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Eine kleine Corona-Musik in Saarbrücken

Festival : Eine kleine Corona-Musik in Saarbrücken

Die Saarbrücker Sommermusik 2020 wird es nicht geben. Ob es 2021 wieder weitergeht, ist ein heiß diskutiertes Thema in der Szene.

Es brodelt die Gerüchteküche, so ganz genau weiß niemand nichts. Nur eines ist sicher: Die Sommermusik 2020 wird es in der geplanten Form nicht geben. Wegen der allseits bekannten Einschränkungen kann das hochkarätige Musikfestival nicht mit dem vorgesehenen Programm und an den vertrauten Orten über die Bühnen gehen.

Aber ganz ohne Sommermusik müssen die Saarbrücker nicht auskommen. Es wird, teilt die Stadt Saarbrücken auf SZ-Anfrage mit, eine „Kleine Corona-Musik“ geben. Will heißen, Thomas Altpeter, der künstlerische Leiter und Gründer der Sommermusik, gestaltet ein Programm, das auch unter Corona-Bedingungen stattfinden kann.

Das wird natürlich nicht die gleiche Form mit vielen Uraufführungen und Kooperationen bieten können wie die originale Sommermusik. Denn so etwas braucht natürlich längere Vorbereitung. Schließlich schüttelt auch der beste Musiker, die beste Performerin nicht mal eben ein neues Programm aus dem Ärmel, das auch noch zum ganz eigenen Stil der Saarbrücker Sommermusik passt.

Nein, die „Kleine Corona-Musik“ wird anderes bringen, an anderen Orten auch. Der Deutsch-Französische Garten wird bespielt und etwa der Innenhof der Stadtgalerie. Also Orte, an denen Menschen unter freiem Himmel Kultur erleben und die Corona-Bedingungen dennoch eingehalten werden können.

An solchen Orten kann es dann naturgemäß keine allzu filigrane Kammermusik zum Beispiel geben. Thomas Altpeter ist jetzt dabei, ein angepasstes Programm zu „stricken“. Im August soll es losgehen. Details werden wohl im Juli bekanntgegeben.

Weiterhin im Raum steht die Frage, was mit der Sommermusik 2021 wird. Im Prinzip war man bisher davon ausgegangen, dass das für dieses Jahr bereits fix und fertig geplante, ambitionierte Programm einfach ins nächste Jahr verschoben wird. Viele Künstlerinnen und Künstler hatten ja auch bereits begonnen, ihre Konzepte dafür zu entwickeln.

In der Zwischenzeit ist allerdings einige Unruhe in der Szene entstanden. Die Sommermusik sei tot, hieß es in einem Brief, den ein bekannter Musiker an viele Kolleginnen und Kollegen verschickte und der der SZ vorliegt. Er kritisiert darin, dass die Stadt derzeit darüber diskutiert, städtische Zuschüsse künftig von einer Jury vergeben zu lassen.

Zum Hintergrund: Die Stadt vergibt im Jahr 103 000 Euro für künstlerische Projekte. Bisher hatte darüber Thomas Alpeter, der die Kulturszene der Stadt kennt wie kein anderer, mit dem Segen des Kulturausschusses weitgehend unabhängig entschieden. Dabei lagen klar definierte Kriterien zu Grunde, wie Professionalität, Originalität etc. Im Rahmen dieser Zuschuss-Vergabe entwickelte Altpeter oft mit den Gruppen bereits Projekte, die dann (auch) bei der Sommermusik zum Einsatz kamen. So war es überhaupt möglich, für 18 000 Euro – so „hoch“ ist der eigentliche Etat der Sommermusik – ein mehrwöchiges Festival zu veranstalten.

Der in der Szene viel diskutierteBrief des Musikers geht nun davon aus, dass mit der Entscheidung für die Jury-Vergabe das Schicksal der Sommermusik besiegelt ist. Auf Anfrage sagt dazu Stadtpressesprecher Thomas Blug: „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns nicht zu jedem Gerücht äußern werden und auch nicht jeden internen Arbeitsschritt publik machen.“

Richtig sei, so Blug, dass es die Idee gebe, dass zukünftig eine Jury über die Anträge der freien Szene entscheiden soll. „Diese Idee wird dem Stadtrat zur Diskussion und Entscheidung vorgelegt“, so Blug weiter. „Ein solche Jury ist nicht unüblich. Das Land beispielsweise setzt in diesem Jahr auch auf eine Juryentscheidung bei der Vergabe der Mittel.“ Es gebe noch keine Namen für die Jury, auch stehe die Besetzung noch nicht fest. „Wir werden rechtzeitig informieren, wenn es konkrete Anlässe dazu gibt“, versichert der Stadt-Pressesprecher.