| 20:31 Uhr

Online-Lesung
Eine digitale Buchvorstellung

Nicole Baronsky-Ottmann verfolgt die Online-Lesung der Autorin Angelika Lauriel.
Nicole Baronsky-Ottmann verfolgt die Online-Lesung der Autorin Angelika Lauriel. FOTO: Iris Maria Maurer
Heusweiler. Die Heusweiler Autorin Angelika Lauriel alias Laura Albers hielt ihre erste Lesung im Internet. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Es war genau das Richtige bei dem wechselhaften, nasskalten Wetter am Sonntagabend: einfach gemütlich zuhause bleiben und trotzdem einer Lesung lauschen. Möglich war das, weil die saarländische Autorin Angelika Lauriel zum ersten Mal zu einer Lesung im Internet eingeladen hatte.


Angelika Lauriel, Autorin aus Heusweiler, die bereits elf Bücher veröffentlicht hat, schreibt neuerdings unter dem Namen Laura Albers auch Liebesromane. „Winterduft und Schneeflocken-Küsse“ heißt ihr neuestes Werk, das gerade bei dp Digital Publishers erschienen ist. Um an der Lesung teilzunehmen, musste man sich vorher anmelden, dann erhielt man eine E-Mail, musste ein Programm laden und schon erschien auf dem Bildschirm in großen Lettern „Angelika Lauriel“. Und um 19 Uhr ging es dann pünktlich los. Die Aufnahme wurde freigeschaltet und man sah Angelika Lauriel/Laura Albers, die vor einer Bücherwand Platz genommen hatte. Die Autorin erklärte erst mal, dass die Rahmenhandlung des Buchs eine Hochzeit sei. „Und was braucht man für eine Hochzeit? Vier Dinge. Etwas Neues – das Buch. Etwas Geliehenes – ein Kissen meines Sohns. Etwas Blaues – ein Räucherhäuschen und etwas Altes – mein Hochzeitskleid“, begann sie und hielt dabei die Gegenstände in die Kamera. Und dabei zeigte sie auch ihr weißes, glitzerndes Brautkleid.

Und dann las sie vor. Sie nahm sich allerdings nicht die eigentliche Handlung des Romans vor, das turbulente Hochzeitschaos von Mia und Niklas, sondern eine Nebengeschichte. Und darin geht es um die Kusine Camille aus Saarbrücken, die in Aachen einen Mann kennenlernt, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Schon während der ersten Sätze bemerkte der Zuhörer, wie sich Angelika Lauriels anfängliche Nervosität legte. Nun war sie in ihrem Element und las nicht nur sehr akzentuiert die Sätze vor, sondern spielte mimisch die Emotionen nach. Das machte das Zuschauen richtig viel Spaß. Dazu kam, dass ein Teil der Geschichte in Saarbrücken spielt, und die Protagonistin daher ein Café verlässt, dessen Butterkuchen in der Stadt legendär sei. Auch die Saarschleife wurde erwähnt, sodass sich der heimische, aber in Liebesromanen eher unerfahrene Zuhörer zuhause fühlte. Natürlich las Angelika Lauriel nicht den ganzen Roman vor, sondern baute sehr professionell einen Spannungsbogen auf, der auf dem Höhepunkt dann abgebrochen wurde. „Wie es weitergeht? Da müsst ihr das Buch schon kaufen und selbst lesen“, forderte sie augenzwinkernd ihre Zuhörer auf.

Aber damit war die Lesung noch nicht beendet, denn nun konnten die Zuhörer online in einem Chat Fragen stellen. „Wie bist du Autorin geworden?“ „Wieso spielt das Buch auch in Aachen?“ Und: „Wie lange hast du an dem Buch geschrieben?“, wollten die Teilnehmer des Chats wissen. Und dann gab es noch Anmerkungen im Chat. So war eine Teilnehmerin ganz begeistert von der Online-Lesung, weil sie als Mutter kleiner Kinder nicht zu den Lesungen kommen könnte. Und wie war diese Lesung für Angelika Lauriel selbst? „Das war ganz komisch. Anfangs war ich so aufgeregt, als ob ich in einem Saal voller Menschen lesen würde. Aber das hat sich dann ganz schnell gelegt“, erzählte die Autorin nach der Lesung am Telefon. Es war ihr auch nicht ganz geheuer, dass sie die Reaktionen im Publikum nicht sehen konnte. „Normalerweise schaue ich ganz genau auf mein Publikum, wie die Sätze ankommen“, sagte sie. Und dann erklärte sie, dass dies bestimmt nicht ihre letzte Online-Lesung gewesen sei. „Ich werde das auf jeden Fall wiederholen, wahrscheinlich schon im Januar. Denn man erreicht im Internet ein anderes Publikum.“