Das Ende der Trauerkultur?

Früher sind die meisten Menschen in einem Sarg bestattet worden. Inzwischen werden drei Viertel aller Menschen, die in Saarbrücken bestattet werden, in Urnen beigesetzt. Deshalb brauche man auch weniger Kühlzellen, sagt die Stadtverwaltung. Die Christdemokraten im Bezirksrat Halberg widersprechen.

Die Lage ist ernst, findet die CDU-Bezirksverordnete Iris Scherer-Wunn aus Ensheim. Die Saarbrücker Stadtverwaltung "missachtet die Trauerkultur ", sagt sie. Einen kleinen Scherz verträgt das Thema "Kühlzellen auf dem Ensheimer Friedhof" dann aber doch. Dass es im Bezirksrat Halberg bei der Diskussion über die Vorlage des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe "alles andere als kühl" zuging, dafür habe die CDU-Bezirksverordnete aus Ensheim gesorgt, schreibt ihre Partei.

Die Stadtverwaltung will darauf verzichten, die in die Jahre gekommen Kühlkammern in Ensheim zu erneuern. Rund 60 000 Euro koste so eine Kammer, sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Dazu kommen "laufende Kosten in noch nicht bekannter Höhe, unter anderem für Energie, Wartung, Reinigung und Instandsetzung", teilte er gestern auf Anfrage mit. In Ensheim habe es zuletzt aber nur acht bis zehn Körperbestattungen im Jahr gegeben. Außerdem weist Blug darauf hin, dass die Friedhöfe Ensheim und Güdingen-neu, wo es die Kühlmöglichkeit gibt, nur 6,5 Kilometer voneinander entfernt liegen.

Blug: "Daher empfiehlt die Verwaltung im Rahmen der Generalsanierung der Einsegnungshalle Ensheim, auf die Planung von Kühlzellen und Abschiedsräumen zu verzichten."

"Es geht hier nicht nur um irgendwelche Zahlen, sondern um eine Form der Menschlichkeit und der Möglichkeit eines würdevollen Abschieds von einem Verstorbenen", hält Iris Scherer-Wunn dagegen. Für "manch fragwürdiges Projekt" habe die Stadt Geld, wenn es aber "ausgerechnet um wesentliche Dinge unserer Trauerkultur geht, sollen auf einmal kostenrechtliche Aspekte überwiegen", kritisiert sie. Dass die Kühlzellen in Güdingen auch von Ensheimern genutzt werden sollen, bedeute, "dass die Mehrkosten für den Transport des Verstorbenen von dem Friedhof der Aufbahrung bis zur letzten Ruhestätte komplett bei den Angehörigen hängen bleiben würden". "Gerade für ältere Menschen" sei die Entfernung außerdem "ein zusätzliches Erschwernis".

Diese "Form des Abschiednehmens" habe auch "etwas mit unserer christlichen Trauerkultur zu tun". Diese Kultur gelte es "vor Ort zu bewahren". Man müsse ja keine drei Kühlzellen wie bisher bauen, eine reiche, sagt die CDU . "Es kann doch nicht angehen, dass wir im Respekt und bei der Trauer um unsere Toten nur an die Kosten denken. Hier ist dem Wunsch der Bevölkerung nach einer angemessenen Trauerkultur Rechnung zu tragen", fordert Iris Scherer-Wunn.

Die Wünsche der Bevölkerung haben sich geändert, sagt Blug. Vor 20 Jahren wurden im Jahr 2127 Menschen in Saabrücken bestattet, nun seien es 1880. Davon werden nur noch 25 Prozent im Sarg bestattet, 75 Prozent in einer Urne. Für sie werden keine Kühlkammern gebraucht. Bis 2030 werde die Zahl der Urnenbestattungen auf 85 Prozent ansteigen. Eine Anfrage bei den drei ansässigen Bestattungsinstituten habe ergeben, dass diese "am häufigsten die Kühlzellen des Friedhofs Güdingen-neu nutzen". Blug: "Der Plan, auf dem Friedhof Ensheim keine Kühlzellen mehr vorzuhalten, passt sich dieser Entwicklung an."