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| 20:30 Uhr

Einzelhandel
Einkaufen auf dem Land ist schwierig

Zur Diskussion über den Einzelhandel hatte der Regionalverband die Bürgermeister, unter anderem (von links) Rolf Schultheis aus Friedrichsthal, Martin Speicher aus Püttlingen und Jörg Dreistadt aus Großrosseln eingeladen.
Zur Diskussion über den Einzelhandel hatte der Regionalverband die Bürgermeister, unter anderem (von links) Rolf Schultheis aus Friedrichsthal, Martin Speicher aus Püttlingen und Jörg Dreistadt aus Großrosseln eingeladen. FOTO: Heiko Lehmann
Saarbrücken. Der Regionalverband hat am Montag eine Untersuchung zur Entwicklung des Einzelhandels in der Region vorgestellt. Von Heiko Lehmann

Lebensmittel-Geschäfte auf dem Land gibt es nicht mehr. Zwischen den rostigen Bahngleisen wächst schon das Unkraut wild durcheinander. Der Speckgürtel um die Städte herum wird dagegen immer größer. Leander Wappler, der Leiter Handel, Tourismus und Stadtentwicklung der Industrie- und Handelskammer Saarland (IHK) beschrieb am Montagabend im VHS-Zentrum am Saarbrücker Schloss ein Horrorszenario für das Jahr 2030.

Allerdings sind wir davon gar nicht mehr so weit entfernt. „Das Ungleichgewicht der Bevölkerungsentwicklung zwischen Stadt und Land wird immer größer. Nach Prognosen werden der Osten Deutschlands und das Saarland hier zu den Verlierern zählen“, sagte Wappler und fügte hinzu: „Nach Meinung der Handelsexperten werden bereits bis zum Jahr 2020 rund 50 000 Geschäfte in Deutschland dichtmachen müssen.“ Einen Grund sieht er in den übermächtigen Spielführern des Marktes. „Amazon Fresh bringt in Großstädten Lebensmittel bereits bis vor die Haustür. Aldi baut in Berlin Wohnhäuser und Wohnungen. Die Entwicklung hat längst angefangen“, sagte Leander Wappler.

Der Regionalverband Saarbrücken hatte am Montagabend Vertreter aus Kommunen und der Wirtschaft eingeladen, um eine in Auftrag gegebene Untersuchung zur Zentren- und Einzelhandelsentwicklung im Regionalverband vorzustellen. Zuständig für die Untersuchung, die nach Mitteilung des Regionalverbandes 37 000 Euro gekostet hat, ist die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Köln. Fast alle Städte und Gemeinden seien, was den Lebensmittelbedarf betrifft, sehr gut ausgestattet.

„Was den mittel- und langfristigen Bedarf angeht, wie beispielsweise Möbelhäuser oder Baumärkte, gibt es in den Gemeinden so gut wie nichts mehr. Das konzentriert sich alles in Stadtnähe“, erklärte Monika Kollmar von der GMA, die im Gegensatz zu Leander Wappler einen Rückwärtstrend hin zur Ortsmitte sieht. GMA hat an 33 Standorten im Regionalverband 2000 Menschen interviewt – mit dem Ergebnis, dass überall 50 Prozent der Befragten die Nähe zur Wohnung als Hauptgrund für die Geschäfteauswahl angaben, gefolgt von der Größe des Sortimentes, der Autoerreichbarkeit und des Preises. Für viele der anwesenden Bürgermeister waren die Erkenntnisse der Untersuchung nichts Neues und vielmehr eine Bestätigung der Erfahrungswerte.

Andrea Chlench vom Innenministerium sagte genau wie Regionalverbandsdirektor Peter Gillo, dass die wichtigste Aufgabe die Stabilisierung der Ortszentren sein müsse. Rolf Schultheiß, der Bürgermeister von Friedrichsthal, meinte: „Wir haben überhaupt keine Flächen, um irgendetwas neu ansiedeln zu können. Bei uns im Ort steht seit Längerem ein ehemaliges Supermarktgebäude mit 300 Quadratmeter Größe leer. Da möchte sich kein anderer Supermarkt niederlassen“, sagte Schultheiß. Chlench entgegnete, dass man dem Druck der Marktführer nicht so einfach nachgeben sollte. „Wir haben doch mit Lidl und Aldi gesprochen, die Marktfläche ist einfach zu klein und Parkplätze gibt es auch nicht ausreichend“, entgegnete Schultheiß. Jörg Dreistadt, Bürgermeister der Gemeinde Großrosseln, kennt noch weitere Probleme. „Wir könnten vielleicht durch den Abriss von alten Gebäuden eine Fläche schaffen, die für einen Supermarkt interessant wäre, aber den Abriss bekommen wir finanziell gar nicht genehmigt, da kein Geld da ist. Wir bekommen noch nicht einmal 30 000 Euro für eine öffentliche Toi­lette genehmigt“, sagte Dreistadt.

In Püttlingen gibt es große Flächen in Gebäuden, aber: „Die Besitzer wollen so enorme Mieteinnahmen erzielen, dass sich kleinere Unternehmen die gar nicht leisten können. Wir versuchen als Stadt, diese Mieten im ersten Jahr mit 50 Prozent zu unterstützen“, sagte Martin Speicher, der Bürgermeister von Püttlingen.

In der Gemeinde Kleinblittersdorf sind bereits viele Geschäfte aus dem Ortszentrum verschwunden. Aber: „In unserer Gemeinde möchte sich ein Möbelhaus niederlassen, womit wir wieder ein Angebot des mittel- und langfristigen Bedarfs hätten. Doch dieses Möbelhaus wird seit Mitte August 2017 vom Innenministerium blockiert, da es nicht den Zielen der Landesplanung entspricht“, sagt Stephan Strichertz, der Bürgermeister der Gemeinde Kleinblittersdorf.