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Je prachtvoller der Hut der „Aldi“, desto größer ist das Ansehen

Je prachtvoller der Hut der „Aldi“, desto größer ist das Ansehen

Ensheim ist nicht nur vom Dialekt her eine alemannische Sprachinsel. Am Wochenende zogen wieder rund 300 als alte Weiber verkleidete Karnevalisten durch den Saarbrücker Stadtteil und pflegten alemannisches Brauchtum.

Einem alten alemannischen Brauch folgend, zogen rund 300 als alte Weiber verkleidete Fastnachter aus Ensheim durch den Flughafen-Stadtteil, um dort ihr neckisches Unwesen zu treiben. "Aldis" nennt sich diese Truppe und diese Ableitung aus "altes Weib" lässt sich auch im Saarländischen nachvollziehen. Alemannische Bräuche in Ensheim ? Das kommt nicht von ungefähr und ist schon an der besonderen Sprache der Ensemmer zu erkennen. Christian Quirin, der Vorsitzende der Ensheimer "Aldis" erklärt: "Ensheim ist vom Dialekt her eine alemannische Sprachinsel." Klar, dass mit dem Dialekt auch alemannische Bräuche in den Saarbrücker Stadtteil gefunden haben, der sich gerne zu seiner bayerischen Vergangenheit bekennt. Quirin weiter: "Im badischen Offenburg kennt jeder die Figur ,die Alde', im Baseler Raum heißt sie ,alde Tante', und bei uns ist es eben die ,Aldi', die ihr Unwesen treibt." Kenner unterscheiden zwei Unterarten. "Die Wuscht", die sich wüst und grausig darstellt, die Figur bevorzugen die Männer, die sich als "Aldi" verkleiden. Und "die Härsch", die sich vornehm, grazil und damenhaft gibt - und deshalb von den Damen bevorzugt wird. Schürzen, Röcke, Blusen und Stolas nutzen die "Aldis" zum Verkleiden, aber auch "Arschkissen" und "Brüschde". Wichtigstes Utensil ist aber "De Hutt", der Hut, den Quirin als Aushängeschild einer "Aldi" bezeichnet: "Je fantasievoller und größer de Hutt, desto größer ist das Ansehen des Trägers - also ähnlich wie bei den Platzhirschen im Wald."