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Kindertheater: „Es war meine glücklichste Zeit“

Kindertheater : „Es war meine glücklichste Zeit“

Vom Jugendclub auf die Bühnen der Republik: Im Überzwerg schnupperte Guido Wachter zum ersten Mal Bühnenluft.

Eigentlich passt es gerade gar nicht. Guido Wachter ist mitten im Umzugsstress. Von Bielefeld, wo der Schauspieler neun Jahre dem Ensemble des Stadttheaters angehörte, wechselt er jetzt zum Theater Regensburg. Erzählt er von seinen Erinnerungen ans Saarbrücker Theater Überzwerg, gerät er sofort ins Schwärmen und lässt die Kisten Kisten sein.

„Es war meine glücklichste Zeit, die bei den Überzwergen“, sagt der 47-Jährige. Warum? Weil dort mit einer großen Leidenschaft und Liebe gearbeitet werde. „Es ist ein völlig angstfreier Raum, der da geboten wird bei den Proben. Und es ist so eine Gemeinschaft da, wie eine Familie, man ist mit allen befreundet, das hab ich in der Form so nie wieder erlebt“, erzählt er weiter. Im Grunde war der gebürtige Münchner nur eine sehr kurze Zeit bei den Überzwergen, doch die war für sein Leben ganz entscheidend.

Nach Saarbrücken zog es den frankophilen Wachter Anfang der 90er Jahre wegen der Frankreichnähe, und um an der Uni Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Doch dann geriet er, wie er sagt, „wohl in die falschen Kreise“ und verbrachte die meiste Zeit beim Studententheater Thunis und seiner eigenen Theatergruppe, die er zusammen mit Christoph Dewes gegründet hatte. Dewes, der heutige Dramaturg der Überzwerge, war schon damals mit dem Kinder- und Jugendtheater verbandelt. Und so kam es, dass die Überzwerge, als ihnen 1994 ein wichtiger Akteur ausfiel, dem Betriebswirtschaftsstudenten Wachter, ein Engagement als „Gast-Eleve“ anboten.

Das Jahr mit den Profi-Schauspielern hielt ihn ganz schön auf Trab. „Ich habe allein über 100 Vorstellungen als Frederick, die Maus, gegeben und über 60 mit ‚Shakespeare‘s Greatest Hits’“, erinnert sich Wachter. In der Zeit besuchte er gemeinsam mit Frank Engelhardt und Frank Erhardt auch den Überzwerg-Jugendclub und bewarb sich – sein Berufsziel stand jetzt fest – auf Schauspielschulen. Aber ohne Erfolg. „Ich bin mindestens zehnmal gleich in der ersten Bewerbungsrunde rausgeflogen“, erinnert sich Wachter. Wäre Bob Ziegenbalg nicht gewesen, Wachter hätte aufgegeben. Doch der Überzwerg-Chef nahm ihn sich vor, studierte mit ihm Rollen und Szenen, sogar nachts um elf, nach den Proben. Und dann flutschte es auf Anhieb. Wachter erhielt einen Platz bei Detlef Jacobsen auf der Saarbrücker Schauspielschule.

Mit dem Schauspieldiplom in der Tasche nahm Wachter zunächst einige Gastengagements, unter anderm am Nationaltheater Mannheim und am Frankfurter Theater am Turm, an. Es folgten mehrjährige Festengagements, in Oldenburg und Linz, bevor er in Bielefeld landete, wo er in großen Rollen wie Fausts Mephisto und Othellos Jago zu sehen war.

Nach neun Jahren Bielefeld brauchte er mal wieder einen Wechsel. Auch nach Saarbrücken, sagt er, wäre er gern zurückgekehrt. „Ich habe dort sogar vorgesprochen, es war wie heimkommen, doch es hat leider nicht geklappt, es ist immer Glückssache“, erzählt er. Nun geht er nach Regensburg ans Theater. Der Regensburger Schauspieldirektor, Klaus Kusenberg war früher der Förderer der Saarbrücker Schausspielchefin Bettina Brunier. „Zum ersten Mal spiele ich jetzt in meiner bayerischen Heimat“, freut er sich. Auch seine Eltern seien begeistert, denn von München ist es nicht weit.

 In der Inszenierung „Istanbul“ am Theater Bielefeld spielte Guido Wachter den Gastarbeiter Klaus Gruber.
In der Inszenierung „Istanbul“ am Theater Bielefeld spielte Guido Wachter den Gastarbeiter Klaus Gruber.

Mit den Überzwergen, sagt Wachter, sei er immer noch verbunden. Mindestens einmal im Jahr müsse er hinfahren, um zu sehen, was sie machen. Deshalb ist es Ehrensache, dass er auch am Jubiläumsfest am 7. September teilnimmt.