Theater : Die „Unverhofften“ begeistern in Malstatt

Melitta Bach, Daniela Kunzen und Daniel Krüger beschäftigen sich in ihrem Bühnenprogramm mit Körpermerkmalen.

Verkehrte Welt: Die Nase läuft, die Füße riechen, und im Sitzen ist bekanntlich schlecht liegen. Mit derlei anatomischen Paradoxien beschäftigte sich am Freitag das „Ensemble Unverhofft“ bei der Premiere seines Programms „Body Talk“ in der Breite 63. Hatten die beiden Frontfrauen Melitta Bach und Daniela Kunzen (Moderation, Gesang) und Pianist Daniel Krüger bislang mehr oder weniger ihr erstes Repertoire umgestrickt und erweitert, präsentierten sie nun ein völlig neues Musikkabarett. Und darin werden rund um die Fragen „Was kann mein Körper (oder auch nicht)?“ und „Was will mein Körper mir sagen?“ einzelne Körperteile und Organe ins Rampenlicht gezerrt. Erfreulicherweise reiten die dreisten Drei dabei so gut wie gar nicht auf „Optischen Enttäuschungen“ im Sinne kosmetischer Defizite herum: „Schönheits-Chirurgie ist unnütze Höflichkeit dem Gegenüber gegenüber“, meinen sie lakonisch. Und wenn‘s dann doch mal um Äußerlichkeiten geht, dann aus ratloser männlicher Sicht: „Soll ich mir den Sack rasieren oder besser nicht?“ heißt eins der zahlreichen Lieder, die wahlweise für Lacher oder Ergriffenheit sorgten, vom zynischen Georg-Kreisler-Couplet über dramatisches Chanson bis zu ironischem Pop von Gruppen wie „Die Prinzen“, „Eure Mütter“ oder „basta“. Aber in erster Linie widmen sich die Unverhofften physischen Phänomenen, die sie mit wissenschaftlichen Fakten untermauern. Da dreht sich’s etwa um Tücken der Wahrnehmung: Das berühmte Kribbeln im Bauch kann ja vieles bedeuten – Verliebtsein, Hunger oder eine Magenverstimmung. Oder um olfaktorische Überempfindlichkeiten, Drogen-Experimente am eigenen Leib, geschlechtsneutrale Beschwerden des Alters oder um die Wirkung von Liebeskummer, Hormonen und medikamentösen kleinen Helferlein. Oder darum, dass eine(r) „Alles mit’m Mund“ macht – Lob der Frechheit. Dazu schlüpfen Bach und Kunzen in wechselnde Garderobe, und der stets beredt dreinblickende Krüger darf gelegentlich auch mal was sagen oder singen. Freilich verhinderte ein heftig glühendes Premierenfieber, dass der (allzu) lange, szenisch untermalte Abend wirklich rundlief: Verhaspler, Hänger und verzweifelte Blicke aufs der Bühnenpräsenz nicht eben förderliche Textpult sorgten für eher unfreiwillige Komik. Aber wie heißt es so tröstlich im Theater: Ist das Ding endlich raus, darf es sich vor Publikum entwickeln.

Wieder: 27. September, 19.30 Uhr, Schwanenkönig; 22. November, 19.30 Uhr, Passage Kinos, Infos, Termine: www.unverhofft.net

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