Vielfalt auf der grünen Wiese

Auf 15,5 Hektar hat die Naturlandstiftung Saar in Ensheim eine Streuobstwiese angelegt. Alte Kern- und Steinobstsorten werden hier gepflegt, die sonst wohl in Vergessenheit geraten würden.

Das Grasblümchen und die Pfälzer Schafsnase sind nur zwei von über 250 verschiedenen Kern- und Steinobst-Sorten, die im Saarland gepflegt und erhalten werden sollen. Die beiden alten Apfelsorten wachsen und gedeihen in einem Arboretum, also einer Obstsorten-Erhaltungsanlage, die die Naturlandstiftung Saar (NLS) zusammen mit dem Tochterunternehmen Naturland-Ökoflächen-Management GmbH (ÖFM) direkt am Ensheimer Flughafen geschaffen hat.

Trotz des etwas sperrigen deutschen Namens, der schon beinahe eine Fabrik erwarten lässt, handelt es sich hier um eine rund 15,5 Hektar große Streuobstwiese. Mit dem Anlegen der Wiese 2006 hat die ÖFM Ökopunkte generiert, die dann etwa in den Ausbau der Saarbahn nach Lebach geflossen sind, erklärt Dr. Axel Didion von der NLS. Denn seit 1998 ist es im Saarland möglich, dass Dritte Naturschutzmaßnahmen umsetzen, die bei Baumaßnahmen anderer, die Eingriffe in die Natur verursachen, als Kompensationsmaßnahme dienen. Hierfür können die Ökopunkte an den jeweiligen Bauherrn, hier die Saarbahn, verkauft werden. Mit dem so gewonnenen Geld finanziert die Stiftung im Anschluss den Erhalt ihrer Projekte sowie neue Maßnahmen. Die Pflege der Wiese wird von Bauern übernommen, denn ein solches Projekt muss im Anschluss 30 Jahre weitergeführt werden.

"Die Bäume fangen mittlerweile recht gut an zu tragen", sagt Didion. Das Obst geht dann an Privatinteressenten oder auch an den örtlichen Obst- und Gartenbauverein, der daraus Saft presst oder auch Schnaps brennt, weiß Didion zu berichten.

Und während die Bäume oben ihre Früchte tragen, hat sich am Boden eine artenreiche Wiese mit zahlreichen Blumen entwickelt. "Eine solche Wiese ist typisch für den Bliesgau. 20 bis 30 verschiedene Arten wachsen hier mittlerweile", sagt Didion und erklärt, dass das auch daran liegt, dass die Wiese nur zweimal im Jahr zurückgeschnitten wird. Und das erst, wenn die Blumen ihre Samen abgegeben haben. "Nicht nur die Blumen profitieren davon, auch am Boden brütende Vögel finden hier ein Zuhause", erklärt der Biologe. Daneben locken die Blüten natürlich auch Insekten an, die dann ihrerseits Fledermaus, Vogel und Co. als Nahrungsquelle dienen. Didion: "Im Grunde geht es darum, die Artenvielfalt und damit unser saarländisches Naturerbe zu erhalten."

Die Naturlandstiftung Saar ist eine gemeinnützige private Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie ist die älteste Naturschutzstiftung Deutschlands und wurde 1976 gegründet. Seitdem kauft sie Flächen auf und will ein Netz aus Schutzgebieten knüpfen, um den Artenreichtum und die Lebensräume von Pflanzen und Tieren im Saarland für nachfolgende Generationen zu sichern.