Ein Wochenende Woodstock in Saarbrücken

Altstadfest : Ein Wochenende Woodstock in Saarbrücken

Das längst zur Legende gewordene Musikfestival in Woodstock war am vergangenen Wochenende das Hauptthema des Saarbrücker Altstadtfestes. Während es auf der großen Bühne am Staatstheater im täglichen Wechsel krachenden Rock und einfühlsame Popmusik aus der Schweiz und Deutschland gab, lebte Woodstock vor allem am St. Johanner Markt auf.

Mit einer täuschend echten Joe-Cocker-Kopie bereits am Freitag. „Sogar der berühmte Urschrei war dabei“, sagte Organisator Norbert Küntzer.

Spätestens am Samstag ist der Geist von Woodstock dann tatsächlich zu spüren. Yannick Manot spielt mit der Gitarre etliche Lieder an, in denen der Kult der Mutter aller Festivals begründet liegt. Und garniert seine Vorträge mit Annekdoten – so ist er im Festivaljahr 1969 selbst in die Staaten geflogen–- mit nichts als seiner Stimme, eine Gitarre und einem Kazoo. Wenig später beschwören The ViBe die von übersteuerten Gitarrenklängen geprägte Musik des Jimi Hendrix. ViBe stehe dabei nicht nur als Kurzwort für Vibrations, wie Bühnenmoderator Roland Helm weiß: „Da alle, außer dem aus Berlin stammenden Sänger, aus dem Saarland kommen ist es eine Abkürzung für Völklinger in Berlin.“

Später gibt es gitarrenlastige Musik, Batuka spielen ihr Tribut auf Santana. Ja, und während Woodstock fast im Regen unterging, scheint die Sonne beim Saarbrücker Altstadtfest sprichwörtlich Ploodere. Sonne und Saharahitze im Überfluss, da ist Abkühlung gefragt. Gut, dass es am Samstag auf der Bühne am Staatstheater ruhig zuging. Zu den Eigenkompositionen der familiären Band „Wintershome“ aus Zermatt in der Schweiz, konnten die Zuhörer die Seele baumeln lassen, später schlägt Alexa Feser  ebenfalls überwiegend ruhigere Töne an.

Viele treibt es auch an die Flohmarktstände, wo viele Bummler auf Schnäppchen, etwa aus den Bereichen Design, Kunst und Kloores, hoffen. Hier und da auch ein Ort der Entspannung. Der Innenhof der Stadtgalerie gehört in den Nachmittagsstunden mit Sicherheit dazu, wo sich die Chansonniers auf der Bühne abwechseln – und sich, wenn es das Thema so fordert, auch mal mit den Liedern der anderen Künstler befassen. Auch an die kleinen Besucher ist gedacht. Auf der Bühne der Tanzschule Bootz-Ohlmann auf der Saarwiese am Leinpfad lernen Kinder Choreografien. Etwa die, in der einem Nilpferd ziemlich lustig der Weg zur nächsten Toilette gezeigt wird. Die Vortänzerinnen Alice de Grazia zeigt ausdauernd, wie das geht. Haupt-Anziehungspunkt aber ganz klar die großen Bühnen – auch am Sonntag. Am St. Johanner Markt geht es zwischendurch um Mobbing an der Schule und Tom Lehels Song „Du Doof!“ (weiterer Bericht in dieser Ausgabe). Familie Adam, Patriarch Marcel, Sohn Yann-Loup, Schwiegertochter Anisha und ihre Musiker trauern einem Mitmusiker nach. Guido Allgaier, der unter der Woche überraschend verstorben ist. Die Stadtkapelle trägt das Thema Woodstock jetzt auch auf die Bühne am Staatstheater, später rocken Retronaut und die Ragdolls um Sänger Patrick Jost. Und zum  Abschluss noch eine Starparade auf den Bühnen. Richie Kotzen ist erfolgreicher Gitarrist und führt ein aus Los Angeles stammendes Trio an. Hinter den „Frontm3n“ verbergen sich Peter Howarth, Mick Wilson und Pete Lincoln. Bekannt wurden die drei Engländer unter anderem als Sänger der Hollies, 10cc und Sweet.

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