Vereinswissen lässt Ensheim aufblühen

Gesundes Essen aus eigenem Anbau, das prima schmeckt, ist vielen Menschen wichtig. Für den Obst- und Gartenbauverein Ensheim ist Naturverbundenheit seit 110 Jahren Vereinsalltag. Und gute Ernten sind der Lohn.

Bodenständig und tief in der Bevölkerung verwurzelt: Mit diesen Eigenschaften ist der Obst- und Gartenbauverein Ensheim seit 110 Jahren erfolgreich. Und es sind Tugenden, die der aktuelle Vorsitzende Lothar Nagel immer wieder vorlebt - auch und gerade, wenn die lokale Politprominenz das Vereinsgelände an der Heimelstraße besucht, um zum Vereinsgeburtstag zu gratulieren.

Umweltminister Reinhold Jost , Regionalverbandsdirektor Peter Gillo , beide wie Nagel Sozialdemokraten, und der christdemokratische Bezirksbürgermeister Daniel Bollig bekommen zunächst eine exklusive Führung durch die Vereinsanlage. Unterdessen spielt der Musikverein Arion passend zum Anlass "Happy together". Nachdem die Politiker alles gesehen haben, weist ihnen der Vereinschef geradeheraus ihren Platz zu. "Einen Promi-Tisch gibt es bei uns nicht. Setzt Euch mitten unter die Leute, die Euch gewählt haben."

Mit einer Wahl begann vor elf Jahrzehnten die Geschichte des organisierten Obst- und Gartenbaus in Ensheim . Am 5. August 1905 gründeten naturverbundene Dorfbewohner um den Gärtnermeister Karl Gassner, den sie zum Vorsitzenden machten, den Verein. Es waren Jahre des Probierens und Entdeckens. Damals ging es darum, neue Obstsorten anzubauen und den Gemüseanbau zu verbessern. Schon bald unterrichteten Fachleute die Mitglieder darin, Obstbäume richtig zu schneiden und zu veredeln. Diese Kurse sind bis heute gut besucht. Damals war die Veredelung der Bäume von weit größerer Bedeutung als heute. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein Großteil der Bäume als Wildlinge gepflanzt.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit brachten einen tiefen Einschnitt. Das Vereinsleben ruhte von 1944 bis 1947. Friedrich Feibel war nach der Wiedergründung im Januar 1948 der erste Vorsitzende der Nachkriegszeit. Schon 1950 brachten die Gärten der Mitglieder so gute Ernten, dass der Bau einer Brennerei- und Mosterei im Heimel sich lohnte. Heute hat die Brennerei einen Fassraum von 80 000 Litern. Die Ensheimer Säfte und Schnäpse aus Vereinsherstellung sind im ganzen Saarland sehr beliebt. Seit 1985 besitzen die Obst- und Gartenbauer einen 3600 Quadratmeter großen Lehrgarten an der Ludwigstraße. Darin gedeihen 85 Obstbäume und verschiedene Beerensträucher.

Lange Zeit führte Arnold Hinschberger den Verein, ehe Nagel 2010 das Amt übernahm. Er will die Freude an der Gartenarbeit wie die übrigen Mitglieder an kommende Generationen weitergeben. Die Grundschüler des Ortes besuchen den Obst- und Gartenbauverein immer wieder und nach einem spannenden Tag im Lehrgarten bedanken sich die Kinder gern mit Erinnerungsfotos bei den gastfreundlichen Kleingärtnern. Sehr zur Freude von Nagel und seinen Mitstreitern.

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Auf einen BlickZu Ehrenmitgliedern ernannt hat der Obst- und Gartenbauverein Ensheim beim 110. Geburtstag Anton Hager, Adolf Zimmermann, Hans Kehl und Margareta Hertel wegen ihrer in vielen Jahren erworbenen Verdienste. al

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