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Ene Mene Mix: Mit Kultur gegen den Müll
Mit Kultur gegen den weltweiten Müll

Marion Ritz-Valentin von „Ene Mene Mix“ bei der Veranstaltung „Klamauk unterm Schirm“ in Völklingen.
Marion Ritz-Valentin von „Ene Mene Mix“ bei der Veranstaltung „Klamauk unterm Schirm“ in Völklingen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Musiker von „Ene Mene Mix“ greifen in ihren Musicals für Kinder aktuelle Themen auf und beleuchten sie kritisch. Von Isabell Nina Schirra

„Mit Kinder-Musik verdient man nicht das große Geld“, sagt Marion Ritz-Valentin. Trotzdem machen sie und ihre Kollegen von der Kinderband „Ene Mene Mix“ seit fast 25 Jahren gemeinsam Musik für Kinder. Warum? „Weil es Spaß macht“, sagt sie. Ritz-Valentin ist nicht nur Gründungsmitglied von „Ene Mene Mix“, sondern auch so etwas wie die Frontfrau der Band. Sie schreibt die Texte, komponiert die Musicals, singt und spielt Gitarre. Auch Organisation und Pressearbeit liegen in ihrer Hand. Das liegt ihr irgendwie, schließlich hat sie mal Volkswirtschaft studiert. Außerdem machen ihr „öffentlichkeitswirksame Aktionen Spaß“.


Ritz-Valentin ist das einzige Bandmitglied, das Kinder hat. Doch natürlich sind die anderen Bandmitglieder, die allesamt professionelle Musiker sind, „dem Kinderthema zugetan“, wie Ritz-Valentin sagt. Da gibt es Achim P. Schneider, Musiker mit Engagement am Saarländischen Staatstheater, der Bass spielt. Gunni Mahling, bekannter Musiker aus der saarländischen Szene, ist für Keyboard, Schlagzeug und Chor verantwortlich. Theatermeister Sandy Sandmeier ist ebenfalls zuständig für Schlagzeug und Chor. Und auch Jochen Schneider, bekannt aus der Band „Schaafa Sämpf“, und Patrik Weber sind mit im Boot.

Je nach Programm wechselt die Besetzung, doch die Truppe ist ein eingespieltes Team. „Wenn man sich ewig kennt, entwickelt man einfach ein Gefühl füreinander“, sagt Ritz-Valentin.



In einem Punkt unterscheidet sich „Ene Mene Mix“ von vielen anderen Kinderunterhaltern. „Viele performen mit Playback“, erklärt die Front-Frau. Bei „Ene Mene Mix“ hingegen ist alle Musik live. Einerseits gibt es da den Qualitätsaspekt, andererseits sollen die Kinder die Instrumente sehen. „Für die Kinder ist es ein ganz anderes Erlebnis“, da ist sich Marion Ritz-Valentin sicher. Außerdem müssen die Kinder immer wieder kleine Rollen in den Musicals übernehmen, „sie sollen nicht nur Konsument sein“, so Ritz-Valentin. Doch auch inhaltlich haben die sieben Mitmach-Musicals von „Ene Mene Mix“ einiges zu bieten: Sie behandeln fast immer aktuelle, oft auch kritische Gesellschaftsthemen und erlauben so eine kindgerechte Auseinandersetzung mit der Welt.

So geht es beim Indianerstück „Kleine Feder, großer Stern“ um ein Leben im Einklang mit der Natur, bei „Kinderaufstand“ um Ausländerfeindlichkeit und bei „Käpt’n Robby und die Kartoffelsalat-Piraten“ um das Thema Umwelt.

Obwohl Umweltverschmutzung und vor allem die Verschmutzung der Meere hochaktuell sind, gibt es „Käpt’n Robby und die Kartoffelsalat-Piraten“ schon länger. „Die Verschmutzung der Meere ist seit 20 Jahren ein großes Problem“, sagt Ritz-Valentin. Heute ist es Plastik, das eine regelrechte Umweltkrise auslöst, früher waren es Abwasser und Schadstoffe von Schiffen. Als Ergänzung zu ihrem Umwelt-Musical hat „Ene Mene Mix“ jetzt eine multimediale Ausstellung unter dem Titel „#meermuell“ entworfen.

Auslöser war Marion Ritz-Valentins Sizilienurlaub im September 2017. In der Nebensaison wurde sie dort von einer regelrechten „Welle von Müll“ überrascht. „Das hat mir schließlich den Urlaub vermiest“, sagt sie. Damit nicht nur Betroffenheit übrig bleibt, ließ sie sich etwas einfallen: Sie arrangierte die Müll-Fundstücke am Strand zu kleinen Kunstwerken.

Als schließlich Einheimische von diesen Müll-Kunstwerken Fotos machten, fiel bei Marion Ritz-Valentin die Entscheidung, eine Ausstellung daraus zu machen.

Mit einem Zuschuss vom Saarbrücker Referat Kinder in der Stadt (KidS) wurde eine Ausstellung aus zwölf Bannern, sogenannten Roll-ups, konzipiert, die Aufnahmen der Müll-Kunstwerke zeigen. Premiere hatte die Ausstellung bereits beim Altstadtfest. Doch auch mit der Ausstellung stand Ritz-Valentin vor einem Nachhaltigkeitsproblem: Zwölf Banner für eine einzige Ausstellung produzieren zu lassen wäre Verschwendung.

Daher sind die Roll-ups gegen eine Gebühr zu verleihen. Marion Ritz-Valentin wünscht sich, dass sich auch jemand traut, dieses Angebot wahrzunehmen. „Ich glaube fest an die Kraft der Kinder“, sagt sie.

Damit die Wirkung der Ausstellung nicht sofort wieder verpufft, sondern ein Ansporn zurückbleibt, etwas gegen den Müll zu tun, hat Ritz-Valentin sich einen weiteren Clou ausgedacht. „Fast alle Kinder konnten immer von Müll im Urlaub erzählen, und sie machen sich Gedanken über die Tiere, während wir Erwachsenen nur an uns selbst denken“, erzählt sie. Also lädt sie die Kinder ein, im Urlaub Müll-Kunstwerke zu erschaffen und unter dem Hashtag #meermuell in den sozialen Medien zu teilen. „Es ist kein Riesending, Müll zu fotografieren“, findet Ritz-Valentin.