Kunst im öffentlichen Raum : Kasters Wandgestaltung der besonderen Art

Am St. Johanner Eckhaus Katholisch-Kirch-Straße/Gerberstraße befindet sich eine figurative Darstellung aus den 1950er-Jahren.

 Manche Kunstwerke im Saarbrücker Stadtraum sind nur im Winter gut zu sehen. Denn in den übrigen Jahreszeiten verdecken Blätter der benachbarten Bäume die Kunstwerke. Dazu zählt eine Wandgestaltung von Rudolf Kaster am Eckhaus Katholisch-Kirch-Straße/Gerberstraße.

Die figurative Darstellung aus den 1950er-Jahren versteckt sich trotz ihrer Höhe von über vier Metern während des Sommers hinter dem Blattwerk der Bäume. Eigentlich schade. Denn diese Wandgestaltung ist sehr gelungen. Rudolf Kaster hat hier zwei hintereinander versetzt angeordnete Frauenfiguren in der typischen, vereinfacht und zusammengefassten Linienführung der 1950er-Jahre wiedergegeben. Dabei konzentriert sich Rudolf Kaster ganz auf die geschwungene, feste Kontur der Frauen. Beide Figuren tragen lange Gewänder, die hintere Figur hält mit ihrer rechten Hand ein Gefäß auf ihrem Kopf, die vordere Darstellung hält dagegen ein Kind im Arm. Die Linienführung ist lebendig, aber schematisiert, Gesichtszüge werden nur knapp angedeutet. Das Besondere an dieser Darstellung ist die Gestaltung des Hintergrunds. Denn hier nutzt Rudolf Kaster sowohl die glatte Hauswand als auch unregelmäßig geformte Felder aus recht groben, bunten Mosaiksteinen, die an der Hauswand angebracht wurden. Diese Mosaikfelder folgen aber nicht den Konturen der Figuren, sondern sie sind etwas verschoben angebracht. So ist die Figur mit Gefäß auf dem Kopf zum Großteil durch die Mosaiksteine gestaltet, die Figur mit Kind jedoch nur von der glatten Hauswand. Das bewirkt einen Kontrast, der der Wandgestaltung einen besonderen Charme und Reiz verleiht.  Ein weiteres Mosaikfeld zu den nicht abgebildeten Füßen der Figuren gibt der Darstellung Halt, erdet sie. Rudolf Kaster, geboren 1914 in Saarbrücken und 2003 in Bad Ems verstorben, gestaltete in den 1950er-Jahren mehrere Kunstwerke im öffentlichen Raum von Saarbrücken. Von ihm stammen der „Phoenix aus der Asche“, am VHS- Zentrum, der oberhalb der Alten Brücke seine Schwingen ausbreitet, aber auch die Wandgestaltung von Brieftauben am früheren Postamt in der Mainzer Straße.

Nach seinem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie arbeitete Rudolf Kaster als Dozent an der Keramik-Fachschule in Höhr-Grenzhausen. Das erklärt seine Vorliebe für die Mosaikgestaltung, mit der er seine Kunstwerke, immer gekennzeichnet von der kräftigen Kontur, häufiger kontrastierte.

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