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Ein Leben für die Eisenbahn
Ein Europäer auf beiden Seiten der Grenze

Im Rahmen des Projektes „Route des Feuers“ gestaltete Neiss auch den Industriepark Petite-Rosselle mit dem Musée les mineurs mit.
Im Rahmen des Projektes „Route des Feuers“ gestaltete Neiss auch den Industriepark Petite-Rosselle mit dem Musée les mineurs mit. FOTO: Iris Maurer
Homburg/Saargemünd. Der 75-jährige Bruno Neiss war als Ingenieur über Jahrzehnte in Deutschland und Frankreich tätig. Da hat er Erfahrung gesammelt.

Das Thema grenzüberschreitendes Engagement zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Bruno Neiss. Geboren wurde der heute 75-Jährige im Elsass, sein Abitur machte er in Saargemünd, wo er auch heute noch lebt. Zum Ingenieursstudium zog es ihn allerdings fort, nach Straßburg, der „Hauptstadt Europas“. Und irgendwie passt das ganz gut, denn Bruno Neiss „war im Herzen immer Europäer“. Erste grenzüberschreitende Erfahrungen konnte er direkt mit seiner ersten Anstellung sammeln. Als Ingenieur bei der französischen Nationalbahn betreute er ab 1964  für zwei Jahre die Strecke Straßburg-Karlsruhe, zurück in Saargemünd dann für weitere zwei Jahre die Strecke Straßburg-Saargemünd-Saarbrücken.



„Züge bleiben nicht einfach an der Grenze stehen“, sagt Neiss. In Saargemünd zieht sich die deutsch-französische Grenze mitten durch die Stadt. Das bedeutet, dass man so gut wie möglich mit den Behörden auf beiden Seiten zusammenarbeiten muss. Für Bruno Neiss war das immer selbstverständlich.

Auch in seinem nächsten beruflichen Projekt, spielte grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine tragende Rolle. Neiss bezeichnet es sogar als „eines seiner größten grenzüberschreitenden Projekte“. Ab 1972 war er leitender Ingenieur für die neu gebaute Kläranlage Saargemünd, ein Projekt, das in Zusammenarbeit der französischen und deutschen Behörden realisiert werden sollte. „Die Franzosen sprachen kein Wort Deutsch, die Deutschen kein Wort Französisch“, erzählt Neiss. Die Standards beider Länder sollten so gut wie möglich eingehalten werden und irgendwie musste das Ganze auch finanziert werden. Für alles musste eine Regelung gefunden werden, und Bruno Neiss war daran maßgeblich beteiligt.

Bruno Neiss ist zudem ehemaliges Mitglied der Commision Permanente des Vereins SaarMoselle Avenir, welcher Gemeinden und Gemeindeverbände aus dem Grenzgebiet zusammenschloss, um die beidseitige Zusammenarbeit zu strukturieren und weiter auszubauen. Als Vertreter der Stadt Saargemünd trug Bruno Neiss dort zur Einführung von Veranstaltungen wie Velo SaarMoselle bei. Im Verein wurde der Grundstein für den heutigen Eurodistrict SaarMoselle geschaffen.

Seit zehn Jahren ist Neiss nun schon im Ruhestand, seine Erfahrungen in grenzüberschreitender Zusammenarbeit sind trotzdem noch gefragt. Als Präsident des Tourismusbüros von Saargemünd hat er sich stets für grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingesetzt, und hat somit auch maßgeblich zur saarländischen Tourismus-Strategie beigetragen.  Neiss initiierte dabei die Umsetzung von Partnerschaften mit benachbarten Tourismusbüros und der Saarland Therme. Auch beim Ausbau des Flusstourismus auf der Saar hatte Neiss seine Finger im Spiel. Weitere grenzüberschreitende Projekte, an denen Neiss beteiligt war, sind das touristische Entwicklungsprojekt im Bliestal sowie die Projekte „Route des Feuers“ und „Das Blaue Band“.

„Wenn man Europa denken will, muss man an den Grenzen anfangen“, sagt Neiss. Diese Grenzen gibt es für ihn nämlich gar nicht. Früher gab es auch keine Grenze zwischen Frankreich und Deutschland, und im Laufe der Geschichte waren die beiden Länder mal Freund und mal Feind. Und dabei ist eins für Neiss besonders wichtig: In der Vergangenheit hat es immer besser funktioniert, wenn man Hand in Hand zusammengearbeitet und miteinander gelebt hat.