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Eine kleine Abendmusik als Trostpflaster statt Sommermusik

Vorschau : Ein glänzendes kulturelles Trostpflaster

Die Saarbrücker Sommermusik und die Serenaden-Konzerte wird es wegen Corona nicht geben. Aber „Die Kleine Abendmusik“, die das Kulturamt und Thomas Altpeter stattdessen konzipiert haben, bietet viel Spannendes.

In pandemischen Zeiten ist alles anders – gerade auch in der Kultur: Zwei von der Stadt finanzierte fundamentale Stützen des Saarbrücker Konzertlebens müssen in diesem Sommer Corona-bedingt ausfallen. Betroffen sind die beliebte Reihe „Serenade“ im Hof der Stadtgalerie und das üblicherweise mit rund 40 Terminen im gesamten Stadtgebiet aufwartende Festival „Saarbrücker Sommermusik“.

In mehr als drei Jahrzehnten hat die genre- und spartenüberspannende Sommermusik mit ihrem experimentierfreudigen Impetus einen weit über unsere Region hinaus strahlenden Ruf erworben.

Statt Sommermusik und Serenade hat Thomas Altpeter, künstlerischer Kopf im Kulturamt und Organisator beider Projekte, nun im Eiltempo für August und September eine „Kleine Abendmusik“ entworfen, die zunächst bereits auch als Kleine Coronamusik angekündigt war.

„Die Intention ist, in der aktuell herrschenden kulturlosen Zeit dem Publikum etwas zu bieten und den Musikern, die es zurzeit schwer haben, Auftritte zu geben“, sagt Altpeter. Mit 16 eintrittsfreien Terminen zwischen Klassik, Jazz, Neuer Musik und Literatur ist die „Kleine Abendmusik“ breit gefächert und möchte ein gemischtes Auditorium ansprechen.

Mit von der Partie sind Künstler wie Duo Sonorissima, Roland Gebhardt, Benjamin Jupé, Kirsti Alho, Octopus Quartett und Trio Lézard. Wegen Corona sind die Besucherzahlen bei allen Konzerten begrenzt, und man muss sich ausnahmslos schriftlich anmelden.

Das Konzept der „Kleinen Abendmusik“ ist „der Tatsache geschuldet, dass viele Konzerte im Freien stattfinden sollen“, so Altpeter, „und da nutzen wir die gute Akustik der Konzertmuschel im Deutsch-Französischen Garten, die so ausgezeichnet ist, dass wir keine elektronische Verstärkung benötigen“. Der Deutsch-Französische Garten (DFG) mit seinem malerischen Charme der Wirtschaftswunderjahre feiert aktuell 60-jähriges Bestehen.

Um dem Ordnungspersonal einen besseren Überblick zu gewährleisten, starten alle Konzerte recht früh, wenn es noch hell ist. Ein potenzielles Abendmusik-Highlight in der DFG-Muschel verspricht das „Modern Chamber Trio“ am Samstag, 22. August, 19 Uhr mit Christof Thewes (Posaune), Claudia Hahn (Flöte) und Julien Blondel (Cello), bei dessen Auftritt ausschließlich Eigenkompositionen aus dem Bereich der Neuen Musik erklingen sollen und zu dem maximal 150 Zuhörer vor Saarbrückens „Hollywood-Bowl“ im Kleinformat zugelassen sind.

Nur jeweils zehn Personen dürfen sich den „Literarischen Spaziergängen“ im DFG mit der Schauspielerin Michaela Auinger am 23. August und 13. September anschließen. Los geht’s an beiden Sonntagen bereits um 15 Uhr am Nordeingang des Parks beim Deutschmühlenweiher.

Ein weiterer Abendmusik-Ort wird der Platz vor der Neuen Einsegnungshalle des Hauptfriedhofs sein: Am Mittwoch, 23. September, 18 Uhr, wird hier das Saarbrücker „InZeit-Ensemble“ zu seinem 15-jährigen Bestehen eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Darmstädter Bassisten und Komponisten Jürgen Wuchner spielen, der häufig Gast der Saarbrücker Sommermusik war. 50 Personen können teilnehmen.

Neben Freiluftveranstaltungen hält die „Kleine Abendmusik“ auch Konzerte unter Dach und Fach bereit. Eine Spielstätte ist das denkmalgeschützte Pingusson-Gebäude (Hohenzollernstraße 60): Am Sonntag, 6. September, wird sich hier der Pianist Thomas Layes ab 17 Uhr Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier (Teil 2) widmen. Es gibt sechs „Höreinheiten“ à 24 Minuten, zu denen jeweils nur eine Person Zutritt hat; in Ausnahmefällen können sich Paare anmelden.

Ein weiteres Abendmusik-Domizil ist der Saarbrücker Rathausfestsaal. „Bach und Beethoven“ lautet hier das Motto des „Duo Kreutzer“ aus Mirta Herrera (Klavier) und Götz Hartmann (Violine) – zur Kammermusik am Sonntag, 16. August, um 17 Uhr,  sind 20 Zuhörer zugelassen.

Mit höchstens 50 Besuchern begibt sich die Abendmusik zu ihrem Finale ins Saarlandmuseum: „Das ferne Anfassen“ überschreiben Claudia Kemmerer (Mezzosopran), Ralf Peter (Tenor), Daniel N. Seel und Thomas Layes (Klavier) hier am Donnerstag, 24. September, um 19 Uhr, ihren szenischen Lieder-und Konzertabend mit „musiktheatralen Annäherungen an Franz Werfel“.

 Das Trio Lezard spielt am 19. September in der Konzertmuschel. 
Das Trio Lezard spielt am 19. September in der Konzertmuschel.  Foto: thomas.m.jauk/thomas m. jauk
 Das Duo Jupé spielt am 15. August in der Konzertmuschel.
Das Duo Jupé spielt am 15. August in der Konzertmuschel. Foto: Oliver Groß

Eröffnung der „Kleinen Abendmusik“ am Samstag, 8. August, 19 Uhr, im Pingusson-Bau: „Heimat, die ich suche – Konzerttrip ins Ungewisse“, mit Ralf Peter, Thomas Layes und Daniel Osorio. Maximal 50 Personen, Eintritt frei. Anmeldungen zu den Veranstaltungen sind ab sofort  bei der Saarbrücker Kulturinfo möglich. Kontakt: (0681) 905-4902 und -4903, thomas.hartmann@saarbruecken.de oder thomas.altpeter@saarbruecken.de
www.saarbruecken.de/kultur