| 17:39 Uhr

Diskussion um Schenker-Ansiedlung
Vier Grünen-Ortsverbände lehnen Spedition am Flughafen ab

Markus Tressel, Landesvorsitzender der Grünen.
Markus Tressel, Landesvorsitzender der Grünen. FOTO: Erik Marquardt
Ensheim. Unternehmen Schenker will von Güdingen nach Ensheim umziehen. Grünen-Landeschef Tressel schlägt als Alternative stillgelegte Güterbahnhöfe vor.

Die Grünen-Ortsverbände Saarbrücken-Halberg, St. Ingbert, Blieskastel und Mandelbachtal lehnen die Ansiedlung eines Lkw-Verteilzentrums am Ensheimer Flughafen ab.  „Bürgerinnen und Bürger vor Ort befürchten eine riesige Lkw-Welle auf den viel zu schmalen Zufahrtstraßen in ihren Ortsteilen und Wohngebieten. Die Belastungen für die Anwohner der L 108 insbesondere an der Heringsmühle haben die Grenze der Zumutbarkeit bereits jetzt überschritten“, erklären sie in einer Pressemitteilung. Nach der Verkehrsbelastung durch die Sperrung der Fechinger Talbrücke 2016 laufen dort Arbeiten für einen Verkehrskreisel. Nun solle die Belastung nochmal größer werden, wenn sich Schenker ansiedeln würde. Das Unternehmen will von Ensheim aus den gesamten südeuropäischen Raum abdecken. Der Stadtrat müsste der Ansiedlung aber zustimmen. Während einer Bürgerversammlung in der vergangenen Woche hatten zumindest CDU und Grüne aber signalisiert, dass sie dagegen stimmen wollen.


Der St. Ingberter Grünen-Vorsitzende Rainer Keller meint: „Die Verkehrssicherheit sowohl an der Heringsmühle als auch am Staffelanstieg von St. Ingbert zum Flughafen ist akut gefährdet. Auf der schmalen Landstraße müssen Lkw teilweise die Kurven bei Bergauf- und Bergab-Fahrten anschneiden.“ Gerade dort habe es immer wieder schwere Unfälle gegeben. Auch die Blieskasteler Grünen sind mit den Schenker-Plänen nicht einverstanden: „Bereits heute sind mehrere Orte in unserer Stadt unnötig durch den Schwerlastverkehr belastet, denn immer mehr Transit-Lkw nutzen die Landstraßen zwischen Saarbrücken und Neunkirchen bzw. Zweibrücken, um sich die Autobahn-Maut zu sparen.“ Deshalb wollen sich die Grünen  dafür einsetzen, dass die betroffenen Straßen in Blieskastel nach Möglichkeit für den Transit-Schwerverkehr gesperrt werden und Lkw über 7,5 Tonnen nur noch als Anlieger die Straßen benutzen dürfen, sagt Lisa Becker, Vorsitzende der Blieskasteler Grünen.  Das Mandelbachtaler Vorstandsmitglied Daniel Wannemacher meint, der Standort am Rand der Biosphäre und zwischen Schutzgebieten sei für eine Spedition ungeeignet.

Nach Auffassung aller vier Ortsverbände gibt es viele gute Gründe, einen sichereren Standort für die Großspedition zu suchen. Es müsse darum gehen, den Schwerlastverkehr von der Biosphäre fernzuhalten. Daher unterstützen sie das Engagement der Bürgerinitiative vor Ort. Die Grünen wollen bei der Suche nach einem anderen Standort in der Region Saarbrücken mitarbeiten, denn auch der Erhalt der Arbeitsplätze sei wichtig.



Als Konsequenz aus der Debatte um die mögliche Schenker-Ansiedlung hat sich Markus Tressel, Landesvorsitzender der Grünen, dafür ausgesprochen, „Logistikansiedlungen“ landesweit zu steuern. Er fordert die Landesregierung auf, einen entsprechenden Plan zu entwickeln. Es müsse untersucht werden, wo Logistikansiedlungen unter den Gesichtspunkten Verkehr und Umweltschutz möglich sind.

„Das Saarland ist als Brücke zu Frankreich bei Logistikunternehmen sehr beliebt, wie derzeit die Debatte um die Ansiedlung von Schenker deutlich zeigt.“ Jedoch seien oft die Straßen gar nicht für den Schwerlastverkehr ausgelegt und es drohe eine große Belastung für die Bürger. Tressel mahnt: „Es darf keine Kirchturmpolitik zu Lasten von Anwohnern und Umwelt geben, gerade weil Logistiker regelmäßig noch nicht mal gewerbesteuerrelevant sind.“ Der Grünen-Politiker meint: „Die vielen stillgelegten Güterbahnhöfe im Saarland könnten sich für Schenker als bahneigenes Unternehmen anbieten. Gerade eine Kombination mit der Schiene kann nicht nur Mensch und Umwelt, sondern auch die Straßeninfrastruktur schonen.“ Klar sei, dass Logistik nur an der Autobahn, der Schiene und an Wasserwegen möglich sein könne. „Alles andere kommt einem Schildbürgerstreich gleich.“