Wo Songpoetinnen und Songpoeten aus Berlin und Paris drei Tage verbringen: Eine Insel des Friedens voller Chansons

Wo Songpoetinnen und Songpoeten aus Berlin und Paris drei Tage verbringen : Eine Insel des Friedens voller Chansons

Wo Songpoetinnen und -poeten aus Berlin und Paris drei Tage verbringen: Im Rahmen des Altstadtfestes finden zum 5. Mal Begegnungen von Chanson und Liedermacherei statt – einzigartig in Deutschland.

Normalerweise läuft das ja bei Konzerten so ab: Der Künstler kommt, der Künstler tritt auf, der Künstler reist ab – und das innerhalb weniger Stunden. Charmanter wäre es doch aber, wenn er noch ein bisschen bliebe. Vielleicht mehrmals auftritt, mal etwas ganz anderes singt und nebenbei Kollegen kennenlernt, die er sonst garantiert nie kennenlernen würde.

Was etwas zu gut klingt um wahr zu sein, gibt es längst. Zum fünften Mal präsentiert SR 2 Kulturradio diese Woche das „deutsch-französische SongpoetInnen-Treffen“ (dfSpT). Im lauschig-kuscheligen Ambiente des Innenhofs der Stadtgalerie steht vom 15. bis 17. Juni jeweils am Nachmittag deutsche und frankophone Chansonkultur im Fokus. Obwohl im Epizentrum des Saarbrücker Altstadtfestes verankert, stellt es für Moderator Gerd Heger eine „Insel des Friedens“ dar.

 „Vier zu vier“ lautet die magische Formel. Wie Heger, den man getrost als einen regionalen Chanson-Botschafter bezeichnen kann, erklärt, sind jeweils vier französische und deutsche Liedermacher engagiert, darunter einige „gestandene Leute“.

So pilgert mit Annika von Trier eine der wichtigsten Berliner Liedermacherinnen ins Saarland. „Literatur, Theater und Chanson sind die drei Hauptinteressen der Frau, die von der Volksbühne auf die Kleinkunstbretter kam“, erinnert Heger. Ebenfalls aus der Hauptstadt reist Stephan Krawczyk an – für sein Comeback. Den ehemaligen DDR-Dissidenten, „früher gern gesehener Gast im Saarland“, dürften Kenner vorab schon als Höhepunkt des Minifestivals handeln.

Einen Namen in der Pariser Szene erarbeitet hat sich Lise Martin. Sie bringt nicht nur „ihre folkigen poetischen Chansons und ihren Lebens- und Musikpartner Simon Chouf mit“, der wiederum vom „Mittelmeer-Feten-Chanson geprägt ist“. Im Schlepptau haben die in Toulouse lebenden Künstler auch Lises Schwiegermutter, die das Baby des Paares hütet.

Erstmals dabei ist AnneliSe aus Bordeaux, die Chansons der 1997 verstorbenen Barbara wie auch eigene Songs interpretiert. Heiß gehandelt wird ihr Kollege Valentin. Die „Popchanson-Entdeckung“ aus der Saarbrücker Partnerstadt Nantes verfügt laut Heger über „ein Timbre wie der große Jean-Jacques Goldman“ und das mit „Liedern,  die ans Herz gehen“. Gut möglich, dass Valentin bald die Hitparaden stürmt.

Freuen darf man sich zudem auf Mezzosopranistin  Julia Schilinski. Das Repertoire der Hamburgerin beschreibt „Monsieur Chanson“ Heger als Mix aus „Tango und Fado, Stefan und Anna Gwildis, Mikis Theodorakis  und Al Bano Carrisi“  – eine wahre Tausendsassa. Und dann wäre da noch eine „prominente Figur der Sago Liedermacher-Schule“: Annett Kuhr (Rottweil). Auch bei ihrem Kommen handelt es sich um eine Premiere.

Jede dieser acht Persönlichkeiten bestreitet ein eigenes Konzert, darüber hinaus gibt es Themenabende.  Für Gerd Heger verfügt diese Konstellation über einen ganz besonderen Reiz – man lebt drei Tage lang mehr oder weniger miteinander. „Am letzten Tag singen die Künstler die Lieder der jeweils anderen. Da sind schon richtig Tränen geflossen.“ Oft bleibt man auch untereinander in Kontakt. „Das sind echte Begegnungen“, die sich beim Altstadtfest abspielen – ein Novum deutschlandweit, für dessen Ermöglichung Heger nicht müde wird, Landeshauptstadt und SR zu danken.

Zusätzlich im Innenhof der Saarbrücker Stadtgalerie unterwegs sein werden die Maskottchen des dfSpT: Les Jetés de l’Encre direkt aus Montmartre und – erstmals in Deutschland – Arthur de la Taille aus Bordeaux  mit seinen Weltmusik-Chansons – der Garant für einen  „beschwingten“ Samstagabend, um mit Hans Rosenthal zu sprechen.

Auch Lise Martin tritt in Saarbrücken auf. . Foto: David Desreumaux
Gerd Heger,  Monsieur  Chanson beim Saarländischen Rundfunk, ist künstlerischer Leiter und Moderator des deutsch-französischen Treffens der Songpoetinnen und -poeten. Foto: Gerd Heger/Zippo Zimmermann

Wer das SongpoetInnen-Treffen verpasst, muss sich übrigens gar nicht so furchtbar grämen. Werden doch alle Konzerte inklusive Künstlerinterviews in der nächsten Wintersaison innerhalb der Sendung „SR2 RendezVous Chanson live“ im Radio ausgestrahlt.