Nauwieser Viertel: Ein Wohnzimmer fürs Nauwieser Viertel

Nauwieser Viertel : Ein Wohnzimmer fürs Nauwieser Viertel

Vor zehn Jahren hat der Werkhof in der Nauwieser Straße 19 aus einem Geschäfts- einen Veranstaltungsraum gemacht.

Es habe einige Diskussionen gegeben, sagt Sigrid Jost. Dann hat sich die Gemeinschaft des Kultur- und Werkhofs in der Nauwieser Straße 19 entschieden, nicht die Gefahr, sondern die Chance zu sehen. Und in diese Chance wurde investiert. Aus einem Ladenlokal wurde ein Raum, den Sigrid Jost als ein „Wohnzimmer fürs Viertel“ bezeichnet. „NN19“ wurde der Raum genannt, in dem zuvor der Blattlausverlag arbeitete.

Durch die Nutzung des Raums als Laden, der direkt an der Straße liegt, kam Miete in die Kasse der Gemeinschaft. Inzwischen ist klar: Auch als Wohnzimmer rechnet sich der Raum. Das, sagt Jost, sei aber eben nicht klar gewesen. „Es bestand die Gefahr, dass er nicht angenommen wird und wir es finanziell nicht hinkriegen“, sagt sie. Zumal erst noch Wände eingerissen, ein neuer Boden verlegt und passendere Lampen aufgehängt wurden.

Nach zehn Jahren gebe es keinen Zweifel mehr: Die Entscheidung war richtig, die Investition auch. Sigrid Jost, die den Raum im Auftrag des  Kultur- und Werkhofs betreut, organisiert mit einigen anderen regelmäßig eigene Veranstaltungen. Im NN19 wird gekocht, gehäkelt und gestrickt, es wird gesungen und gezeichnet und gespielt. Der Raum, sagt Sonja Bader, die ihr Klangwerk-Studio für Musiktherapie im Nauwieser 19 hat, lade ein, „etwas zu tun und in Kontakt zu kommen“. „Hier treffen sich Leute, die sich sonst nie begegnet wären, alte und junge, Leute, die kaum Geld haben und solche, die sich da keine Gedanken machen müssen“, sagt Sigrid Jost.

Es kommen auch viele Menschen, die nicht im Viertel wohnen – zu den Veranstaltungen, aber  auch, um nach der Trauung im Rathaus St. Johann einen Sektempfang zu machen, eine Kommunion oder einen Geburtstag zu feiern. Auch Vereine oder Parteien mieten den Raum gelegentlich. Dass der NN19 so beliebt ist, sei einfach zu erklären, sagt Ingrid Kraus vom Kino achteinhalb, das im Hinterhof ist: „Es ist ein angenehmer Raum, so etwas findet man sonst kaum in Saarbrücken.“

Das weiß auch die Initiative Nauwieser Viertel. Mit ihr zusammen organisiert der Kultur- und Werkhof Fotoaktionen, das Nauwieser Frühstück und das Erzählcafé. Vom NN19 aus gibt es Exkursionen durchs Viertel, um zum Beispiel zu schauen und darüber zu reden, wie es früher hier war, wo welche Geschäfte und Kneipen waren, die manch einer nur noch vom Hörensagen kennt.

Wo so viele Menschen zusammenkommen, sagt Jost, bleiben auch Konflikte nicht aus. Aber auch die löse man miteinander. Und um Perfektion gehe es eh nicht. „Wir singen ziemlich schräg und lachen viel“, sagt Jost.
Was kann jetzt, nach zehn Jahren,  noch kommen? „Was irgendwann passieren muss, ist der Tanztee“, sagt Sigrid Jost. Irgendwann ist am Abend des 22. Juli, da gibt es den ersten Versuch, „mit jemand, der Musik auflegt“. Wenn das klappt, soll es beim nächsten Mal eine Live-Band geben.

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