Porträt : Ein Pionier der Jugendarbeit

Theo Koch hat vor 25 Jahren angefangen, Jugendzentren aufzubauen. Heute ist sein Rat bundesweit gefragt.

Vor 25 Jahren ist Theo Koch durch das ganze Saarland gefahren und hat Jugendtreffs besucht, sich mit den Jugendlichen unterhalten und ihnen Tipps und Ratschläge gegeben. Damals war Theo 38 Jahre alt und hatte gerade angefangen als Sozialarbeiter bei Juz United zu arbeiten. Juz United ist der Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung.

„Mitte der 1990er Jahre gab es im ganzen Saarland vielleicht 20 Jugendzentren in Selbstverwaltung. Wir haben uns damals auf die Fahne geschrieben, diese Zahl zu erhöhen und die Jugend noch mehr zu unterstützen“, blickt Theo Koch zurück. Der heute 63-Jährige war damals der erste Festangestellte bei Juz United und hatte eine halbe Stelle. Heute hat das Saarland 130 Jugendtreffs und Juz United zehn festangestellte Mitarbeiter.

„Wir haben in den zurückliegenden Jahren sehr viel gearbeitet. Wir haben ein tolles Team“, sagt Theo, der im Ostertal bei St. Wendel aufwuchs und mittlerweile in Dudweiler lebt. „Ich war ja früher bei uns auf dem Land auch im Jugendclub und habe mich dort engagiert. Ich fand und finde die Arbeit mit und von Jugendlichen sehr wichtig in unserer Gesellschaft“, sagt Theo, der mittlerweile Geschäftsführer bei Juz United ist und den gesamten Verband koordiniert.

Er kennt sich wie kaum jemand anderes mit Jugendarbeit aus. „Die Eltern erziehen ihre Kinder, und in der Schule werden sie ausgebildet. Aber das allein reicht noch lange nicht, um aus Jugendlichen Erwachsene zu machen. Die Jugendlichen müssen das Wertesystem kennenlernen, selbstständig werden und Verantwortung übernehmen. Das geht nur mit Gleichaltrigen, und dafür sind die Jugendtreffs ideal“, sagt Theo Koch und erklärt ein Beispiel: „Jugendliche, die sich in Jugendtreffs organisieren, lernen sehr viel. Die Räumlichkeiten müssen geputzt werden. Essen und Getränke müssen bestellt werden. Wer macht Thekendienst? Wer plant Veranstaltungen? Bei solchen Dingen lernen die Jugendlichen ungemein viel dazu.“

Theo Koch hat Sozialarbeit studiert. Er meint: „Die Arbeit der Jugendlichen wird in der Gesellschaft häufig unterschätzt. Oft bekommt man nur mit, wenn Jugendliche etwas angestellt haben, oder es zu laut war, oder solche Dinge. Gerade im ländlichen Raum sind die Vereine der Jugend oft ein Eckpfeiler der Gesellschaft und tragende Säulen in der Kultur.“

Theo Koch hat Juz United in 25 Jahren zu einem Vorzeigeverband gemacht. Juz United greift Jugendlichen unter die Arme, wenn sie einen Jugendtreff gründen wollen. Der Verband kümmert sich oft auch um die Finanzierung von Räumen. Aktuell sucht Juz United einen geeigneten Raum für die Jugend in Kleinblittersdorf. Finanziert wird Juz United durch kommunale und Landesgelder. Auch auf Geld von Bund und EU kann der Verband zurückgreifen. „Es ist viel Arbeit. Man muss immer am Ball bleiben und genau wissen, welche Projekte für die Jugend gefördert werden können“, sagt Theo Koch. Die Arbeit erledigt Juz United anscheinend hervorragend. In der kommenden Woche kommt eine Gruppe aus Bielefeld nach Saarbrücken und möchte sich die Arbeit von Juz United anschauen. Theo Koch hat bereits Vorträge in Sachsen, Berlin und Baden-Württemberg gehalten und so der übrigen Republik erklärt, wie Jugendarbeit im Saarland funktioniert.