der offenen Tür im Quartier. Man kann dann nicht zur Autorinnen und Autoren entdecken, sondern auch neue Orte.

An diesen vielen neuen Orten dürfen im Oktober alle „Wild werden“. So lautet das Motto der Messe 2021. Wobei der Messechef das mit doppelter  Bedeutung versteht. Zum einen wörtlich und nachhaltig. Weswegen es die eine oder andere Natur-Werkstatt geben wird bei der Messe. Zum anderen aber auch, weil er glaubt, dass die Kinder nach dem langen Bravsein in der Pandemie dringend mal wieder ein bisschen Wildsein brauchen.

Passend zum Motto hat Holland-Moritz zum Beispiel Ella Blix mit dem Jugendroman „Wild – Sie hören dich denken“ eingeladen. Und für die Kleinen ab sechs Jahren Barbara Van den Speulhof mit „13 wilde Weihnachtskerle“. Und entsprechend wild und bunt, voller echter Löwen und Tiger und wild maskierter Kinder ist das Messeplakat, das diesmal von der Luxemburger Künstlerin Marie-Isabell Callier entworfen wurde, die natürlich auch einen wilden Workshop geben wird.

Viele interessante Bücher, bekannte und (noch) weniger bekannte Autorinnen und Autoren stellt der Messechef den vielen  Interessierten, die an diesem Montagmittag zur PK gekommen sind, vor. Er macht Lust auf Lesungen, auf Workshops und ungewöhnliche Projekte – wie etwa die deutsch-französischen „Bildbrieffreunde“. Der Künstler Jan von Holleben gestaltet dafür mit Kindern aus Nancy und Saarbrücken Bilder, auf denen sie ihre erträumten Ferien verraten.

Eher für Erwachsene spannend dürfte ein Termin am Messesamstag werden. Die  deutsche Familienbloggerin Alu Kitzerow und die französische Bloggerin Marjorie Marchal tauschen sich über „Rollen in der Familie“ diesseits und jenseits der Grenze aus. Und freitags „sendet“ der Podcast „Die Kinderbuch-Praxis“ mit Doktor Stefan und Mister Ralf sozusagen „live“ von der Messe. Am Messefreitag gibt es zudem einen Comic-Schwerpunkt. Denn natürlich arbeitet man auch mit der hiesigen Hochschule der Bildenden Künste zusammen.

Eine weitere Neuheit ist 2021, dass es vorher keine festen Leseräume geben wird. Die Planung  ist flexibel, je nach Nachfrage geht die Lesung in größere oder kleinere Räume. Die Messebesucher finden sich – natürlich unter Einhaltung der  üblichen 3G-Corona-Regeln –, alle in der Bücherschau ein und werden dort von Messe-Hostessen zum Lese-Ort geleitet. Anmelden muss man sich tatsächlich nicht zwingend. Gibt es noch Platz, kann man auch spontan zu Lesungen kommen. Aber natürlich empfiehlt sich die Anmeldung.

Der deutsch-französische Jugendliteraturpreis wird 2021 wieder im Rahmen der Messe vergeben, und die nominierten Autorinnen und Autoren sind zumeist auch zu Lesungen da, etwa Daniel  Bleckmann mit seinem Buch-Hit „Doggerland“ und Alex Rühle mit seinem beliebten Schlossgespenst „Zippel“.

Nur auf die Einladung eines Gastlands hat Holland-Moritz wegen Corona verzichtet. „Das war mir zu riskant“. Wer weiß schließlich, ob die Gäste dann auch wirklich kommen können. Europäisch ist die Buchmesse aber trotzdem. Erstens kommt wie seit 20 Jahren der katalanische Künstler Ignasi Blanch wieder zu Workshops vorbei. „Und außerdem sind da ja immer unsere französischen Freunde“, sagt Doris Pack, die Präsidentin der Stiftung für deutsch-französische kulturelle  Zusammenarbeit, unter deren Fittichen die Buchmesse seit Jahren gedeiht. Gemeinsam mit Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt hatte sie die Pressekonferenz eröffnet. Der OB fand es dabei besonders schön, dass die Europäische Buchmesse nunmehr in der Europa-Allee am Eurobahnhof stattfinden wird.