Was wird aus ihrem Waldhaus?

Fast 50 Jahre haben Gertrud und Edwin Zimmermann die Gaststätte Waldhaus in Ensheim betrieben. Am 31. August endet diese Ära mit Wehmut. Die Wanderer können im Tal nun nirgends mehr einkehren.

Im Ensheimer Tal gibt es bald keine Ausflugsgaststätte mehr. Am 31. August werden Gertrud und Edwin Zimmermann das Lokal "Waldhaus" nach 47 Jahren schließen. Da der Sonnenhof, die zweite Gaststätte im Tal, schon geschlossen ist, haben Wanderer dann keine Möglichkeit mehr zur Einkehr. Das beliebte Naherholungsgebiet mit den Weiheranlagen des Angelsportvereins, dem Brunnenweg und den ausgedehnten Wäldern zwischen Ensheim , Heckendalheim und Bischmisheim muss der Wanderer dann ohne Gastronomie erleben.

Wirtsleute: Grenze ist erreicht

"Wir haben am 31. August keinen Grund zu feiern. Wir machen nicht gern zu, aber wir sind an unsere persönlichen Grenzen gestoßen", sagt die 79-jährige Köchin und Wirtin.

1967 hat die Ensheimerin mit ihrem heute 84-jährigen Mann, mit dem sie seit 58 Jahren verheiratet ist, das Lokal von der damaligen Gemeinde Ensheim gepachtet. Es war ein spartanisch eingerichtetes und 1900 gebautes Schlafhaus der Waldarbeiter und wurde von der Gemeinde nicht mehr gebraucht.

Es sollte als Hütte mit Gastronomie für die Wanderer dienen. Dabei hatte das Waldhaus zu der Zeit weder Strom-, Telefon- oder Wasseranschluss. "Das Wasser kam aus dem nahen Brunnen und musste mit Eimern ins Haus gebracht werden. Als Toilette diente ein Plumpsklo auf dem Berg", erzählt die Wirtin.

Ihr ganzes Leben war sie in der Gastronomie. Mit zehn Jahren arbeitete sie schon in der elterlichen Wirtschaft "Gasthaus Berg" in Ensheim . Das Gasthaus der Eltern existiert schon lange nicht mehr. Also übernahm sie das Waldhaus, um eine eigene Existenz zu sichern. Sie baute es in den 70er-Jahren aus. Die Gemeinde erlaubte trotz Landschaftsschutz den Anbau von Küchen-, Gast- und Toilettenräumen - und den Anschluss ans Strom- und Wassernetz. "Die Gaststube im alten Holzfällerhaus haben wir aber bis heute original erhalten", sagt Gertrud Zimmermann. Bilder an den Wänden erlauben Rückblicke. Die Jagdtrophäen sind aus Ensheim . Ebenso die ausgestellte Fundmunition aus dem Westwall-Teil hinter dem Haus.

Mal Flaute, mal Hochbetrieb

 Die Postkarten an der Wand erzählen viele alte Geschichten, zum Beispiel als Ensheim noch zum Kreis St. Ingbert gehörte.
Die Postkarten an der Wand erzählen viele alte Geschichten, zum Beispiel als Ensheim noch zum Kreis St. Ingbert gehörte.
 Hier gingen die Wanderer fast 50 Jahre ein und aus.
Hier gingen die Wanderer fast 50 Jahre ein und aus.

In den vergangenen Jahren hatten die Zimmermanns die Gaststätte mit ihrer Tochter Romy Laubsch und Schwiegersohn Ulrich weiterbetrieben. Doch sprechen gesundheitliche Gründe gegen die Fortsetzung. "Es ist nicht einfach. Ins Ensheimer Tal kommen bei Regen kaum Besucher, und bei schönem Wetter ist die Hölle los", sagt Ulrich Laubsch.

Das könne man schwer planen und ohne familiäre Hilfe nicht bewältigen. Die Schließung zum Monatsende sei unausweichlich, weil die nachfolgende Generation in der Familie kein Interesse am weiteren Betrieb habe.

Wie es weitergeht, ist offen. "Wir wollen erst einmal abwarten und das Ganze sacken lassen", sagt die Oma und hofft auf einen Sinneswandel bei den Enkeln. Oder auf einen Interessenten: "Wenn einer kommt, der das Waldhaus in unserem Sinne weiterführt, geben wir es ab", sagt sie. Voraussetzung sei aber, dass es ein Gasthaus für jedermann bleibt: "Wir wollen ein Lokal für Menschen mit Kindern und Menschen mit Hunden. Jeder soll bei uns willkommen sein", verdeutlicht sie die Philosophie. Und die soll sich nicht ändern. Die Familie wird die Außenanlagen so lange weiterpflegen - und abwarten.