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Einraum 2.0 ist eine Bar für „Gays, Lesbians and Friends“ in Saarbrücken

Szene-Kneipe : Einraum für Familie, Freunde und Fremde

Einraum 2.0 ist eine der wichtigsten Bars für Schwule, Lesben und Freunde in Saarbrücken. Stammkunden schätzen die familiäre Atmosphäre.

Wer zum ersten Mal die Bar „Einraum 2.0“ in der Mainzer Straße betritt, hat wohl zunächst das Gefühl, in eine Familienfeier zu platzen. Für einen kurzen Moment pausiert das allgegenwärtige Gemurmel und alle Köpfe drehen sich zur Tür. Schwer ist das nicht gerade, denn tatsächlich besteht die Bar nur aus einem einzigen Raum. Doch das verbindende Moment sind hier nicht die gemeinsamen Vorfahren, sondern die gleiche Gesinnung. Das „Einraum 2.0“ ist eine Bar mit „Homo-Konzept“, wie es Geschäftsleiterin Jenny Kuhl nennt. Willkommen ist aber jeder. Für Stammgast Daniel W. ist das „Einraum 2.0“ sogar so „ziemlich die letzte übrig gebliebene Bar, die wirklich das Motto ‚Gays, Lesbians and Friends‘ vertritt“. Hier finde sich ein gänzlich durchmischtes Publikum, von hetero- über bi- und homo-, bis transsexuell. Wer als Fremder kommt, geht meist als Freund. „Neue Leute werden hier nicht ausgegrenzt“, betont Kuhl. Das sieht auch Stammgast Mirko B. so: „Auch wenn du allein bist, dort bist du es mit Sicherheit niemals.“

Dass sich Menschen verschiedenster sexueller Orientierung einfach so die Klinke in die Hand geben, war nicht immer so. „Früher konnte man nirgends hin, außer in die Szene“, erklärt Kuhl. Heute können sich Homo-, Bi- und Transsexuelle in denselben Kneipen und Bars wie Heterosexuelle bewegen. Obwohl diese hart erkämpfte Toleranz die Lebensbedingungen der Betroffenen enorm verbessert hat, war diese Entwicklung für „die große Community an Szene-Lokalen nachteilig“, erklärt Kuhl. Von den zehn, vielleicht sogar zwölf Szene-Lokalen, die es in Saarbrücken einmal gab, sind nur wenige geblieben.

Um die Bar trotzdem interessant zu halten, wollte man dem Publikum mehr bieten. Als Kuhls langjährige Geschäftspartnerin voriges Jahr ausschied, Alf Göritz den Laden übernahm und Kuhl schließlich Geschäftsleiterin wurde, entschied man sich für ein erweitertes Konzept. Aus dem alten „Einraum“ wurde das „Einraum 2.0“. Neben dem normalen Betrieb von Donnerstag bis Samstag gibt es monatlich Motto-Partys, Feierabend-Partys vor Feiertagen und Cocktail-Abende mit vergünstigten Preisen zum Monatsende. Das sei ihr besonders wichtig, sagt Kuhl, schließlich ist „gegen Ende des Monats bei jedem der Geldbeutel leerer“. Die Einraum-Community betrachtet sie nicht nur als Kundschaft, sondern vor allem auch als Familie. Gast Daniel W. findet: „Egal wen und was du liebst – an dieser Theke geht es um Freundschaft, um Zusammenhalt, gemeinsam tolle Nächte erleben und Erinnerungen schaffen.“

Der neue Slogan „Einraum 2.0 – Dein Leben, deine Bar, dein Lifestyle“, der schon von weitem auf dem großen Transparent zu sehen ist, soll nicht bloß leere Phrase bleiben, sondern gelebt werden. Die vielen Postkarten und Bierdeckel an der Wand, die die Stammgäste von ihren Reisen mitbringen, zeugen davon. Das „Einraum 2.0“ ist ihr zweites Zuhause, das Zuhause einer Community. Doch nicht nur die familiäre Atmosphäre macht Szene-Kneipen unverzichtbar: „Einerseits sollte man seinen Ursprung trotz der hart erkämpften Toleranz nicht vergessen“, sagt Jenny Kuhl. Zudem müsse sich hier niemand verstellen – egal „wie schwul“, egal „welcher Fetisch“. Dass allabendlich ein älterer Mann lautstark seinen Ekel vor dem „Einraum 2.0“ kundtut, zeigt außerdem, dass die Toleranz noch nicht in allen Ecken der Gesellschaft angekommen ist.

Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben gezeigt, dass sich die Community mehr Partys in Clubs wünscht. Ein Wunsch, dem nachgekommen wird: Ab September werden sie unter dem Namen „Karma-Sutra“ eine Homo-Partyreihe im Studio 30 anbieten. Die erste Party findet am 28. September statt. Am 18. August veranstaltet das Team außerdem ein Community-Fest im Biergarten des Haus Brück. Unter anderem wird dort die ikonische Bulli-Front, die einst die Wand des „Einraum“ schmückte, versteigert. Die Erlöse des Festes gehen an die Aids-Hilfe Saar. Zusammenhalt wird hier ganz groß geschrieben.