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Erhardt und Sehmer baute Ende des 19. Jahrhunderts die größte Dampfmaschine der Welt

Eine Firma für Spektakuläres : Die damals größte Dampfmaschine der Welt

1876 gründeten Ludwig Ehrhardt und Theodor Sehmer eine Maschinen- und Turbinenbaufabrik, die wiederholt Spektakuläres leistete.

Als Ludwig Ehrhardt und Theodor Sehmer im Jahr 1876 beschlossen, gemeinsam eine Maschinen- und Turbinenbaufabrik zu gründen, hatten beide bereits als Ingenieure und Industrielle Erfahrungen gesammelt. Theodor Sehmer, 1847 in St. Johann geboren, war vorher Teilhaber der Maschinenfabrik Kautz & Westmeyer in St. Johann. Ludwig Ehrhardt, 1838 in Mutterstadt geboren, war 15 Jahre bei der Dinglerschen Maschinenfabrik in Zweibrücken tätig.

Dies ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum es ihnen gelang, die Maschinen- und Turbinenbaufabrik Ehrhardt & Sehmer mit bahnbrechenden Konstruktionen zu einer der bedeutendsten Firmen der Saargegend aufzubauen, deren Produkte nach ganz Europa verkauft wurden.

Die Anfänge waren erst mal bescheiden. Die Fabrik mit Gleisanschluss lag an der Schleifmühle, unterhalb des Rastpfuhls, nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt. 38 Mitarbeiter fertigten zu Beginn für die hiesige Montanindustrie Fördermaschinen und Pumpen. Mit Erfolg, denn die Maschinenfabrik wurde ständig vergrößert.

Im Jahr 1900 hatte man bereits 600 Mitarbeiter, im Jahr 1910 sogar fast 1000. Neben den Fördermaschinen wurden nun auch Walzenzug- und Dampfmaschinen, Gebläse und Kompressoren, sowie unterirdische Wasserhaltungsmaschinen gefertigt, ab 1900 sogar Großgasmaschinen, wie man sie heute noch aus der Gasgebläsehalle der Völklinger Hütte kennt.

Bei vielen dieser Maschinen handelte es ich um innovative Konstruktionen, man lieferte bis nach England, Frankreich, Belgien und Russland. Insbesondere der Einfallsreichtum von Ludwig Ehrhardt und später auch dessen Sohn Theodor, führten zu verbesserten Konstruktionen. Er entwickelte eine Walzenzugmaschine, die sogar nach ihm „Erhardtsche Drilling“ benannt wurde. Im Jahr 1900 konstruierte er eine schnelllaufende Pumpe, die man im gleichen Jahr auf der Weltausstellung in Paris zeigte und die den Grand Prix, sowie die goldene Denkmünze erhielt.

Während die Maschinenfabrik Ehrhardt & Sehmer im Jahr 1905 noch um eine Gießerei für den  Bau von Großgasmaschinen erweitert werden konnte, so dass man im gleichen Jahr die damals größte Dampfmaschine der Welt produzierte, liefen die finanziellen Geschäfte schlechter. So wurde im Jahr 1906 ein Verkauf des Werks notwendig.

Die Mannesmann-Röhrenwerke übernahm die Maschinenfabrik, Ludwig Ehrhardt verstarb ein Jahr vorher, Theodor Sehmer ein Jahr später. Die beiden Söhne, Theodor Ehrhardt und Eduard Sehmer, verblieben im Werk, das 1917 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Firma Ehrhardt & Sehmer führend auf dem Gebiet von Kolbenkompressoren für große Gasmengen, sodass die Beziehungen zur Hüttenindustrie immer enger wurden. Noch in den 1950er Jahren hatte die Firma Ehrhardt & Sehmer, die sich nun „E & S“ nennt, rund 1400 Mitarbeiter und weiterhin einen exzellenten Ruf. Auch, weil man ein guter Arbeitgeber war und im Jahr 1954 den „Sehmerschen Pott“ gegründet hatte, eine Altersversorgungskasse für die Angestellten der Firma.

Die Stahlkrise in den 1970er Jahren traf die Firma „E&S“ schwer. Bereits 1968 hat der Pumpenkonzern Klein, Schanzlin & Becker AG, KSB, alle Aktien übernommen, seither stand eine Liquidation der Maschinenfabrik im Raum, zumal die Verluste bis ins Jahr 1980 immer größer wurden. Während der Name „E & S“ nicht überlebte, wurde die  Kasse zur Altersversorgung von den Firmen-Nachfolgern bis ins Jahr 1987 weitergetragen, sodass sich die ehemaligen Mitarbeiter noch in den 1990er Jahren, bis zur Liquidation der Kasse, an dem „Sehmerschen Pott“ erfreuen konnten. Heute erinnert in Saarbrücken eine Villa an den Firmengründer Theodor Sehmer, deren Ruf ebenso über die Grenzen des Saarlandes hinausgeht, wie früher der Ruf der Maschinenfabrik auch.

Theodor Sehmer ließ sich in den Jahren 1880 bis 1882 wahrscheinlich von dem Saarbrücker Architekten Gustav Schmoll seine Villa in der Mainzer Straße 95 erbauen. Die strahlend weiße, dreigeschossige Villa mit Remise, Gartenpavillon, Wintergarten und Weinkeller wurde im spätklassizistischen Stil und auf annähernd quadratischem Grundriss  errichtet.

Sie beheimatet seit 2002 Klaus Erforts Restaurant Gästehaus Erfort, das zu den neun besten Restaurants Deutschlands gezählt wird. Ihr elegantes Äußeres samt großzügigem Park mitten in der Innenstadt zeugen noch heute von dem Industriellen Theodor Sehmer und seiner lange Zeit so erfolgreichen Maschinenfabrik.